Stand: 21.11.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Obwohl die globale Finanzwelt - möglicherweise mehr denn je - auf ausgesprochen wackligen Beinen steht, scheint der Dollar „gefragt“ und Gold „verpönt“ zu sein. Mit dem jüngsten Renditesprung kehrte der inflationsbereinigte Realzins zwar wieder in positives Terrain zurück, an diesen Zustand sollten sich Anleger aber nicht zu sehr gewöhnen.

Ein bisschen irrational kommt einem die aktuelle Goldpreisschwäche schon vor, schließlich gilt in der Kapitalmarktheorie, dass man steigende Renditen stets als Hinweis für ein erhöhtes Risiko interpretieren kann. Dieser Umstand wäre dann wohl eher ein Kauf- als ein Verkaufsargument. Unter geldpolitischen wie weltpolitischen Aspekten mag man außerdem ganz nüchtern betrachtet zu dem Schluss kommen, dass die Risiken auf keinen Fall geringer geworden sind und ein Investment in Gold somit weiterhin sinnvoll erscheint.

Inflation auf dem Weg nach oben

Am vergangenen Donnerstag (17.10.2016) wurde für den Monat Oktober eine US-Inflation in Höhe von 1,6 % p.a. gemeldet. Die Tendenz ist mittlerweile eindeutig und zeigt klar nach oben.

