Stand: 12.05.2017 von © Gold.de Redaktion EH/GW 0 Kommentare

Der Goldpreis ist auf das tiefste Niveau seit Mitte März abgerutscht. Nicht zuletzt die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank hat das Edelmetall zuletzt belastet. Allerdings könnten schon viele der schlechten Nachrichten im Kurs eingepreist sein.

Die Korrektur bei der Goldpreisentwicklung hat sich deutlich ausgeweitet: Gegenüber dem April-Hoch ist er um rund fünf Prozent gesunken.

In den vergangenen Wochen hatte der Goldpreis gleich von mehreren Seiten Gegenwind: von den steigenden US-Zinsen ebenso wie vom steigenden Dollar und der Rekordfahrt am US-Aktienmarkt. Allerdings könnte der Gegenwind allmählich nachlassen und sogar schon bald zu Rückenwind werden. Dafür gäbe es folgende Gründe.

Dreht der Dollar nach unten?

Einer der wichtigsten Belastungsfaktoren für den Goldpreis war die deutliche Erholung des Dollar. In dem Umfeld war Gold nicht gefragt und ist verkauft worden. Möglicherweise geht die Erholung des Dollar aber schon bald zu Ende, denn die US-Konjunkturdaten könnten entgegen der Erwartung vieler Investoren schwach bleiben.

Dass den hoch verschuldeten US-Verbrauchern allmählich das Geld ausgeht, zeigen die miserablen Quartalszahlen der Kaufhausketten Macy’s und Kohl’s unmissverständlich. Nur mit immer neuen Schulden können die Verbraucher ihren Lebensstil aufrecht halten.

So sind die Schulden der privaten Haushalte Ende 2016 auf den Rekord von 14,76 Billionen Dollar gestiegen. Das war ein Anstieg um nur 3,2 Prozent im Jahresvergleich, was das Wirtschaftswachstum enorm dämpft. Die Staatsverschuldung auf ca. 19,8 Billionen US-Dollar was ca.107,4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt war.

Staatsverschuldung USA - Schuldenaufstellung von Privaten  Haushalten und die Staatsverschuldung Stand 09/2016

Das Letzte was die Konsumenten in dem Umfeld brauchen, sind steigende Zinsen aufgrund der Zinserhöhungen der US-Notenbank. Da es noch etliche Monate dauern dürfte bis US-Präsident Donald Trump zumindest ein paar Details seiner Steuerreform vorlegt, und sie frühestens am Jahresende verabschiedet werden dürfte, werden der schwachen Wirtschaft weiterhin die dringend notwendigen Impulse fehlen.

Bei anhaltend schwachen US-Daten - was sehr wahrscheinlich ist - dürfte der Dollar schon bald wieder nach unten drehen, woraufhin dem Goldpreis die Trendwende nach oben gelingen sollte.

Wie geht’s weiter bei den US-Zinsen?

Neben der Erholung des Dollar waren die steigenden US-Zinsen der zweite Belastungsfaktor für den Goldpreis.

Nachdem sich der Sieg von Emmanuel Macron bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April und der Stichwahl am 7. Mai in Umfragen frühzeitig abgezeichnet hatte, hatten Investoren den sicheren Hafen US-Anleihen verkauft, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen deutlich gestiegen sind. Das hat den Goldpreis nach unten gedrückt.

Das Thema Euro-Zone und der mögliche Erfolg der Populisten könnten aber viel schneller wieder auf die Agenda kommen, als derzeit viele Investoren erwarten. Zwar haben sie das Thema Frankreich erst einmal ad acta gelegt.

Allerdings wird es spannend zu sehen, wie die Parlamentswahlen am 11. Juni und die Stichwahl am 18. Juni ausgehen könnten. In Umfragen liegt die Bewegung „En Marche“ von Emmanuel Macron bei 29 Prozent.

Auf den folgenden Plätzen liegen die Konservativen und der Front National von Marine Le Pen mit jeweils rund 20 Prozent. Da dürften eine Regierungsbildung und damit die Umsetzung der von Macron vorgeschlagenen Reformen nicht leicht werden.

Italien bleibt ein enormer Risikofaktor

Gleichzeitig hat die Euro-Zone weiterhin einen Infektionsherd: Italien.

Die Staatschulden liegen bei horrenden 2,2 Billionen Euro - das sind 132,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, während die Banken faule Kredite von 330 Mrd. Euro in den Büchern haben. Dennoch strebt der ehemalige Ministerpräsident Matteo Renzi, der zuletzt die Abstimmung zum Parteivorsitzenden der Sozialisten klar gewonnen hatte, baldmöglichst vorgezogene Neuwahlen an.

In dem Umfeld könnte allerdings bei Investoren die Sorge hochkochen, dass die Protestpartei „Movimento 5 Stelle“ des Komikers Beppe Grillo, die in Umfragen knapp vor den Sozialisten liegt, zur stärksten Partei aufsteigen könnte. Sollte es tatsächlich zu vorgezogenen Neuwahlen kommen, könnten Investoren wieder in US-Anleihen flüchten, woraufhin die Zinsen sinken würden, wodurch der Goldpreis Rückenwind bekäme.

Von großer Bedeutung sind zudem die möglichen weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank. Üblicherweise steigen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen in der Erwartung der Zinserhöhung und drehen nach der Fed-Sitzung wieder nach unten. Das könnte spätestens nach der nächsten Fed-Sitzung am 14. Juni wieder passieren, was den Goldpreis in Dollar beflügeln würde.

Wie geht’s weiter beim US-Aktienmarkt?

Die Rekordfahrt am US-Aktienmarkt hat ebenfalls Gegenwind für Gold bedeutet. Wenn Aktien von einem Spitzenwert zum nächsten eilen, wird das Edelmetall zur Absicherung scheinbar nicht gebraucht.

Die Frage ist allerdings, wie lange die Hausse beim S&P500 noch weitergehen könnte, immerhin ist er mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18,5 höher bewertet als selten zuvor. Sollte die Fed mit anhaltenden Zinserhöhungen die Wirtschaft abwürgen, oder sogar in die Rezession schicken, dürfte es einen deutlichen Kursrückschlag am US-Aktienmarkt geben. In diesem Umfeld wird es wieder eine hohe Nachfrage beim Gold kauf geben.

Nach dem Kursrutsch notiert der Goldpreis knapp oberhalb der charttechnisch wichtigen 100-Tage-Linie von 1.224 Dollar je Feinunze. Damit besteht weiterhin die Chance, dass sich die Notierung des Edelmetalls in dem Bereich stabilisiert.

Anleger sollten weiterhin den Dollar und die US-Zinsen genau im Auge behalten. Beide könnten schon bald wieder nach unten drehen, woraufhin der Goldpreis die Kehrtwende nach oben schaffen und wieder den Aufwärtstrend aufnehmen würde.

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