Stand: 21.07.2015 von Jörg Bernhard 2 Kommentare

Sorgen um die globalen Finanzsysteme scheint es angesichts des extrem schwachen Goldpreises derzeit offensichtlich keine zu geben. Daran konnte auch die fortgesetzte Insolvenzverschleppung in Griechenland nichts ändern.

Das Vertrauen, dass die Notenbanken "Herr der Lage" sind, kratzt weiterhin am Nimbus des Krisenschutzes Gold. Doch nicht jeder lässt das gelbe Edelmetall links liegen.

Kaufrausch bei US-Goldmünzen

Vor dem Hintergrund der charttechnisch extrem labilen Verfassung des Goldpreises, gibt es eine Meldung, die Goldbesitzer aufhorchen lassen dürfte. In den USA, wo der Dollar als Krisenschutz derzeit einen besseren Ruf genießt als Gold, gibt es bei Goldmünzen einen regelrechten Kaufrausch zu berichten.

Während der ersten Juli-Hälfte verkaufte die US Mint bereits 202.000 der in vier unterschiedlichen Gewichtsklassen erhältlichen American-Eagle Goldmünzen mit einem Gesamtgewicht in Höhe von 101.000 Feinunzen (siehe Grafik). Damit wurden vorzeitig die bisherigen monatlichen Rekordumsätze des Jahres 2015 (Januar: 81.000 Feinunzen) bzw. 2014 (Januar: 91.500 Feinunzen) deutlich übertroffen.

An der Shanghai Gold Exchange war zuletzt ebenfalls ein gestiegenes Nachfrageinteresse registriert worden. So wurde in der vergangenen Handelswoche bei den besonders liquide gehandelten Ein-Kilogramm-Barren mit 172.291 kg ein Umsatzplus gegenüber der Vorwoche in Höhe von über 22 Prozent erzielt.

Verkäufe von US-Goldmünzen 2014 - 2015(American Eagle)

Zur Erinnerung: Damit ist man nicht mehr weit entfernt von der umsatzstärksten Woche dieses Jahres. Diese wurde mit mehr als 198.000 kg unmittelbar vor dem chinesischen Neujahrsfest registriert. Doch zum Wochenauftakt wurde aus China allerdings eine regelrechte Verkaufswelle gemeldet.

Diese ließ den Goldpreis auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren abstürzen. Die Tatsache, dass mittlerweile selbst die "goldverliebten" Chinesen das Edelmetall meiden, hat die ohnehin vorhandene Unsicherheit unter den Marktteilnehmern nochmals erhöht.

Wachsende Skepsis unter Terminspekulanten

Anhaltender Verkaufsdruck ist weiterhin von den Terminmärkten zu vermelden. Laut aktuellem Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission, die einmal pro Woche auf Basis der Daten vom Dienstag über die eingegangenen Futures-Positionen der verschiedenen Marktakteure berichtet, hat sich in der Woche zum 14. Juli die kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer und kleiner Spekulanten zum dritten Mal in Folge reduziert. Mit aktuell 48.469 Futures hat sich der Optimismus der Terminspekulanten innerhalb von lediglich drei Wochen mehr als halbiert.

Großspekulanten wie Kleinspekulanten haben in den vergangenen Wochen ihr Short-Engagement signifikant nach oben gefahren und so den durch die Netto- Long-Position angezeigten Optimismus deutlich reduziert. Innerhalb von zwei Monaten gab es bei den Großspekulanten (Non-Commercials) einen Rückgang der Netto-Long-Position von 122.621 auf 47.824 Kontrakte (-61,0 Prozent) zu beklagen, während im selben Zeitraum bei den Kleinspekulanten (Non-Reportables) ein Minus von 9.713 auf 645 Futures (-93,4 Prozent) registriert worden war.

Charttechnik sorgt für Unmut

Aus charttechnischer Sicht hat sich mit dem Rutsch unter die Marke von 1.140 Dollar die Lage erheblich eingetrübt. Nach dem jüngsten Kurssturz wurde nämlich zum Wochenstart ein neues Fünfjahrestief bei 1.080 Dollar markiert. Außerdem befindet sich sowohl die 100- Tage-Linie als auch die 200-Tage-Linie auf Talfahrt, was von Chartisten als Indiz für einen anhaltenden Abwärtstrend interpretiert wird. Timingindikatoren wie die Bollingerbänder oder der Relative-Stärke-Index (RSI) zeigen mittlerweile eine überverkaufte Lage an. Letzterer notiert nach dem jüngsten Absacker bei lediglich 23 Prozent. Ein charttechnisches RSI-Kaufsignal entstünde, sobald der Index die Marke von 30 Prozent überwindet. Auf die beiden jüngsten Signale dieser Art reagierte der Goldpreis mit einem Kurssprung um 150 Dollar (November 2015 bis Januar 2015) bzw. 70 Dollar (März bis Mai 2015).

Ausblick für die anstehende Woche

An den Goldmärkten dürfte in der neuen Handelswoche die prekäre Charttechnik für ein hohes Maß an Spannung sorgen. Das "Sommerloch" bzw. die "Saure-Gurken-Zeit" könnte sich 2015 beim Goldpreis daher möglicherweise weniger stark bemerkbar machen. Allein der relativ geringe Abstand zur psychologisch wichtigen Marke von 1.000 Dollar könnte dem gelben Edelmetall einen "heißen Sommer" bescheren. Sollten die Chinesen dem gelben Edelmetall in großem Stil den Rücken kehren, wäre eine nachhaltige Erholung des Goldpreises ein äußerst schwieriges bzw. unmögliches Unterfangen. Es könnte sich ähnlich negativ auswirken, wie der seit zwei Jahren zu beobachtende "Aderlass" beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares. Dessen gehaltene Goldmenge reduzierte sich zum Wochenstart gegenüber Freitag übrigens auf 694,46 Tonnen, das niedrigste Niveau seit September 2008. Damals verabschiedete sich die US-Investmentbank Lehman Brothers gezwungenermaßen von der Finanzwelt.

Goldpreis stürzt dramatisch ab!
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [2]
  • von PINSCHER | 23.07.2015, 00:44 Antworten

    Auf kurzfristige Schwankungen gebe ich gar nichts.

    Was den GOLDpreis langfristig antreibt ist die INFLATION der Geldmenge. Durch Lohn-Verzicht /Job-Export + Verlagerung des Steuerlast kann man die Preis-INFLATION nur zurück stauen. Umso heftiger der transatlantische, soziale Knall-Effekt wenn die Geld- bzw. Schuldenblase platzt.
    Das erzeugte ungedeckte Schuld-Geld fließt SPEKULATIV in ANLEIHEN und AKTIEN und erst dann in Sachwerte, wenn man erkennt, daß die Risiken viel höher sind als verbleibende Gewinn-Aussichten. Vom Top in Aktien 1966 bis zum Top in Gold 1980 brauchte es ganze 14 Jahre bis der Markt das erkannte.
    Otto-Normal-Verbraucher wurde auch damals systematisch belogen.

    Mit GOLD können auch KLEINE ERSPARNISSE gesichert werden... ohne Kredit-Finanzierung.

  • von Franz | 23.02.2017, 19:39 Antworten

    Warum werden solche Mumie Artikel aus 2015 immer noch in "meistdiskutiert"geführt???
    Unseriös

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