US-Inflation in Prozent seit 1965

Jahr Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Durchschnitt
1965 1,0 1,0 1,3 1,6 1,6 1,9 1,6 1,9 1,6 1,9 1,6 1,9 1,6
1966 1,9 2,6 2,6 2,9 2,9 2,5 2,8 3,5 3,5 3,8 3,8 3,5 2,9
1967 3,5 2,8 2,8 2,5 2,8 2,8 2,8 2,4 2,8 2,4 2,7 3,0 3,1
1968 3,6 4,0 3,9 3,9 3,9 4,2 4,5 4,5 4,5 4,7 4,7 4,7 4,2
1969 4,4 4,7 5,2 5,5 5,5 5,5 5,4 5,7 5,7 5,7 5,9 6,2 5,5
1970 6,2 6,1 5,8 6,1 6,0 6,0 6,0 5,4 5,7 5,6 5,6 5,6 5,7
1971 5,3 5,0 4,7 4,2 4,4 4,6 4,4 4,6 4,1 3,8 3,3 3,3 4,4
1972 3,3 3,5 3,5 3,5 3,2 2,7 2,9 2,9 3,2 3,4 3,7 3,4 3,2
1973 3,6 3,9 4,6 5,1 5,5 6,0 5,7 7,4 7,4 7,8 8,3 8,7 6,2
1974 9,4 10,0 10,4 10,1 10,7 10,9 11,5 10,9 11,9 12,1 12,2 12,3 11,0
1975 11,8 11,2 10,3 10,2 9,5 9,4 9,7 8,6 7,9 7,4 7,4 6,9 9,1
1976 6,7 6,3 6,1 6,0 6,2 6,0 5,4 5,7 5,5 5,5 4,9 4,9 5,8
1977 5,2 5,9 6,4 7,0 6,7 6,9 6,8 6,6 6,6 6,4 6,7 6,7 6,5
1978 6,8 6,4 6,6 6,5 7,0 7,4 7,7 7,8 8,3 8,9 8,9 9,0 7,6
1979 9,3 9,9 10,1 10,5 10,9 10,9 11,3 11,8 12,2 12,1 12,6 13,3 11,3
1980 13,9 14,2 14,8 14,7 14,4 14,4 13,1 12,9 12,6 12,8 12,6 12,5 13,5
1981 11,8 11,4 10,5 10,0 9,8 9,6 10,8 10,8 11,0 10,1 9,6 8,9 10,3
1982 8,4 7,6 6,8 6,5 6,7 7,1 6,4 5,9 5,0 5,1 4,6 3,8 6,2
1983 3,7 3,5 3,6 3,9 3,5 2,6 2,5 2,6 2,9 2,9 3,3 3,8 3,2
1984 4,2 4,6 4,8 4,6 4,2 4,2 4,2 4,3 4,3 4,3 4,1 3,9 4,3
1985 3,5 3,5 3,7 3,7 3,8 3,8 3,6 3,3 3,1 3,2 3,5 3,8 3,6
1986 3,9 3,1 2,3 1,6 1,5 1,8 1,6 1,6 1,8 1,5 1,3 1,1 1,9
1987 1,5 2,1 3,0 3,8 3,9 3,7 3,9 4,3 4,4 4,5 4,5 4,4 3,6
1988 4,0 3,9 3,9 3,9 3,9 4,0 4,1 4,0 4,2 4,2 4,2 4,4 4,1
1989 4,7 4,8 5,0 5,1 5,4 5,2 5,0 4,7 4,3 4,5 4,7 4,6 4,8
1990 5,2 5,3 5,2 4,7 4,4 4,7 4,8 5,6 6,2 6,3 6,3 6,1 5,4
1991 5,7 5,3 4,9 4,9 5,0 4,7 4,4 3,8 3,4 2,9 3,0 3,1 4,2
1992 2,6 2,8 3,2 3,2 3,0 3,1 3,2 3,1 3,0 3,2 3,0 2,9 3,0
1993 3,3 3,2 3,1 3,2 3,2 3,0 2,8 2,8 2,7 2,8 2,7 2,7 3,0
1994 2,5 2,5 2,5 2,4 2,3 2,5 2,8 2,9 3,0 2,6 2,7 2,7 2,6
1995 2,8 2,9 2,9 3,1 3,2 3,0 2,8 2,6 2,5 2,8 2,6 2,5 2,8
1996 2,7 2,7 2,8 2,9 2,9 2,8 3,0 2,9 3,0 3,0 3,3 3,3 3,0
1997 3,0 3,0 2,8 2,5 2,2 2,3 2,2 2,2 2,2 2,1 1,8 1,7 2,3
1998 1,6 1,4 1,4 1,4 1,7 1,7 1,7 1,6 1,5 1,5 1,5 1,6 1,6
1999 1,7 1,6 1,7 2,3 2,1 2,0 2,1 2,3 2,6 2,6 2,6 2,7 2,2
2000 2,7 3,2 3,8 3,1 3,2 3,7 3,7 3,4 3,5 3,4 3,4 3,4 3,4
2001 3,7 3,5 2,9 3,3 3,6 3,2 2,7 2,7 2,6 2,1 1,9 1,6 2,8
2002 1,1 1,1 1,5 1,6 1,2 1,1 1,5 1,8 1,5 2,0 2,2 2,4 1,6
2003 2,6 3,0 3,0 2,2 2,1 2,1 2,1 2,2 2,3 2,0 1,8 1,9 2,3
2004 1,9 1,7 1,7 2,3 3,1 3,3 3,0 2,7 2,5 3,2 3,5 3,3 2,7
2005 3,0 3,0 3,1 3,5 2,8 2,5 3,2 3,6 4,7 4,3 3,5 3,4 3,4
2006 4,0 3,6 3,4 3,5 4,2 4,3 4,1 3,8 2,1 1,3 2,0 2,5 3,2
2007 2,1 2,4 2,8 2,6 2,7 2,7 2,4 2,0 2,8 3,5 4,3 4,1 2,8
2008 4,3 4,0 4,0 3,9 4,2 5,0 5,6 5,4 4,9 3,7 1,1 0,1 3,8
2009 0,0 0,2 -0,4 -0,7 -1,3 -1,4 -2,1 -1,5 -1,3 -0,2 1,8 2,7 -0,4
2010 2,6 2,1 2,3 2,2 2,0 1,1 1,2 1,1 1,1 1,2 1,1 1,5 1,6
2011 1,6 2,1 2,7 3,2 3,6 3,6 3,6 3,8 3,9 3,5 3,4 3,0 3,2
2012 2,9 2,9 2,7 2,3 1,7 1,7 1,4 1,7 2,0 2,2 1,8 1,7 2,1
2013 1,6 2,0 1,5 1,1 1,4 1,8 2,0 1,5 1,2 1,0 1,2 1,5 1,5
2014 1,6 1,1 1,5 2,0 2,1 2,1 2,0 1,7 1,7 1,7 1,3 0,8 1,6
2015 -0,1 0,0 -0,1 -0,2 0,0 0,1 0,2 0,2 0,0 0,2 0,5 0,7 0,1
2016 1,4 1,0 0,9 1,1 1,0 1,0 0,8 1,1 1,5 1,6


Quelle: Bureau of Labor Statistics (BLS)

Und mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten dürfte sich dieser Trend eher verstärken als abschwächen. Für diese These sprechen gleich mehrere Gründe. Zum einen plant Trump massive Steuersenkungen und Infrastruktur-Programme im Volumen von bis zu einer Billion Dollar, wodurch die Geldmenge weiter ansteigen wird.

