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Stand: 25.06.2026 von Florian Grummes
Die seit Ende Januar anhaltende Korrekturphase bei den Edelmetallpreisen hat sich in den vergangenen Wochen nochmals deutlich verschärft. Zwar kam es vor zwei Wochen zu einer vorübergehend kräftigen Erholung, doch der FOMC-Zinsentscheid am 17. Juni beendete diese abrupt. Seitdem ist der Goldpreis von 4.382 auf 3.959 US-Dollar gefallen, während Silber von 71,55 auf 55,57 US-Dollar noch deutlicher nachgab.
Goldpreis: Erst Kapitulation – jetzt große Kaufchance?

Rückblickend waren wir vor zwei Wochen daher etwas zu optimistisch, denn das Sommertief wurde offensichtlich noch nicht erreicht. Die zunehmend dynamische Abwärtsbewegung bei gleichzeitig stark überverkaufter Marktlage dürfte jedoch in den kommenden Wochen die Grundlage für eine Bodenbildung und anschließende Trendwende schaffen.

Der Abverkauf gewinnt an Dynamik

Nach dem explosiven Anstieg bis Ende Januar 2026 – getrieben von geopolitischen Risiken, Zentralbankkäufen und spekulativer Nachfrage – war eine größere Korrektur überfällig. Zunächst führten Gewinnmitnahmen sowie im März die Iran-Krise zu zwei ausgeprägten Abverkaufswellen.

Die jüngste Beschleunigung der Korrektur ist hingegen vor allem auf eine Neubewertung der US-Geldpolitik zurückzuführen. Anfang Juni lösten überraschend starke US-Arbeitsmarktdaten eine deutliche Kehrtwende in den Markterwartungen aus: Der Mai-Jobbericht wies 172.000 neue Stellen aus – deutlich über den erwarteten rund 80.000 – und signalisierte eine robustere US-Wirtschaft als bislang angenommen. Dass ein Teil dieser Beschäftigungszuwächse im Zusammenhang mit der Fußball-WM stehen dürfte, wurde vom Markt weitgehend ignoriert.

Zinsen, Öl und Inflation

In der Folge stieg die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen der Fed bis Jahresende deutlich an, während Hoffnungen auf Zinssenkungen schwanden. Zwar sind höhere Realrenditen und ein stärkerer US-Dollar langfristig problematisch für die hochverschuldeten USA, kurzfristig erhöhen sie jedoch die Opportunitätskosten nicht verzinslicher Anlagen wie Edelmetalle. Diese klassische und reflexartige Interpretation der Marktteilnehmer trug maßgeblich zur Verschärfung der Korrektur bei.

Darüber hinaus spielte auch der Ölpreisschock infolge des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran eine entscheidende Rolle. Die Eskalation ließ den Ölpreis zeitweise auf über 110 US-Dollar pro Barrel steigen und befeuerte damit die globale Teuerung erheblich. In den USA kletterte die Inflation (CPI) im Mai auf 4,2 %, wobei der Energiesektor mehr als 60 % zum monatlichen Anstieg beitrug. Die steigenden Inflationserwartungen untermauerten das „higher for longer“-Narrativ der Fed.

Die Juni-Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh – erstmals in dieser Funktion – bestätigte diese restriktivere Ausrichtung: Zwar blieb der Leitzins unverändert, doch das Dot Plot signalisierte, dass nahezu die Hälfte der Mitglieder im Jahr 2026 eine weitere Zinserhöhung für möglich hält.

Die Kombination aus Inflationsschock und geldpolitischer Neubewertung beschleunigte den Abverkauf innerhalb der letzten Woche deutlich.

Trendbewegung verstärkt den Druck

Durch die globale Verunsicherung und die Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität übt die angespannte Lage im Nahen Osten zusätzlichen erheblichen Druck auf die Volkswirtschaften aus und entzieht dem weltweiten Finanzsystem spürbar Liquidität.

Zum anderen neigen Trendbewegungen nun einmal dazu, sich schrittweise zu verstärken. Während es seit dem vergangenen Herbst nahezu ungebremst nach oben ging, treiben nun Stopp-Loss-Orders, Margin Calls, ETF-Abflüsse sowie Angst und Panik die Bewegung auf der Unterseite. Je steiler ein Trend verläuft, desto näher rückt in der Regel allerdings auch sein Wendepunkt.

Technische und positionsbedingte Faktoren verstärkten die Bewegung zusätzlich, wobei Silber deutlich stärker unter Druck geriet als Gold. Seit den Januarhochs hat der Goldpreis rund 30 % nachgegeben, während Silber in der Spitze bereits mehr als 54 % verlor. Wie so oft reagierte Silber aufgrund seines höheren Betas sowie der Kombination aus monetärer und industrieller Nachfrage deutlich sensibler auf steigende Zinsen und ein schwächeres Wachstumsumfeld.

