Stand: 16.01.2017 von Jörg Bernhard 15 Kommentare

Die erste Pressekonferenz des künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat den US-Dollar auf Talfahrt geschickt und das gelbe Edelmetall über die Marke von 1.200 US-Dollar auf ein neues Achtwochenhoch ansteigen lassen.

Am vergangenen Mittwoch machte Donald Trump keine sonderlich kompetente bzw. souveräne Figur bei der ersten Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg Anfang November. Der Angriff auf die US-Geheimdienste und diverse Nachrichtenportale bzw. –agenturen hat wohl einen ersten Vorgeschmack geliefert, was uns in den kommenden Monaten erwarten wird: Unsicherheit, Unberechenbarkeit und unmögliches Gebaren.

Die Berichterstattung im eigenen Land über seine Person mit Nazi-Germany zu vergleichen oder das Internetportal „BuzzFeed“ zu beschimpfen und zu bedrohen, sind hierfür die besten Beweise. Am Wochenende bezeichnete er zudem die Nato als überflüssig und drohte deutschen Autobauern mit Strafzöllen.

Dem US-Dollar bekamen diese Auftritte gar nicht gut. Allein während und unmittelbar nach der einstündigen Pressekonferenz rutschte der US-Dollarindex, der den Index mit Euro, Pfund, Yen, Schwedenkrone, Schweizer Franken und kanadischem Dollar vergleicht, um 1,5 Prozent ab. Das Mini-Comeback des Goldpreises sollte in einer solchen Gemengelage niemanden überrascht haben.

Dass sich Geld auf lange Sicht sukzessive entwertet, ist der Inflation geschuldet. Notenbanken und Regierungen haben aufgrund der explodierenden Staatsschulden ein starkes Interesse, dass dies weiterhin so bleibt. EZB und Fed betrachten zum Beispiel eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent als erstrebenswert. Die Hoffnung auf einen konjunkturellen Aufschwung in den USA hat dem Greenback in den vergangenen Wochen zwar zu einem Höhenflug verholfen, der möglicherweise aber nicht von nachhaltiger Natur sein wird.

Dass Gold seit dem Jahrtausendwechsel als Inflations- und Vermögensschutz bestens funktioniert hat, lässt sich an der extrem positiven Performance gegenüber den meisten Währungen sehr gut ablesen (siehe Tabelle).

Performance von Gold

30 Tage 6 Monate 1 Jahr 5 Jahre 16 Jahre
USD (USA) 5,3 % -9,9 % 9,5 % -26,7 % 353,6 %
CAD (Kanada) 3,7 % -8,9 % -0,8 % -6,1 % 297,1 %
CHF (Schweiz) 3,6 % -7,8 % 10,9 % -23,1 % 178,2 %
CNY (China) 4,4 % -7,2 % 15,0 % -20,4 % 159,4 %
EUR (Eurozone) 3,4 % -6,5 % 12,9 % -13,4 % 305,8 %
GBP (Großbritannien) 7,9 % -2,8 % 28,3 % -8,6 % 449,4 %
INR (Indien) 5,8 % -8,7 % 10,1 % -3,5 % 561,8 %
JPY (Japan) 2,6 % -2,3 % 7,8 % 8,7 % 216,7 %
SEK (Schweden) 0,3 % -6,4 % 14,0 % -7,1 % 334,0 %
TRY (Türkei) 12,2 % 15,9 % 34,3 % 46,3 % 987,3 %

Quelle: goldprice.org; Stand: 16. Januar 2017

Short-Squeeze droht an den Terminmärkten

Analysten der Schweizer Investmentbank UBS haben in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, dass an der wichtigsten Terminbörse für Gold (Commodity Exchange) auf kurze Sicht Ungemach droht.

In etwas mehr als vier Monaten haben nämlich große Terminspekulanten (Non-Commercials) ihre Short-Seite von 62.515 auf 104.518 Futures kräftig aufgestockt. Dadurch hat sich aufgrund einer zeitgleichen massiven Reduktion der Long-Seite von 370.375 auf 214.000 Kontrakte deren Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) im selben Zeitraum von 307.860 auf 109.482 Futures fast gedrittelt.

Nur zur Erinnerung: Optimistische Investoren gehen long und pessimistische short, wobei eine Netto-Long-Position darauf hinweist, dass summa summarum der Optimismus überwiegt.