Von Trump war im Mai dieses Jahres folgendes Statement zu hören: „Ich bin der König der Schulden. Ich liebe Schulden. Ich liebe es, damit zu spielen.“ Als Unternehmer ist er mit seinen Firmen in diesem Punkt bereits mehrfach gescheitert. Als neues Spielzeug scheint er nun die weltgrößte Wirtschaft entdeckt zu haben. In der Vergangenheit verharrte die Inflation zwar auf extrem niedrigem Niveau, über kurz oder lang ist aber mit einer beschleunigten Geldentwertung zu rechnen. Auf Dauer werden sich volkswirtschaftliche Wechselwirkungen höchstwahrscheinlich nicht außer Kraft setzen lassen - auch nicht von Donald Trump.

US-Inflation-in-Prozent-seit-1965-Grafik

Für ein Trump-bedingtes kräftiges Anziehen der Inflation spricht aber noch ein ganz anderer Aspekt. Sollte nämlich der neue US-Präsident seine während des Wahlkampfs insbesondere gegen China und Mexiko angedrohten Strafzölle tatsächlich realisieren, dürfte dies die Teuerungsrate zusätzlich nach oben schrauben. US-Unternehmen würden dadurch zwar wettbewerbsfähiger, US-Konsumenten müssten dann aber für liebgewonnene Spielzeuge wie iPhones, aber auch für ganz profane Dinge des täglichen Lebens deutlich mehr bezahlen. Aus dem Wahlkampfmotto „Make America great again!“ könnte dann relativ schnell „Make America expensive again!“. Zur Erinnerung: Von 1965 bis 1980  vervielfachte sich die US-Inflation von 1,0 auf 14,8 Prozent.

Verkäufe beim weltgrößten Gold-ETF

Im dritten Quartal haben einige Institutionelle US-Investoren ihre Bestände am SPDR Gold Shares kräftig reduziert. Der aktuelle Bericht der US-Wertpapieraufsicht Securities Exchange Commission wies unter den 15 größten Anteilseignern bei fünf Gesellschaften eine Reduktion der Positionen im zweistelligen Prozentbereich aus. Dabei handelte es sich um

  • Blackrock Advisors (-10,7 %)
  • Blackrock Group (-10,2 %)
  • Wells Fargo & Company (-37,0 %)
  • Goldman Sachs (-21,9 %)
  • FMR LLC (-30,5 %)

Diese Marktdaten basieren auf dem Stand zum 30. September, als der Goldpreis noch deutlich über der Marke von 1.300 Dollar notierte. Diese Entwicklung dürfte sich seit Ende September weiter fortgesetzt haben, schließlich hat sich seither die insgesamt gehaltene Goldmenge des SPDR Gold Shares von 947,95 auf 915,29 Tonnen (-3,4 %) weiter reduziert.

Ausblick für die laufende Woche

Am Donnerstag feiern die US-Amerikaner das Erntedankfest (Thanksgiving). Da in absoluten Zahlen gerechnet lediglich 26,4 Prozent der wahlberechtigten US-Amerikaner dem neuen US-Präsidenten tatsächlich ihre Stimme gegeben haben, dürfte die Stimmung bei so mancher Familienfeier gedrückt und der Blick in die Zukunft ein flaues Gefühl in der Magengegend verursachen. 26,5 Prozent stimmten nämlich für Hillary Clinton und 42 Prozent des Wahlvolks hat seine Stimme gar nicht abgegeben.

Zwei Dinge lassen die Angst vor der Zukunft relativ nachvollziehbar erscheinen: Die Unberechenbarkeit und die Unerfahrenheit von Donald Trump. Ob die Amtszeit Trumps auch durch Unfähigkeit gekennzeichnet sein wird, werden wir wohl erst in den kommenden Monaten bzw. Jahren erfahren. Derzeit werden an den Aktienmärkten überwiegend Vorschusslorbeeren verteilt, massive Kursverluste waren hingegen bei Staatsanleihen und den Krisenwährungen Gold und Silber zu beobachten. Ihre Funktion als sicherer Hafen war offensichtlich nicht gefragt. Während man den Ausverkauf bei Festverzinslichen aufgrund der zu niedrigen Renditen durchaus begründen kann, machte die Entwicklung der beiden Edelmetalle eher ratlos. Auf lange Sicht könnte sich möglicherweise folgender Rat als nützlich erweisen: Betrachten Sie den jüngsten Rücksetzer als Chance, noch einmal günstig nachzukaufen.

Goldpreis - Trump bedingte Talfahrt hält an
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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