Stand: 07.04.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Mit gigantischem Gelddrucken haben die EZB und die US-Notenbank die Wirtschaft in den vergangenen Jahren am Laufen gehalten. Nun verschärft die Fed die Geldpolitik aber allmählich, während die EZB weiterhin kräftig Gas gibt. Beides birgt enorme Risiken und spricht für steigende Goldpreise.

Der Goldpreis tendiert weiterhin um die Marke von 1.250 Dollar je Unze: Für Rückenwind sorgte zuletzt die Mitschrift der Sitzung der US-Notenbank Fed, nach deren Veröffentlichung der US-Dollar deutlich gesunken ist, und im Gegenzug ist der Goldpreis gestiegen.

In der Mitschrift warnen die Mitglieder der Fed vor der hohen Bewertung des Aktienmarkts. „Einige Mitglieder sehen die Aktienkurse als ziemlich hoch an im Vergleich zu den traditionellen Bewertungskennzahlen“, stand in der Mitschrift.

Deutlicher kann die US-Notenbank nicht vor einer Blase am Aktienmarkt nicht warnen. Etliche seriöse Experten, wie John Hussman von der renomierten US-Investmentfirma Hussman Funds, betonen regelmäßig wie extrem überbewertet der Markt ist und sagen vorher, dass er im nächsten Crash um 50 Prozent einbrechen wird - genau so, wie es bei den Crashes in den Jahren 2000 bis 2002 und 2008/2009 passiert war.

Fed will die Blase am Aktienmarkt zum Platzen bringen

Die jüngsten Aussagen der Fed deuten klar darauf hin, dass sie aus der Blase am Aktienmarkt die Luft herauslassen möchte. Dazu will die Fed die Zinsen weiter nach oben drücken. In der jüngsten Mitschrift weisen die Mitglieder der Fed daher darauf hin, dass sie - neben den geplanten Zinserhöhungen - gegen Jahresende damit beginnen könnten, die Bilanzsumme von 4,47 Billionen Dollar allmählich zu reduzieren, indem Staats- und Hypothekenanleihen verkauft werden.

Steigende Zinsen sind zwar für Sparer mehr als wünschenswert, weil sie in den vergangenen Jahren die Leidtragenden der Nullzinspolitik waren. Wenn die Fed aber versucht, bei der extrem hoch verschuldeten US-Wirtschaft die Zinsen zu erhöhen, geht die Fed ein enormes Risiko ein. Immerhin belaufen sich die Schulden des privaten Sektors, also von privaten Haushalten und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, auf den Rekord von 47 Billionen Dollar - das sind horrende 253 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Dass die Fed die Zinsen dennoch erhöhen will, macht die Investoren am Anleihenmarkt daher zusehends nervös. Trotz, oder vielmehr wegen der Zinserhöhungsserie der Fed flüchten Investoren in US-Anleihen und treiben so die Kurse nach oben, weshalb die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 2,34 Prozent abgerutscht sind.

Damit liegen sie in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit Mitte November 2016, also kurz nach dem Wahlsieg von Donald Trump und zeigen damit eine deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft an. Wenn die Fed in dem Umfeld die Zinsen weiter erhöht, während die Zinsen für zehnjährige Anleihen abschmieren, könnte das zu einem deutlichen Kursrückschlag am US-Aktienmarkt führen.

In dem Umfeld dürfte Gold als sicherer Hafen sehr gefragt sein. Zumal die sinkenden Zinsen den Dollar mit nach unten ziehen würden, womit der Goldpreis gleich aus zwei Seiten Rückenwind bekäme. Das Vabanque-Spiel der Fed spricht also klar für steigende Goldpreise.

EZB druckt Geld als gebe es kein morgen

Während die Verschärfung der Geldpolitik durch die US-Notenbank enorme Risiken nicht nur für den US-Aktien- und Immobilienmarkt, sondern auch für den weltweiten Aktienmarkt bedeutet, bedeutet auch das massive Gelddrucken der EZB enorme Risiken. Sie druckt ab April 60 Mrd. Euro monatlich und schichtet zudem alte, auslaufende Anleihen, in neue um.

Damit liegt das tatsächliche Gelddrucken im Bereich zwischen 70 und 75 Mrd. Euro monatlich, weshalb die Geldpolitik gegenüber dem bisherigen Drucken von 80 Mrd. Euro praktisch nicht verschärft wird. Zudem hat die EZB zuletzt für ein vorerst letztes Mal vierjährige Kredite im Volumen von 233,5 Mrd. Euro an die Banken vergeben.

Der Zinssatz für die Kredite: null Prozent. Wenn das Kreditwachstum der Banken gewisse Ziele erreicht, kann der Zinssatz sogar bis auf minus 0,4 Prozent sinken. Das heißt die EZB bekommt nicht etwa Zinsen von den Banken, sondern zahlt ihnen Zinsen, damit die Schuldensause bei privaten Haushalten und Unternehmen weiterlaufen kann. Dass viele Verbraucher und Unternehmen bereits viel zu hohe Schulden haben, interessiert EZB-Chef Mario Draghi nicht.

Die Folge dieses extremen geldpolitischen Experiments: Die Bilanzsumme der EZB ist zuletzt auf 4,1 Billionen Euro nach oben geschossen - das ist ein Anstieg um knapp 300 Mrd. Euro gegenüber Ende Februar. Seit der Pleite von Lehman Brothers hat die EZB damit 2,6 Billionen Euro gedruckt. Damit ist die Bilanzsumme der EZB auf horrende 38 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Euro-Zone nach oben geschossen und lässt damit die Gelddrucker von der US-Notenbank ziemlich alt aussehen. Deren Bilanzsumme liegt bei „nur“ 23,7 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Blase am Immobilienmarkt wird aufgepumpt

Welche Folgen das massive Gelddrucken der EZB hat und wie es enden wird, dürfte viele Bürgern längst klar sein. Derzeit schießen die Immobilienpreise nach oben, weil die Sparer angesichts der Minizinsen versuchen, ihr Geld in Sicherheit zu bringen, und es in Immobilien zu stecken.

Staatsverschuldung in Deutschland (BRD) bis 2015

2016 sind daher in Deutschland die Baugenehmigungen um 21,6?Prozent auf 375.400 Einheiten nach oben geschossen. Weil die Geldmenge seit Jahren viel stärker wächst als die Wirtschaft der Euro-Zone heizt Draghi die Inflation massiv an.

Viele Bürger, die regelmäßig Einkaufen gehen, oder mit ihren Kindern ins Kino, oder den Freizeitparkt, wissen, dass die tatsächliche Inflation viel höher ist als die offiziell ausgewiesene. Draghis Gelddrucken dürfte den Euro weiter schwächen, damit die Inflation weiter anheizen, weshalb Gold als Inflationsschutz zusehends begehrt sein sollte.

Die Geldpolitik der Fed und der EZB bergen jeweils auf ihre Art und Weise enorme Risiken. Umso sinnvoller ist es, dass sich die Sparer gegen einen möglichen, deutlichen Kursrückschlag am Aktienmarkt, den schwachen Euro und die hohen Inflationsrisiken mit Gold absichern.

Goldpreis in Dollar (USD) von 1973 bis aktuell 2017

Die Goldpreisentwicklung könnte schon bald die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie von rund 1.261 Dollar je Unze nachhaltig nach oben durchbrechen, woraufhin sich der Aufwärtstrend beim Goldpreis beschleunigen sollte.

Goldpreis: Steigt Gold durch Geldpolitik der EZB und Fed?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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