Weil sich der Goldpreis seit dem Jahreswechsel aber trotz nachlassendem Optimismus der Großspekulanten um fast vier Prozent verteuert hat, könnten diese demnächst über sogenannte Short-Eindeckungen zum Auflösen ihres Short-Engagements gezwungen werden. Ein solcher Prozess wird in Fachkreisen als Short-Squeeze bezeichnet und könnte dem Goldpreis weiteren Rückenwind bescheren.

Noch mehr Ungemach droht, falls sich die Marktkräfte zu Gewinnmitnahmen entschließen sollten, die sich bereits Anfang September short positioniert haben. Anfang Januar befand sich der Optimismus dieser besonders wichtigen Gruppe von Marktakteuren auf dem niedrigsten Niveau seit fast zwölf Monaten. Angesichts der zahlreichen Unsicherheitsfaktoren scheint eine diesbezügliche Gegenbewegung inklusive Goldhausse kein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Ausblick für die laufende Woche

Geht es nach dem Willen des designierten US-Präsidenten Donald Trump sollen Firmen verstärkt Arbeitsplätze in den USA schaffen. Einige große Autobauer haben – in vorauseilendem Gehorsam – den Ausbau ihrer Investitionen in US-Werke angekündigt. Mexiko und China sind besonders stark ins Visier des Geschäftemachers Trump gerückt. Ein Handelskrieg zwischen den beiden größten Wirtschaftsnationen der Welt wäre für die globale Konjunktur ein denkbar schlechtes Szenario. Die damit einhergehende Unsicherheit sollte allerdings zu einem Comeback des Goldpreises verhelfen. In der zweiten Wochenhälfte stehen einige Konjunkturtermine an, die auch an den Goldmärkten mit Argusaugen beobachtet werden dürften.

Am Mittwoch sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel aktuelle Inflationsraten aus Deutschland, der Eurozone und den USA sowie der Konjunkturbericht der Fed („Beige Book“) zu nennen.

Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank das Ergebnis ihrer Sitzung kommunizieren und in den USA wird die Zahl neuer Arbeitsloser gemeldet. Vor dem Wochenende dürfte dann China das Interesse der Finanzwelt auf sich ziehen, schließlich stehen mit dem BIP-Wachstum für das vierte Quartal, den Dezember Zahlen zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen gleich drei Highlights auf der Agenda. Im Falle einer negativen Überraschung könnte dies einen gestiegenen Goldappetit auslösen.

Goldpreis: Trump treibt Gold über 1.200 Dollar
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Kommentare [15]
  • von Wolf Paul | 16.01.2017, 18:43 Antworten

    Bei allem Respekt vor Ihrer versierten Berichterstattung über den Themenkomplex GOLD, sollten SIe sich mit politische Statements besser zurückhalten und eine sachliche und neutrale Haltung einnehmen und bewahren. Ihre polemischen, teils bissigen und zynischen Äußerungen über den legitim gewählten Präsidenten der USA sind hier fehl am Platz. Es reicht, wenn die weltweit korrumpierte und manipulierte Lügenpresse des kriminellen Establishment ihre "Gülle" über einen Menschen auskippt, der Ihnen die Leviten liest, indem er endlich die Wahrheit sagt, auch wenn sie weh tut! Und die Wahrheit hat dem GOLD zu allen Zeiten gut getan, das betrügerische Schuldgeldsystem profitiert nur von Lug und Trug, von Krieg und Elend! "
    Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt, die Wahrheit steht von alleine aufrecht"!

    • von Christian Mael | 16.01.2017, 22:06 Antworten

      Das ist ja mal ein Statement,!!! Gutgebrüllt Löwe!
      Oh entschuldige Wolf.

      • von Mike Kühle | 16.01.2017, 23:14 Antworten

        Ich bin nicht unbedingt ein freund und befürworter D.Trump aber das Statemann von Herrn Ch.Mael stimme ich vollends zu. Als Präsident mangelt es ihm an Benhmen und auch seine Wortwahl ist zweifelsfrei nicht die richtige. Aber der Mann sagt die Warheit. Vielleicht ist es gerade das was ihm zum Präsidenten werden lassen hat. Immer hin von nichts kommt nichts.

    • von P. Nikos | 19.01.2017, 09:24 Antworten

      Sehr gut!

