Stand: 21.12.2017 von Egmond Haidt 4 Kommentare

Das Jahr 2017 neigt sich rapide dem Ende zu. Obwohl der Goldpreis seit Jahresanfang um zehn Prozent zugelegt hat, sind viele Anleger enttäuscht. Ehe sie aber zu pessimistisch auf 2018 blicken, sollten sie mal über die US-Zinsen nachdenken.

Auf Zwei-Wochen-Hochs ist der Goldpreis geklettert. Der Anstieg dürfte viele Investoren verwundern, immerhin hat die US-Notenbank Fed zuletzt die Leitzinsen erhöht, während der US-Kongress die Steuerreform verabschiedet hat.

Daher waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen innerhalb weniger Tage von 2,35 Prozent auf 2,5 Prozent nach oben geschossen und liegen damit auf dem höchsten Niveau seit Mitte März, was Gegenwind für die Goldpreisentwicklung bedeutet. Dennoch hat sich der Goldpreis erholt.

Spekulanten haben auf weiteren Zinsrückgang gesetzt

Die Frage ist allerdings, ob der Anstieg der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen tatsächlich an der Verabschiedung der US-Steuerreform lag, und ob er weitergehen wird. Entgegen der Einschätzung vieler Investoren könnte er nicht etwa von der US-Steuerreform ausgelöst worden, sondern dadurch, dass nach dem vorherigen Zinsrückgang Spekulanten in großem Stil am Futures-Markt darauf gesetzt hatten, dass er weitergeht.

Genau so war es diesmal gelaufen. So hatten die Spekulanten in der Handelswoche, die am 12. Dezember endete, die Zahl der Futures auf steigende Kurse (Long) bei 10jährigen US-Anleihen kräftig aufgestockt, während sie die Zahl auf sinkende Kurse (Short) nur ein wenig ausgebaut hatten. Entsprechend hatte sich die Netto-Long-Position innerhalb von nur einer Woche von 14.345 Kontrakten auf 44.741 mehr als verdreifacht.

Wenn aber fast alle Investoren erwarten, dass das eine passiert, dann passiert häufig genau das Gegenteil. Nachdem die Kurse begonnen haben zu sinken, - sprich die Zinsen zu steigen -, mussten offensichtlich etliche Spekulanten die Notbremse ziehen, woraufhin sich der Kursrückgang beschleunigt hat.

US-Steuerreform sorgt nur für ein kurzes Strohfeuer

Damit komme ich zur Frage, ob der Zinsanstieg von Dauer sein könnte. Das bezweifle ich sehr. Denn entgegen den Behauptungen von US-Präsident Donald Trump handelt es sich bei der Steuerreform eben nicht um eine massive Steuersenkung für die Mittelschicht, sondern um eine für die Reichen. So sollen 94 Prozent der für 2018 geplanten Steuersenkungen von knapp 240 Mrd. Dollar den Amerikanern mit einem Jahreseinkommen ab 50.000 Dollar zukommen.

Mit einer derartigen Reform kann man die Wirtschaft kaum ankurbeln, weil die Konsumquote dieser Amerikaner viel niedriger ist, als bei den unteren und mittleren Einkommen. Daher gehen viele Experten davon aus, dass die Reform die Wirtschaft im Jahr 2018 um lediglich 0,3 Prozent ankurbeln und damit nur ein Strohfeuer auslösen wird.

US-Notenbank bremst die Wirtschaft zusehends

Gleichzeitig will die US-Notenbank unter dem designierten Chef Jerome Powell den Zinserhöhungskurs im nächsten Jahr fortsetzen. Das würde allerdings die hochverschuldete Wirtschaft zusehends bremsen, zumal die Fed auch ihre Bilanzsumme durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen weiter abbauen wird.

Zur Erinnerung: die Schulden der privaten Haushalte und der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors sind zuletzt auf den Rekord von insgesamt 44,3 Billionen Dollar gestiegen - das sind herbe 227 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Läuft alles nach Plan wird die Bilanzsumme der Fed im Laufe des Jahres um insgesamt 420 Mrd. Dollar sinken.

Soviel Geld entzieht die Fed also dem Finanzsystem und damit der Wirtschaft allein über den Abbau der Bilanzsumme. Der Wert ist damit viel größer als die Steuersenkung von Trump. Der Anstieg der Zinsen für kurz- und mittelfristige Anleihen und damit Kredite ist eine zusätzliche Belastung für die Wirtschaft.

Entgegen der Erwartung fast aller Experten könnten daher die Zinsen für zehnjährige Anleihen im Jahr 2018 nicht steigen. Das würde dem Goldpreis Rückenwind geben, zumal wenn in dem Umfeld der Dollar unter Druck wäre.

Das Jahr 2018 könnte am Anleihen- und damit am Goldmarkt ziemlich interessant werden.

Goldpreis trotzt steigenden US-Zinsen
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [4]
  • von Elisabeth Taxis | 26.12.2017, 23:25 Antworten

    Die nächsten 5 Jahre pendelt der Goldprei zwischen 1150 $ und 1280 $

    • von Lucky | 28.12.2017, 21:26 Antworten

      Ich denke, dass Gold die 2000$ Marke in den nächsten 5 Jahren knackt. Eine große Krise reicht, entweder Iran Saudis, Nordkorea, Italien Bankenkrise, Blase in China platzt. Generell nicht nur in China sonder auch die Schulden in den USA, Kanada sind höher als vor der Finanzkrise 2007. Nato Konflikt mit Russland. Gibt genug Krisenherde. Einer reicht schon und ab geht's für Gold.

  • von Heinz Daberkopf | 24.12.2017, 12:43 Antworten

    Im Sommer 2018 werden wir den Tiefpunkt von 1100 $ durchlaufen.

  • von Klaus | 22.12.2017, 15:21 Antworten

    Könnte, könnte, könnte … Hätte, hätte, Fahrradkette. Wer braucht so eine Prognose. Ich versuche es mal mit meiner.
    2018 wird die FED die Zinsen drei mal um je 25 Basispunkte anheben. Da jedoch gegenüber dem Jahr 2017 der Markt nicht mehr mit Fiat-Geld geschwemmt wird sondern in den bekannt gegebenen Schritten die FED ihre Bilanzsumme um $ 420 Mrd. senkt – also dem Markt dieses Geld entzieht – , wird der Zins für Kredite und Anleihen leicht ansteigen. Allerdings wird der Zinsanstieg keine Auswirkungen auf die Investoren / Unternehmen haben, denn durch die Steuerreform von Trump wird auf der anderen Seite annähernd genau so viel Geld in die Kassen gespült. Der Zinsanstieg wird aber den Goldpreis beeinflussen. Dieser wird bestenfalls auf dem heutigen Niveau bei $ 1270 bleiben.

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