Stand: 21.08.2018 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Anfang des Monats meldete der World Gold Council für die ersten sieben Monate massive Kapitalabflüsse bei physisch besicherten Gold-ETFs aus den USA. Diese Tendenz wurde nun durch Daten über die aktuellen Besitzverhältnisse (Stand: Ende Juni) beim weltgrößten Gold-ETF bestätigt.

US-Investoren reduzieren Bestände am Gold-ETF

Am vergangenen Mittwoch war es wieder einmal so weit. Im Rhythmus von drei Monaten legt die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) die Beteiligungsverhältnisse beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares offen und zeigt auf, welche institutionellen Investoren ihr diesbezügliches Goldexposure verstärkt bzw. zurückgefahren haben.

In den Monaten April bis Juni fiel vor allem eines auf: Wichtige Anteilseigner aus den USA sind durch massive Verkäufe in Erscheinung getreten. Offensichtlich vertrauen sie – dank anziehender US-Renditen und starker US-Wirtschaft – derzeit stärker der Weltleitwährung Dollar als der seit Jahrtausenden bewährten Alternativ- und Krisenwährung Gold.

Ende Juni lag beim SPDR Gold Shares der Anteil institutioneller Investoren bei 41,2 Prozent (Vorquartal: 40,6 Prozent), wobei sich ihr investiertes Kapital im Berichtszeitraum aufgrund der markanten Goldpreisschwäche von 14,43 Milliarden auf 12,41 Milliarden Dollar reduziert hat.

Per Saldo hat im zweiten Quartal die Verkaufsbereitschaft signifikant zugenommen. Von den insgesamt 1.125 Finanzinstitutionen haben 405 ihre Bestände erhöht, während 435 Großinvestoren verstärkt verkauft haben. Bei 285 institutionellen Investoren haben sich die Bestände an Gold-ETFs nicht verändert.

SPDR Gold Shares: Wenig Licht, viel Schatten

Beim quartalsmäßigen Update der SEC interessieren sich Anleger für eine Frage in der Regel besonders stark: Welche Veränderungen gab es bei den ETF-Beständen der größten Anteilseigner im Vergleich zum vorherigen Quartal zu beobachten. Wer hat seine Positionen massiv aufgestockt oder wer ist als massiver Verkäufer in Erscheinung getreten (siehe Tabelle)?

Die 15 größten Einzelinvestoren beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares

Name Anteile abs. Veränderung proz. Veränderung in Mio. USD
BLACKROCK INC. 10.404.865 -3.069.243,00 -22,8 1.176.478
FIL LTD 8.894.418 8.894.418,00 Neu 1.005.692
BANK OF AMERICA CORP /DE/ 6.759.969 -1.481.600,00 -18,0 764.350
FIRST EAGLE INV. MGMT, LLC 5.895.194 -22.864,00 -0,4 666.570
UBS GROUP AG 5.336.150 1.319.238,00 32,8 603.358
MORGAN STANLEY 4.752.281 -5.471.228,00 -53,5 537.340
PAULSON & CO. INC. 4.320.022 0,00 0,0 488.465
JPMORGAN CHASE & CO 3.937.798 2.698.813,00 217,8 445.247
BRIDGEWATER ASSOC, LP 3.908.999 0,00 0,0 441.991
CI INVESTMENTS INC. 2.807.848 755.519,00 36,8 317.483
COMMERZBANK AG /FI 2.216.303 -71.818,00 -3,1 250.597
WELLS FARGO & CO./MN 1.779.196 -309.004,00 -14,8 201.174
ORBIS ALLAN GRAY LTD 1.217.858 264.419,00 27,7 137.703
ASSET MGMT ONE CO., LTD. 1.212.329 18.185,00 1,5 137.078
FORMULAFOLIO INV., LLC 1.202.454 65.684,00 5,8 135.961
Stand: 30.06.2018 Quelle: Nasdaq

Letzteres traf vor allem auf zahlreiche US-Adressen zu. Unter den 15 größten Einzelinvestoren haben drei Institutionen mehr als eine Million Anteile abgestoßen. Den größten „Goldklumpen“ warf die US-Investmentbank Morgan Stanley auf den Markt.

Sie trennte sich nämlich von über 5,4 Millionen ETFs und hat dadurch die Position um 53,5 Prozent auf 4,75 Millionen Anteile reduziert. Massiver Abgabedruck war auch beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock zu beobachten, der sich von über drei Millionen ETFs getrennt hat, wodurch sich dessen Goldengagement um 22,8 Prozent auf 10,4 Millionen Anteile reduziert hat. Trotz dieser Entwicklung gilt Blackrock weiterhin als größter Einzelinvestor beim SPDR Gold Shares.

Auch die Bank of America hat seit Ende März mit Verkäufen im Volumen von fast 1,5 Millionen Papieren eine markante Reduktion der ETF-Position um 18,0 Prozent auf 6,76 Millionen Anteile durchgeführt. Daneben gab es per Saldo auch bei First Eagle Investment Management, Wells Fargo & Company und bei der Commerzbank mehr oder weniger starke Verkäufe zu beobachten.

Unter den Käufern beim weltgrößten Gold-ETF gab es zwei interessante Besonderheiten zu vermelden.

  • Erstens: Mit dem Erwerb von fast 8,9 Millionen Anteilen im Wert von über einer Milliarde Dollar landete der 1969 gegründete Kapitalverwalter FIL Ltd. auf Anhieb auf Platz zwei der größten Einzelinvestoren.

  • Zweitens: Auch die US-Investmentbank JPMorgan Chase hat sich im Berichtszeitraum mit Gold kräftig eingedeckt. Sie kaufte rund 2,7 Millionen ETFs und hat dadurch ihre bisherige Position um über 200 Prozent auf 3,94 Millionen Anteile aufgestockt.

Fazit: So ganz hat „smart money“ das Interesse an Gold offensichtlich noch nicht verloren.

SPDR Gold Trust Institutionelle Beteiligung

Stand: 30.06.2018 Quelle: Nasdaq

Ausblick für die laufende Woche

Derzeit scheint mit Blick auf den Goldpreis vor allem die negative Korrelation zum Dollar zuverlässig zu funktionieren: Steigt (fällt) der Dollar, fällt (steigt) der Goldpreis.

Während der Dollarindex, der die US-Währung mit sechs anderen wichtigen Devisen vergleicht, in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit 14 Monaten geklettert war, musste das gelbe Edelmetall mit 1.161 Dollar (Donnerstag) den niedrigsten Wert seit 19 Monaten hinnehmen. Gemessen vom Rekordhoch (September 2011) hat der Krisenschutz Gold damit 39 Prozent an Wert eingebüßt.

US-Amerikaner scheinen sich in diesem Jahr im großen Stil aus dieser Anlageklasse zu verabschieden, was sich an der Verkaufswelle an den Terminmärkten, den Abflüssen im ETF-Sektor und den schwachen Absatzzahlen der United States Mint (US Mint) ablesen lässt. 

Mittlerweile zeigt der Timingindikator mit weniger als 30 Prozent eine eindeutig überverkaufte Lage an. Ein Comeback über diese Marke gilt als charttechnisches Kaufsignal und könnte einen kräftigen Rebound nach sich ziehen, eine technische Erholung scheint durchaus gerechtfertigt zu sein.

Goldpreis: Verkaufswelle bei größten Gold-ETF
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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