Stand: 30.04.2018 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Dollar und US-Renditen befinden sich seit Wochen im Höhenflug. Normalerweise wird beiden eine negative Korrelation zu Gold nachgesagt. Laut einer aktuellen Studie des World Gold Council verlieren diese preislichen Zusammenhänger aber mehr und mehr an Bedeutung.

Gold: Vier Faktoren im Auge behalten

Erstmals seit über vier Jahren haben US-Staatsanleihen in der vergangenen Woche wieder Renditen von über drei Prozent "abgeworfen". Dies hat auch dem Dollar nach oben geholfen. Im Zuge dieser Entwicklung kletterte der Dollarindex, der die US-Währung mit sechs anderen Währungen vergleicht, zeitweise auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten.

In der vergangenen Woche veröffentlichte der World Gold Council ein "Investment Update", dessen Tenor einen nachlassenden Einfluss der US-Renditen auf den Goldpreis prognostiziert. Auf insgesamt drei Seiten werden die Zusammenhänge zwischen dem Goldpreis und den Einflussfaktoren Dollar und US-Zinsen näher untersucht.

Dabei wird angemerkt, dass der Goldpreis grundsätzlich von mehreren Einflussfaktoren abhängt und teilt diese in vier Kategorien ein. Dabei handelt es sich um:

  1. Wachstum von Wohlstand und Wirtschaft
  2. Marktrisiken und allgemeine Unsicherheit
  3. Opportunitätskosten
  4. Momentum bzw. Kapitalströme

Steigende Zinsen laut World Gold Council derzeit kein Problem

Besonders interessant: Die Studie weist darauf hin, dass die negative Korrelation zwischen Dollar und Gold gegenwärtig stärker greift als der negative Zusammenhang zwischen Zinsen und Gold. In einer Tabelle werden die entsprechenden Korrelationen für die Jahre 2016, 2017 und 2018 (Stand: Mitte April) aufgeführt.

Nachdem in den Jahren 2016 und 2017 beide Korrelationen relativ zuverlässig funktioniert haben, gab es seit dem Jahreswechsel zwischen Gold und Zinsen praktisch keine Korrelation zu beobachten, während bei Gold versus Dollar ein von minus 0,27 auf minus 0,58 verstärkter Preiseffekt zu beobachten war. Für die Analysten steht fest, dass sich der Dollar derzeit stärker auf die Goldpreisentwicklung auswirkt als die US-Zinsen.

Allgemein gilt die Regel, dass sich sinkende Zinsen auf den Goldpreis positiv auswirken. Begründet wird dies mit rückläufigen Opportunitätskosten. Soll heißen: Für Goldbesitzer fällt bei sinkenden Zinsen verständlicherweise der Verzicht darauf leichter als in Marktphasen mit steigenden Zinsen.

Korrelation zwischen Gold und Dollar
Korrelation zwischen Gold und Dollar von 1976 bis 2016

Allerdings muss diese Wechselwirkung bei steigenden Zinsen nicht zwangsweise greifen. So weist der World Gold Council darauf hin, dass bei steigenden Zinsen die Entwicklung der Realzinsen (Nominalzinsen minus Inflationsrate) von entscheidender Bedeutung sind (siehe Chart). Dabei untersuchten die Analysten, ob sich der Goldpreis bei hohen Realzinsen anders entwickelt als bei niedrigen Realzinsen. Berücksichtigt wurde der Zeitraum von Januar 1971 bis März 2017. Tendenziell negativ entwickelte sich Gold auf Monatssicht vor allem bei Realzinsen über 2,5 Prozent, während die monatlichen Goldpreiszuwächse bei negativen Realzinsen besonders hoch ausfielen.

Die komplette Studie des World Gold Council (englisch) können Sie hier herunterladen.

Ausblick für die laufende Woche

Es ist wieder einmal so weit: In den kommenden Handelstagen stehen wichtige Daten zum US-Arbeitsmarkt auf der Agenda. Außerdem tagt am Dienstag und Mittwoch die US-Notenbank Fed. Laut dem vom Terminbörsenbetreiber CME Group konzipierten FedWatch-Tool wird der nächste Zinsschritt nach oben aber erst Mitte Juni erfolgen. Auf Basis der aktuellen Fed-Fund-Futures liegt die Wahrscheinlichkeit hierfür aktuell bei 100 Prozent.

So richtig geschadet hat dem Goldpreis die im Dezember 2015 gestartete Zinserhöhungsrunde der Fed aber noch nicht. Seither hat sich das gelbe Edelmetall nämlich auf Dollarbasis um 24,8 Prozent und auf Eurobasis um 12,3 Prozent verteuert. Dies dürfte vor allem auf die deutlich gestiegene Inflation zurückzuführen sein. Seit dem ersten Zinsschritt nach oben hat sich diese nämlich in den USA von 0,7 auf 2,4 Prozent p.a. und in der Eurozone immerhin von 0,2 auf 1,3 Prozent p.a. beschleunigt.

Obwohl viele Goldbesitzer angesichts der globalen Schuldenexplosion und der unzähligen geopolitischen Krisenherde mit einem kräftigeren Kurssprung gerechnet haben, bleibt festzuhalten, dass die positive Korrelation zwischen Inflation und Gold gegriffen hat.

Goldpreis Studie WGC: Dollar und US-Zinsen verlieren an Schrecken
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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