Stand: 19.07.2021 von Jörg Bernhard
Die Hiobsbotschaft von der US-Preisfront hat dem Goldpreis in etwas höhere Regionen verholfen. Kein Wunder, schließlich hat der Dollar den höchsten Kaufkraftverlust seit August 2008 hinnehmen müssen.
Goldpreis: US-Inflation im Höhenflug sorgt für Rückenwind

Inflation weiter auf dem Vormarsch

Mit 5,4 Prozent p.a. kletterte die US-Inflationsrate im Juni auf den höchsten Stand seit fast 13 Jahren. Analysten hatten im Vorfeld der Veröffentlichung mit einem Rückgang von 5,0 auf 4,9 Prozent gerechnet.

Stärker als erwartet ging es auch mit der Kerninflation nach oben, die keine Energie- und Lebensmittelpreise beinhaltet. Hier war mit 4,5 Prozent p.a. der prognostizierte Wert von 3,8 Prozent noch deutlicher überschritten worden. Diese Rate wies gegenüber dem Vormonat ein Plus von 0,9 Prozent aus.

Noch steiler bergauf ging es letztmals im Juni 2008, wenige Monate vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der nachfolgenden Finanzmarktkrise. Besonders starke Preiszuwächse verzeichnete der

  • Gebrauchtwagenmarkt

  • Autovermietungen

  • Flugtickets

  • Hotels

  • sowie der Unterhaltungs- und Freizeitsektor.

Weitere Beispiele gefällig? Exorbitant verteuert haben sich auch die Transportpreise der Containerschifffahrt. Innerhalb eines Jahres hat sich zum Beispiel der Freightos-Baltic-Index von 1.859 auf 6.494 Dollar mehr als verdreifacht.

Schuld daran waren nicht nur die Ende März erfolgte Havarie im Suez-Kanal oder das corona-bedingte Herunterfahren des viertgrößten chinesischen Hafens Yantian für mehrere Wochen.

Während der zahlreichen Lock-downs wurden in diversen Industrien die Produktionskapazitäten massiv heruntergefahren und es baute sich zugleich ein massiver Konsumstau auf, da man sein Geld nicht wie gewohnt ausgeben konnte.

Im Zuge von Impferfolgen in Nordamerika und Europa, wirtschaftlichen Lockerungsmaßnahmen und den billionenschweren Liquiditätshilfen entstanden dadurch massive Lieferketten- und Produktionsprobleme.

Experten sprechen in diesem Zusammenhang von „Flaschenhalsinflation“.

Inflationsschub im Jahr 2021

Zentralbanken im Beschwichtigungsmodus

Zentralbanken machen sich hinsichtlich der künftigen Geldentwertung tendenziell keine Sorgen. Sie sind der Ansicht, dass es sich dabei um eine temporäre Erscheinung handelt und weisen auf den sogenannten Basiseffekt hin.

Weil während der Corona-Krise viele Rohstoffpreise regelrecht kollabiert sind, fielen aufgrund deren nachfolgender Erholung zwölf Monate später die Inflationsraten entsprechend hoch aus.

Im kommenden Jahr soll dieser Basiseffekt dann zu deutlich geringeren Inflationsraten führen.

Man darf allerdings gespannt sein, in welchem Ausmaß sich die Preise beruhigen werden. EZB und Fed haben bereits angekündigt, dass sie Werte über der in den vergangenen Jahren geäußerten Wunschinflation in Höhe von ungefähr zwei Prozent erst einmal tolerieren werden.

Eines sollten Anleger aber auf keinen Fall vergessen: Kreditnehmer profitieren von einer überdurchschnittlich hohen Inflation, während Sparer durch stark negative Realzinsen gewissermaßen enteignet werden.

Dies stellt lediglich ein Aspekt der staatlich verordneten finanziellen Repression dar. Leider gibt es noch zahlreiche andere. Deshalb spricht absolut nichts dagegen, ein Teil des liquiden Geldvermögens in die Krisenwährungen Gold und Silber einzutauschen.

Ausblick für die laufende Woche

Es ist wieder so weit: Am Donnerstag wird das Ergebnis der EZB-Sitzung veröffentlicht (13:45 Uhr) veröffentlicht und in einer nachfolgenden Pressekonferenz mit EZB-Präsidenten Christine Lagarde (14:30 Uhr) näher erläutert.

An Fragen dürfte es nicht mangeln, schließlich kündigte die EZB kürzlich an, in den kommenden zwei Jahren Pläne zur Einführung des digitalen Euros zu erarbeiten. Außerdem wurde das bisherige Inflationsziel von „knapp unter zwei Prozent“ aufgegeben und ein zeitnahes Ende der umfangreichen Anleihekäufe der EZB ausgeschlossen.

Anleger sollten sich deshalb darauf einstellen, dass sich die EZB weniger um die Stabilität der Preise und eher um die Stabilität der Wirtschaft bemühen wird.

Angesichts der explodierenden Schuldenberge und der aufgeblähten EZB-Bilanzsumme ist der Wunsch nach deren Entwertung via Inflation durchaus nachvollziehbar.

Nur zur Erinnerung: Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Bilanzsumme der EZB von 2.000 auf fast 8.000 Milliarden ungefähr vervierfacht.

Eine solche Goldmengenexplosion ist beim Krisenschutz Gold definitiv unmöglich – und das ist auch gut so.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"