Stand: 21.09.2018 von Egmond Haidt 3 Kommentare

Nach monatelangem Seitwärtstrend sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen zuletzt in die Nähe der Mehr-Jahres-Hochs ausgebrochen. Damit bekommt der Goldpreis zusätzlichen Gegenwind. Umso spannender wird es sein, wie er sich in dem Umfeld entwickeln wird.

Nach dem deutlichen Kursrutsch zwischen Mitte April und Mitte August tendiert der Goldpreis seit vier Wochen bei rund 1.200 Dollar je Unze seitwärts. Auf Euro-Basis notiert der Preis hingegen auf dem niedrigsten Niveau seit Februar 2016, was für Frust bei vielen Gold-Fans sorgt. In den vergangenen Monaten hatte er vor allem vom steigenden Dollar deutlichen Gegenwind, nun kommt ein weiterer Belastungsfaktor hinzu: die kräftig steigenden Zinsen für zehnjährige US-Anleihen.

Sorgen vor US-Inflation kochen hoch

Viele Experten sind der Überzeugung, dass dafür vor allem die Verschärfung der Geldpolitik der US-Notenbank verantwortlich ist. Für viele Investoren ist es ausgemachte Sache, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 26. September die Leitzinsen anheben wird, der nächste Schritt werde am 19. Dezember folgen. Damit würde die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr vier Mal anheben. Zudem hat die Fed für das Jahr 2019 drei weitere Erhöhungen angekündigt. Diese Aussicht ist Investoren allerdings seit längerem bekannt und hätte daher längst im Markt eingepreist werden können.

Meiner Meinung nach ist der kräftige Anstieg der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen vor allem auf die Sorge vor einer Rückkehr der US-Inflation zurückzuführen. Dafür ist vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China verantwortlich. Weil die USA Strafzölle auf immer mehr chinesische Produkte einführen und schlussendlich sämtliche chinesischen Exporte in die USA von mehr als 500 Mrd. Dollar jährlich mit Strafzöllen belegen dürften, werden chinesische Produkte in den USA plötzlich deutlich teurer, was die US-Inflation anheizt. Verschärft wird die Lage durch den Ölpreis der US-Sorte WTI, der seit Jahresanfang um fast 20 Prozent geklettert ist und damit in der Nähe des Mehr-Jahres-Hochs notiert. Das heizt die Inflation zusätzlich an.

Realzins ist niedrig

In dem Umfeld verkaufen Investoren US-Anleihen, weshalb die Zinsen für zweijährige Papiere auf 2,8 Prozent geklettert sind – das ist das höchste Niveau seit Juli 2008. Jene für zehnjährige Papiere sind auf 3,05 Prozent gestiegen, damit notieren sie in der Nähe des höchsten Wertes seit Juli 2011. Das belastet zwar den Goldpreis, allerdings ist der Gegenwind nicht so groß, wie es auf den ersten Blick aussieht, wie der Realzins klar zeigt. Wird er anhand der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen berechnet und zieht man davon die US-Inflation von zuletzt 2,7 Prozent ab, dann liegt der Realzins bei lediglich 0,35 Prozent. Nichts desto trotz bedeuten nominell höhere US-Zinsen Gegenwind für den Goldpreis, weil das Edelmetall eben keine Zinsen abwirft.

Die US-Zinsen könnten in den nächsten Monaten weiter deutlich klettern, zumal der Handelskrieg zusehends eskalieren dürfte. In dem Umfeld wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickeln wird, zumal er auch vom steigenden Dollar Gegenwind hat.

Goldpreis trotzt kräftigem US-Zinsanstieg
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an [email protected] widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [3]
  • von gold-finger | 28.09.2018, 13:00 Antworten

    das kann schon gut sein das Gold-Silber noch fällt wegen den starken $ aber dann fällt auch der Euro sprich in Euro ist der Preis fast gleich. Gold hat in den letzten 2 Tagen rund 20 $ verloren aber trotzdem bezahle ich jetzt " mehr " Euro dafür

  • von Wolf | 21.09.2018, 15:32 Antworten

    Um es auf dem Punkt zu bringen . . . die Talfahrt geht noch lange so weiter.ich denke mal über Zukäufe nach wenn Gold die 900 und Silber die 9 Euro erreicht hat.

    • von Goldmex | 21.09.2018, 22:06 Antworten

      900? 9?
      das wär echt der hammer...aber wer weiss schon, was die zukunft bringt, also ist es sicher ratsam, auch bei den derzeitigen kursen schon immer wieder ein bisschen was nachzukaufen...
      wie gesagt, es ist ja eh nur eine umschichtung...ein etwas intelligenteres sparen!
      und allemal besser, als das bisschen geld auf dem girokonto oder in bar liegen zu lassen..
      dann lieber in form von gold...und auch ein wenig schickes silber!

      ;-)

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany