Stand: 31.05.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Der Goldpreis nimmt das April-Hoch ins Visier. Dabei ist es für viele Investoren ausgemachte Sache, dass die US-Notenbank Fed im Juni erneut die Zinsen anheben wird. Dennoch, oder vielmehr gerade deswegen, sollte sich der Aufwärtstrend beim Goldpreis beschleunigen.

Auf das höchste Niveau seit Anfang Mai ist die Goldpreisentwicklung geklettert: Rückenwind erhält der Goldpreis von den anhaltend schwachen US-Konjunkturdaten, die die US-Zinsen nach unten drücken und damit den Dollar mit nach unten ziehen.

Zwar war die Wirtschaft im ersten Quartal mit 1,2 Prozent annualisiert etwas stärker gewachsen als Volkswirte vorhergesagt hatten. Der anualisierte Wert wird errechnet, wenn man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit vier multipliziert. Abgesehen von dieser Zahl, gibt es aber eine Reihe von US-Konjunkturdaten, die deutlich schwächer als erwartet ausgefallen sind.

So waren die um den Transportsektor - sprich um die Aufträge für Boeing - bereinigten Aufträge für langlebige Gebrauchsgüter im April um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, während Volkswirte einen Anstieg um 0,4 Prozent vorhergesagt hatten. Offensichtlich halten sich die US-Unternehmen weiterhin bei Investitionen zurück.

Zinsen für US-Anleihen unter Vorjahres Niveau

Zudem waren die Verkäufe neuer Häuser im April um 11,4 Prozent gegenüber dem Vormonat eingebrochen. Die Analysten hatten einen Rückgang um lediglich 1,5 Prozent vorhergesagt. Offensichtlich haben die zwischenzeitlich gestiegenen Hypothekenzinsen den US-Immobilienmarkt viel stärker belastet als Analysten erwartet hatten.

Wegen der Serie miserabler US-Daten flüchten Investoren zusehends in US-Staatsanleihen, woraufhin die Zinsen für zehnjährige Anleihen auf 2,25 Prozent gesunken sind. Damit liegen sie deutlich unter dem Niveau von 2,57 Prozent vom 14. Dezember 2016, als die US-Notenbank zum zweiten Mal in diesem Zyklus die Leitzinsen angehoben hatte. Der dritte Schritt folgte am 15. März 2017. Seitdem sind aber viele Konjunkturdaten geradezu kollabiert.

US-Notenbank sagt Abkühlung ist vorübergehend

Dennoch ist es für viele Investoren ausgemachte Sache, dass die Fed die Zinsen bei der nächsten Sitzung am 14. Juni erneut anheben wird. In einem Umfeld steigender Leitzinsen steigen üblicherweise auch die Zinsen für zehnjährige Anleihen und signalisieren damit eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums.

Staatsverschuldung der USA 2014-2016

Zwar betont die Fed, dass sie die Zinsen im Verlaufe des Jahres noch zwei Mal anheben möchte. Der Finanzmarkt zweifelt aber zusehends an dieser Vorhersage und geht von lediglich einer Erhöhung aus, zumal die Inflationsraten allmählich zurückgehen. So lagen die Verbraucherpreise im April um 2,2 Prozent über dem Vorjahr, nachdem im Februar noch ein Plus von 2,7 Prozent zu Buche gestanden hatte.

Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Inflationsrate in den nächsten Monaten allmählich weiter sinken. Selbst wenn die Fed die Zinsen am 14. Juni erhöhen dürfte, dürften in einem schwachen Konjunkturumfeld die Zinsen für zehnjährige Anleihen nach unten tendieren und damit den Dollar mit nach unten ziehen. Das würde den Goldpreis beflügeln.

Nur in diesem Umfeld macht es Sinn für die Fed, die Zinsen anzuheben, weil laut den Aussagen der US-Notenbank durch eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums die Inflation angeheizt werde.

Während die Fed andauernd behauptet, die jüngste Abkühlung des Wirtschaftswachstums sei vorübergehender Natur, zeigt der Rückgang bei den Zinsen für zehnjährige Anleihen unmissverständlich, dass die Investoren von einer nachhaltigen Abkühlung des Wirtschaftswachstums ausgehen.

Gleichzeitig gehen viele Volkswirte davon aus, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten allmählich zurückgehen wird, nachdem sie zwischen Februar und April bereits von 2,7 Prozent auf 2,2 Prozent gesunken ist. Von der Inflationsseite hat die Fed daher keinen Grund, um die Zinsen zu erhöhen.

Goldpreis wird von zwei Seiten gestärkt

Inzwischen gehen etliche Investoren davon aus, dass die Fed durch weitere Leitzinserhöhungen die Wirtschaft weiter belasten würde, weshalb die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen nach unten ausbrechen könnten. Nach den vergangenen beiden Leitzinserhöhungen sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen nicht etwa gestiegen, sondern gesunken.

So könnte es auch diesmal laufen. In dem Umfeld würde der Dollar noch stärker unter Druck kommen, womit der Goldpreis gleich von zwei Seiten Stärkung hätte. Bemerkenswert ist zudem, dass der Goldpreis steigt, obwohl der S&P500 von Rekord zu Rekord eilt.


Gold - Kurs Goldpreis Heute 1 Jahr in US-Dollar

Wenn man ständig neue Kursgewinne am Aktienmarkt machen kann, wieso Gold kaufen? Offensichtlich sind viele Investoren inzwischen aber anderer Meinung, ist doch der Goldpreis seit Jahresanfang stärker gestiegen als der S&P500. Der Trend dürfte anhalten.

Gold-Fans brauchen wegen der Verschärfung der US-Geldpolitik keine Sorgen zu haben. Denn je stärker die Fed nun abbremst, umso stärker muss sie später wieder die Geldpressen laufen lassen, um erneut eine künstliche Belebung der hochverschuldeten US-Wirtschaft auszulösen.

Genau dieses Szenario dürfte der Goldpreis widerspiegeln. Die Perspektiven für das Edelmetall sind weiterhin hervorragend. Nun gilt es, das April-Hoch von knapp 1.300 Dollar nach oben zu durchbrechen, womit sich der Aufwärtstrend beim Goldpreis beschleunigen dürfte.

Die nächsten wichtigen Kurs Impulse dürfte der Konjunkturbericht „Beige Book“ der US-Notenbank liefern, der am Mittwoch, 31. Mai um 20 Uhr veröffentlicht wird.

Goldpreis steigt trotz US-Zinserhöhungsserie der Fed
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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