Stand: 11.05.2021 von Jörg Bernhard
Goldinvestments sind mehr denn je eine Frage des Vertrauens. Dies trifft sowohl auf den Kauf von Barren und Münzen und in noch höherem Maße auf den Erwerb von Papiergold zu.
Goldpreis: Vertrauen in Papiergold erodiert

Physisches Gold hui, Papiergold pfui

Völlig losgelöst vom Preisrisiko bergen sowohl der physische Besitz von Goldbarren bzw. Goldmünzen als auch ein Investment in physisch hinterlegtes Papiergold unterschiedliche Risiken.

  • - Beim Erwerb von Barren und Münzen vertraut man zum Beispiel auf die Seriosität des Edelmetallhändlers und dessen Angaben zu Echtheit und Feingewicht. Außerdem droht bei nicht sicherer Verwahrung ein Verlust durch Diebstahl, Wohnungsbrand oder -einbruch.

  • - Wer Papiergold wie Xetra-Gold (ISIN: DE000A0S9GB0) oder Euwax Gold II (ISIN: DE000EWG2LD7) erwirbt, vertraut indes auf die in den Prospekten zugesagte Hinterlegung und den darin verbrieften Lieferanspruch.

Damit haben die Anleger bei jeder Kategorie von Goldinvestment die Qual der Wahl.

Das vergangene Jahr war dadurch gekennzeichnet, dass corona-bedingt vor allem institutionelle Investoren in Papiergold geflohen sind. Mit über 877 Tonnen übertrafen die Gold-Zuflüsse den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2009 (649 Tonnen) um über 35 Prozent.

Im selben Zeitraum verzeichnete der weltweite Absatz von Barren und Münzen lediglich einen marginalen Anstieg von 870,9 Tonnen (2019) auf 896,1 Tonnen und somit ein Plus von lediglich drei Prozent.

Doch im Jahr 2021 scheint sich ein Favoritenwechsel anzubahnen.

Während nämlich im ersten Quartal 2021 bei Barren und Münzen ein Wachstum von 250,5 auf 339,5 Tonnen (+35,5 Prozent p.a.) registriert worden war, verzeichnete das ETF-Marktsegment massive Abflüsse im Volumen von 175,6 Tonnen, nachdem im vergleichbaren Vorjahresquartal die Goldbestände um 299,1 Tonnen aufgestockt wurden (siehe Tabelle).

Entwicklung der beiden Marktsegmente ETFs versus Barren & Münzen


Q1 2019 Q2 2019 Q3 2019 Q4 2019 Q1 2020 Q2 2020 Q3 2020 Q4 2020 Q1 2021
ETF-Zuflüsse bzw. Abflüsse (Tonnen) 40,5 75,3 259,0 23,5 299,1 436,4 278,3 -127,0 -175,6
Barren & Münzen (Tonnen) 257,6 218,9 149,4 244,3 250,5 148,8 222,1 268,7 339,5
Quelle: World Gold Council

Entwicklung der beiden Marktsegmente ETFs versus Barren & Münzen

Potenzielle Gründe für die Abflüsse bei Papiergold

Weil vor allem institutionelle Investoren aufgrund der geringeren Gebühren und der leichteren Handelbarkeit Papiergold bevorzugen, ist ihr Anlagehorizont eher von kurzfristiger Natur.

Goldene Barren oder Münzen werden hingegen aufgrund der größeren Spanne zwischen An- und Verkaufspreis sowie der höheren Lagerkosten eher von langfristig orientierten Anlegern bevorzugt. Wer Gold in Form von Barren oder Münzen erwirbt, tut dies in der Regel aus Überzeugung und vertraut auf dessen seit Generationen bewährte Schutzfunktion.

Viele Käufer von Gold-ETFs betrachten dieses Vehikel hingegen lediglich als Parkmöglichkeit während unsicherer Zeiten. Während im Jahr 2020 die Unsicherheit besonders stark ausgeprägt war, dominiert in diesem Jahr vor allem der Optimismus, die Pandemie zu besiegen und auf den Pfad wirtschaftlichen Wachstums zurückzukehren.

Vermeintliche Belastungsfaktoren wie steigende Zinsen oder ein anziehender Dollar dürften die Psyche der Goldbarren- bzw. Goldmünzenbesitzer kaum belasten, schließlich sehen Sie in steigenden Zinsen nicht nur höhere Opportunitätskosten (Zinsverzicht), sondern auch ein höheres Ausfallrisiko der Anleiheschuldner, die sich an das ultrabillige Geld während der vergangenen Jahrzehnte zu gewöhnen scheinen.

An eine Normalisierung der Geldpolitik ist derzeit nicht zu denken und das sollte wiederum vorsichtigen Investoren durchaus zu denken geben.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche verhinderte die ehemalige Fed-Präsidentin und aktuelle US-Finanzministerin Janet Yellen den Sprung des Goldpreises über die Marke von 1.800 Dollar, allerdings war der daraus resultierende Verkaufsdruck nur von temporärer Natur.

Yellen hält es für möglich, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um ein Überhitzen der US-Wirtschaft zu verhindern.

Doch dieses Verkaufsargument wurde wieder relativ schnell ausgeblendet, schließlich haben die Akteure an den Goldmärkten nicht vergessen, dass die US-Regierung das Land mit Billionen von Dollars überfluten wird.

Goldbesitzer beruhigt es daher ungemein, dass sich das gelbe Edelmetall keineswegs aus dem Nichts schöpfen lässt. Dessen Produktion erfordert viel Kapital, Energie und Arbeit.

Interessant dabei: Aktuelle Daten vom US-Arbeitsmarkt fielen erheblich schwächer als erwartet aus und haben dadurch dem Goldpreis in der vergangenen Woche letztendlich doch noch mit dem markanten Ausbruch über die relativ wichtige Marke von 1.800 Dollar zu einem „Happy-End“ geführt.

Autor: Jörg Bernhard
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von Goldfisch | 19.05.2021, 19:38 Antworten

Es gibt halt "Zocker" und Investoren. Der Zocker will im Endstadium seiner Erkrankung im Intraday-Millisekundentakt Kurssprünge ausnutzen. Das geht nur mit Papier-Metall, endet beim Psychotherapeuten, oder beim Insolvenzberater oder mit dem Herzinfarkt.
Der Investor hat Zeit, ist entspannt, und hat physisches Metall, Punkt.

von Aureus | 12.05.2021, 22:33 Antworten

Was Papiergoldforderungen an Wert haben, könnte man während des Höhepunktes der Coronakrise mit -so muss ich zugeben - einem gewissen Quantum Faszination bestaunen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"