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Stand: 18.01.2022 von Jörg Bernhard
Das Thema „Inflation“ wurde an den internationalen Finanzmärkten auch in der vergangenen Woche heiß diskutiert. Erstmals seit rund 40 Jahren stand bei der US-Inflationsrate für den Monat Dezember eine Sieben vor dem Komma.
Goldpreis und die Never-Ending-Story der Inflation

Schmerzhafte Kaufkraftverluste drohen

Damit wurde die Novemberrate in Höhe von 6,8 Prozent übertroffen und die Analystenprognosen erfüllt. Zur Erinnerung: Im Januar 2021 war eine Geldentwertung von lediglich 1,4 Prozent p.a. gemeldet worden und in Deutschland stellte sich im vergangenen Jahr mit 3,1 Prozent p.a. die höchste Teuerung seit 1993 ein (siehe Chart).

Anleger sollten sich angesichts der Explosion der US-Inflation vor Augen halten, dass ein Bargeldbetrag in Höhe von 100.000 Dollar bei unveränderter Teuerungsrate innerhalb von lediglich vier Jahren mehr als ein Viertel an Kaufkraft verlieren würde. Selbst US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit bieten derzeit nur 2,125 Prozent pro Jahr.

Nachdem die Notenbanken monatelang diese für Konsumenten und Anleger ungünstige Entwicklung zu beschwichtigen versucht haben, scheint diese Einschätzung mehr und mehr einer realistischeren Sichtweise zu weichen – sowohl unter den Entscheidungsträgern der Fed als auch innerhalb der Europäischen Zentralbank.

Entwicklung Inflation Deutschland

Argumente, die für eine nachlassende Inflation sprechen, scheinen derzeit eher Mangelware zu sein. Während in den vergangenen Jahren vor allem der Energiesektor für mehr oder weniger starke Inflationsschübe verantwortlich gemacht worden war, bereiten derzeit auch andere Bereiche Kopfzerbrechen. So haben sich zum Beispiel die Energiepreise im Dezember um 29,3 Prozent p.a. verteuert, wobei Benzin mit 49,6 Prozent einen besonders starken Preisanstieg verzeichnet hat.

Überdurchschnittlich stark bergauf ging es in den USA aber auch bei Neufahrzeugen (+11,8 Prozent) sowie Gebrauchtfahrzeugen (+37,3 Prozent). Hierfür dürfte sich vor allem das globale Lieferkettenproblem als Hauptursache erwiesen haben.

Pandemiebedingt gibt es derzeit vor allem bei der Chipproduktion massive Versorgungsprobleme. Außerdem bereitet derzeit sowohl der Schiffsverkehr als auch der Transport via LKWs erhebliche Schwierigkeiten. Aufgrund der Kapazitätsengpässe in zahlreichen Sektoren spricht man derzeit von einer sogenannten „Flaschenhals-Inflation“.

Zinserhöhungen kein „Allheilmittel“

Man darf gespannt sein, wie sich die angekündigten Zinserhöhungen der Fed auf die künftigen Konsumentenpreise auswirken werden. Analysten von Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Deutscher Bank erwarten für das Jahr 2022 insgesamt vier Zinsschritte nach oben.

Der erste könnte bereits im März erfolgen. Unternehmen mit geringer Eigenkapitalquote müssen in den kommenden Monaten mit steigenden Finanzierungskosten rechnen und könnten diese möglicherweise an den Endkunden weiterreichen. Damit sich die Inflation nicht zu einer regelrechten Horrorstory entwickelt, wäre vor allem eines wichtig: Die globalen Lieferketten sollten möglichst bald wieder möglichst rund laufen.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Tagen dürfte das Thema „Inflation“ weiterhin für ein hohes Maß an Aufmerksamkeit sorgen, schließlich stehen aktuelle Zahlen zur Teuerung in Deutschland, Großbritannien, Japan und der Eurozone zur Bekanntgabe an. Gegenwärtig stehen die Zeichen eher auf „Sturm“ als auf „Entwarnung“. Während in Europa die prognostizierten Werte von 5,0 bis 5,3 Prozent p.a. reichen, sollen sich die Konsumentenpreise im Land der aufgehenden Sonne lediglich um 0,7 Prozent p.a. erhöhen.

Dieser relativ niedrige Wert heißt aber nicht, dass die Japaner sorgenfrei in die Zukunft blicken können. Ihr mageres Wirtschaftswachstum sowie die hohe Staatsverschuldung von 266 Prozent des Bruttosozialprodukts (2020) sprechen eine eindeutige Sprache. Nachdem die japanische Wirtschaft in Q2 noch um 7,6 Prozent p.a. gewachsen war, droht ihr in Q3 eine Verlangsamung auf jährlich 1,4 Prozent.

Mit Blick auf die enorm hohe Schuldenquote kann man die USA (2020: 128,1 Prozent des BSP) und die Eurozone (2020: 98,0 Prozent des BSP) – verglichen mit Japan – fast schon als „Waisenknaben“ bezeichnen. Angesichts wachsender finanzpolitischer und geopolitischer Risiken dürften verunsicherte Anleger ihr Heil verstärkt in einer Flucht in den „sicheren Hafen“ Gold suchen. Möglicherweise winken hier nicht die höchsten Renditen, ein hohes Maß an Schutz und Stabilität dürften mit einem Goldinvestment aber auf jeden Fall verbunden sein.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Dr. Schmidt | 20.01.2022, 11:38 Antworten

Also man hätte sich angesichts der Überschrift "Goldpreis und Inflation" schon etwas mehr erwartet als nur Inflations-Hysterie.

Bezogen aus das Jahr 2021: Es gibt eine schwere Krise (Corona) und, ja, es gibt deutlichere Inflation. Was aber macht der Goldpreis?

Der Goldpreis in US-Dollar ist deutlich gefallen. Und auch deutsche Anleger hatten 2021 beim Goldpreis in EUR nur eine sehr mäßige Perfomance. Wenn man dann noch Kosten für Kauf und Verkauf mit einbezieht (was man bei jeder Anlageform tun sollte - es gibt immer mal Notsituation, wo man dringend verkaufen muss, siehe Ahrtal-Flut oder Corona), dann war es auch hier in D mit Gold als "Inflationsschutz" in 2021 nicht weit her. Da hätte man genauso gut das viel gescholtene Papiergeld behalten können. Das erwähnt der Artikel leider nicht.

Da haben Aktien als "Inflationsschutz" 2021 ihren Anlegern mehr Freude bereitet.

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