Stand: 12.03.2019 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Am Freitagabend veröffentlichte die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ihren Stimmungsbericht für die Woche zum 5. März und wäre damit – nach dem am 25. Januar beendeten Shutdown – wieder auf dem neuesten Stand.

Wachsende Unsicherheit an den Terminmärkten

Mit dem verkündeten Ende des Shutdown der US-Regierungsgeschäfte ging die CFTC dazu über, die ausgefallenen Commitments of Traders-Reports dienstags und freitags nachzureichen. Mittlerweile wurde der Datenrückstand komplett aufgeholt und an den Goldmärkten weiß man wieder, wie es um die Stimmung unter den verschiedenen Marktakteuren bei Gold-Futures aktuell bestellt ist.

Besonders aufmerksam werden erfahrungsgemäß die Aktivitäten großer Terminspekulanten (Non-Commercials) verfolgt, da deren Umsätze den Goldpreis besonders stark beeinflussen. Ihre Gemütslage kann derzeit als stark verunsichert bezeichnet werden, von klaren Tendenzen oder gar Trends kann man seit dem Jahreswechsel eher nicht sprechen. Seither hat deren Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) bereits viermal die Richtung gewechselt.

Gold-Futures an der Terminbörse Comex (CoT-Reports)

aktuell 52-Wochentief 52-Wochenhoch
Open Interest (Anzahl offener Kontrakte) 471.311 399.919 (Dez. 2018) 545.499 (Mrz. 2018)
Großspekulanten (Long- minus Short-Seite) 88.018 -38.175 (Okt. 2018) 203.354 (Mrz. 2018)
Kleinspekulanten (Long- minus Short-Seite) 25.979 6.972  (Sep. 2018) 27.544 (Mai 2018)
Quelle: CFTC; Stand: 05.03.2019

Auch beim allgemeinen Interesse, ablesbar durch die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) war seit Ende Dezember ein stetiges Auf und Ab zu beobachten. Während dieser neun Wochen schwankte sie zwischen 455.200 und 513.500 Futures (siehe Tabelle), wobei ein Kontrakt den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold repräsentiert. In der Woche zum 5. März gab es einen kräftigen Rückgang 501.300 auf 471.300 Kontrakte (-6,0 Prozent) zu beobachten.

Großspekulanten sind stark verunsichert

Mitte Februar war unter den spekulativen Marktakteuren noch der stärkste Optimismus seit zehn Monaten gemeldet worden. Seither hat sich die kumulierte Netto-Long-Position großer und kleiner Terminspekulanten innerhalb von zwei Wochen von 166.500 auf 114.000 Kontrakte (-31,5 Prozent) fast um ein Drittel reduziert. Zur Erinnerung: Anfang Oktober rutschte die Stimmung der Terminmarktprofis regelrecht in den Keller, was sich in einer Netto-Short-Position (mehrheitlich pessimistisch gestimmt) von fast 26.000 Kontrakten niedergeschlagen hatte. Seither ist viel passiert, vor allem bei großen Terminspekulanten.  Am 19. Februar erreichte deren Netto-Long-Position mit 145.600 Futures noch ein Zehnmonatshoch, um innerhalb von lediglich zwei Wochen wieder auf 88.000 Kontrakte abzusacken.

Weniger heftige Stimmungsschwankungen gab es bei kleinen Terminspekulanten (Non-Reportables) zu beobachten. Sie sind mittlerweile seit über drei Jahren mehrheitlich optimistisch gestimmt (netto long). In den vergangenen zehn Monaten schwankte deren Netto-Long-Position zwischen 27.500 Futures (Mai 2018) und 7.000 Futures (September 2018). Aktuell bewegt sich ihr Optimismus mit rund 26.000 Kontrakten am oberen Ende dieser Stimmungskurve.

Die Chance, dass beim nächsten Cot-Report ein höherer Wert erzielt wird, ist relativ groß, schließlich machte der Goldpreis in den vergangenen Handelstagen einen ordentlichen Satz nach oben.

Ausblick für die laufende Woche

Nachdem der Goldpreis in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Wert seit fast sechs Wochen zurückgefallen war, hat der Verkaufsdruck mittlerweile stark nachgelassen. Gegenwärtig befindet sich der Krisenschutz wieder auf Tuchfühlung mit der Marke von 1.300 Dollar.

Um chartinduzierten Verkaufsdruck zu vermeiden, sollte das gelbe Edelmetall die im Bereich von 1.280 bis 1.290 Dollar angesiedelte Unterstützungszone erfolgreich verteidigen. Sollten sich die weltweiten Konjunkturperspektiven weiterhin eintrüben, dürfte ein weiterer Absturz des Krisenschutzes ausbleiben.

Die beiden weltweit größten Volkswirtschaften China und USA veröffentlichen in den kommenden Tagen einige wichtige Konjunkturindikatoren. Mit Blick auf China dürften sich die Investoren vor allem für die Autoverkäufe im Februar und die Entwicklung der Industrieproduktion bzw. Einzelhandelsumsätze stark interessieren.

Jenseits des Atlantiks stehen unter anderem aktuelle Inflationsdaten sowie der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter und der von der Uni Michigan ermittelte Index zum Konsumentenvertrauen auf der Agenda.

Vor allem die beiden Letztgenannten gelten als bewährte Frühindikatoren. Fallen sie enttäuschend aus, dürfte dies den Goldpreis zumindest stützen – um ihn zu beflügeln, muss wahrscheinlich mehr passieren.

Goldpreis: Stimmung der Terminspekulanten fährt Achterbahn
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Phil | 20.03.2019, 11:37 Antworten

    Hier sind wir an der Quelle des Problems, gute Ansichten über das Gold, aber ist Gold alles? Und wofür steht es denn? Es geht noch tiefer:
    https://youtu.be/YkQKbpZxVvg
    Hier zeigt Ludwig Gartz, dass wir selbst die Quelle der Probleme sind, einfach weil wir noch das Zinsgeld akzeptieren und es noch kein fließendes Geld global als Alternative gibt!
    Bitte seht Euch die Videos an und fragt Euch selbst: Würdet Ihr ein neues Geld ohne Zins wollen? Tolkien scheint diese Schlüsselfrage des Egos gekannt, beantwortet und im Herrn der Ringe die Lösung verschlüsselt zu haben! Gold steht symbolisch nur für unser übersteigertes Ego!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"