Dennoch ist die viereinhalbmonatige Abwärtsbewegung als gesunde, wenn auch schmerzhafte Korrektur zu werten.

Von einer fundamentalen Trendwende oder gar dem Ende des säkularen Bullenmarktes bei Edelmetallen kann nicht die Rede sein.

Die strukturellen Käufer, allen voran die Zentralbanken, bleiben aktiv, und die langfristigen Treiber – geopolitische Unsicherheit, hohe Verschuldung, globale Geldmengen-Ausweitungen sowie strukturelle Defizite – sind weiterhin intakt. Damit hat die Korrektur vor allem spekulative Übertreibungen abgebaut und die Preise wieder näher an fundamentalere Bewertungsniveaus herangeführt.

Gold – Psychologische Marke 4.000 USD hat nicht gehalten

Tageschart Goldpreis 25.06.2026Gold in US-Dollar, Tageschart vom 25. Juni 2026. © GOLD.DE

Seit dem Allzeithoch bei 5.602 US-Dollar Ende Januar 2026 hat der Goldpreis eine Serie tieferer Hochs und Tiefs ausgebildet. Nachdem die immer noch leicht steigende 200-Tage-Linie (4.471 US-Dollar) am 5. Juni nicht mehr verteidigt werden konnte, gingen die Bären mit dem Rutsch unter 4.400 US-Dollar zum Frontalangriff über. In der Folge fiel der Goldpreis ungebremst bis auf 4.023 US-Dollar, von wo aus sich noch einmal eine mehrtägige, scharfe Erholung entwickeln konnte.

Der Fed-Zinsentscheid brachte anschließend jedoch die nächste Attacke der Bären, welche am gestrigen Mittwoch schließlich zum klaren Bruch der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar führte. Damit haben die Bullen zunächst einen wichtigen technischen Halt verloren; der gestrige Schlusskurs bei 3.999 US-Dollar markiert zugleich den ersten Tagesabschluss unterhalb von 4.000 US-Dollar seit November 2025.

Trotz jederzeit absehbarer Erholungsbewegungen eröffnet das Unterschreiten dieser runden Marke weitere Abwärtspotenziale. Die nächste Unterstützungen liegen bei 3.950, 3.900 und 3.840 US-Dollar. Sollte der Abwärtstrend durch weitere Liquidationen noch an Dynamik gewinnen, rückt unser bereits mehrfach genanntes Worst-Case-Szenario bei 3.500 US-Dollar in den Fokus.

Für den Silbermarkt ist ein Test der Ausbruchsniveaus um 50 US-Dollar nun deutlich wahrscheinlicher geworden.

Erste Signale einer Kapitulation

Insgesamt nimmt die sich verschärfende Abwärtsbewegung immer stärker den Charakter einer Kapitulation an. Zugleich sind sowohl die Tages- als auch die Wochen-Stochastik inzwischen klar überverkauft, sodass sich im Juli eine Bodenbildung und eine anschließende Trendwende nach oben einstellen sollten.

Fazit: Gold - Erst Kapitulation, dann Bodenbildung

Seit dem Allzeithoch Ende Januar 2026 befindet sich der Goldpreis in einer deutlichen Korrekturphase, die natürlich auch den Silberpreis mit voller Wucht erfasst hat. Ausgelöst wurde die Bewegung zunächst durch Gewinnmitnahmen und geopolitische Verwerfungen; zuletzt verstärkte sie sich durch die Neubewertung der US-Geldpolitik, robuste Arbeitsmarktdaten und steigende Inflationssorgen infolge des Ölpreisschocks sowie des weltweiten Nachfrageeinbruchs im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten. Technische Faktoren und Positionsanpassungen haben den Abverkauf zusätzlich beschleunigt, wobei Silber stärker unter Druck geriet als Gold.

Trotz der zuletzt heftigen Kursverluste spricht übergeordnet weiterhin alles für eine schmerzhafte aber gesunde Korrektur. Das Ende des Edelmetall-Bullenmarktes ist damit nicht erreicht; allerdings könnte sich die Korrektur- und Konsolidierungsphase insgesamt deutlich länger hinziehen, als das viele Edelmetall-Fans erwarten. Die strukturellen Treiber bleiben jedoch intakt: Zentralbanken kaufen weiter, die geopolitische Unsicherheit ist hoch, und die Verschuldung sowie die geld- und fiskalpolitischen Ungleichgewichte bestehen fort. Die aktuelle Schwäche hat vor allem spekulative Übertreibungen bereinigt und die Preise wieder näher an ein nachhaltigeres Bewertungsniveau geführt.

Gleichzeitig bietet das aktuelle Niveau endlich wieder ein vernünftiges Chancen-Risiko-Verhältnis für langfristige Investments in Edelmetalle.

Profilbild von Florian Grummes
Stand: 25.06.2026
geschrieben von:
Technischer Analyst, Edelmetallexperte

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