    • von M. Barg | 16.06.2017, 13:28 Antworten

      Das war ja zu erwarten, dass jemand, der AfD- und NPD-Vokabular verwendet, sich auf Linie mit dem neuen rechtspopulistischen US-Präsidenten befindet. Polemik kann man kritisieren, aber Trumps elefantöses Auftreten im Porzellanladen lässt sich auch mit der vermeintlichen Legitimität seiner Wahl nicht entschuldigen.

      • von blo-rakane | 17.06.2017, 20:39 Antworten

        Wir müssen es akzeptieren und respektieren, dass der Souverän (das amerikanische Volk) das „kleinere Übel „ gewählt hat.
        Mir ist die Rhetorik hier im Chat zum Teil , die hier ihre Aussagen mit dem Zusatz „ rechtspopulistisch,Polemik, AFD/NPD-Vokabular“...usw. verstärken , einfach zu simpel bzw. zu naiv.
        Wer dauernd anderes Gedankengut bzw. andere Meinungen, die dem „Mainstream“ nicht konform ist ,mit den diversen Stigmas belegt, diffamiert vermutlich ungewollt die Meinungsfreiheit des anders denkenden.
        Von Einstein lernen heißt, „die Masse der Staatsbürger gleicht einer Schafherde. Politik und Medien
        blöken etwas vor, die Herde blökt es freudig nach.“

    • von Klaus | 17.06.2017, 19:14 Antworten

      Ich gebe Ihnen absolut recht. Deshalb ist er ja, vorwiegend in Deutschland, so unbelibt..

  • von Alex Brecht | 16.01.2017, 22:45 Antworten

    Sehr guter Kommentar, kann mich Herrn Wolf Paul nur anschließen, hört endlich auf Trump so zu charakterisieren, als sei er die Wurzel allen Übels, mit Clinton hätten wir bereits jetzt den nächsten Krieg, unauffällig wie immer getarnt als "Friedensmission"!!!!!

  • von Stefan T. | 17.01.2017, 10:17 Antworten

    Für mich macht sich der Autor dieses Artikels unglaubwürdig, da er eine subjetive politische Haltung nicht von seiner als obektiv präsentierten Darstellung trennen kann.

    • von Dr.Gold | 17.01.2017, 10:58 Antworten

      Sehe ich auch so, die Haltung der manipulierten Medien, alles was Mann nicht kontrollieren kann oder unberechenbar scheint wird als Böse oder schlecht dargestellt, endlich mal krasser Geschäftsmann an der Spitze der in seinem Leben schon mehr erreicht hat als jeder Politiker.

  • von Marlon | 17.01.2017, 15:23 Antworten

    das ist mal ne Aussage. Super

  • von Lord Samurai | 19.01.2017, 11:19 Antworten

    Wenn man die bisherigen Kommentare so liest, dann scheint es auch bei uns viele zu geben, die ihr ganzes Leben mit einer Faust in der Tasche herumlaufen! Ich habe Mitleid mit euch. Muss schlimm sein, in seiner eigene Unzulänglichkeit und Unzufriedenheit gefangen zu sein.

  • von Faber | 20.01.2017, 04:32 Antworten

    Halte D. Trump für einen guten Strategen. Er versucht, wie im wirtschaftlichen Leben üblich, seine Gegner aus der Reserve zu holen, um sich besser positionieren zu können und so Amerika wieder aufzubauen.

  • von Kuranda | 20.01.2017, 16:52 Antworten

    Neutral betrachtet, stimmt dies wohl. Ob sich wirtschaftliches, meist bilaterales Geschick auch im politischen, multidimensionalen Diskurs umsetzen lässt, muss noch bewiesen werden.

    • von adler-1899 | 23.01.2017, 14:36 Antworten

      ich wage mal die These, dass sich Herr Trump politisch, wie auch als Geschäftsmann, gerne an seinen alternativen Fakten hält. Hat sein Pressesprecher ja erst eindrucksvoll bewiesen bei solch einem unwesentlichen Thema, wie die Besucherzahl zur Amtseinführung, bewiesen. Herr Trump kann Niederlagen mit seinem Ego nicht vereinen, deshalb wird jedem Konsequenzen angedroht der ihn nicht als den Sonnengoot sieht, der er meint zu sein!

Copyright © 2009-2017 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany