Stand: 30.09.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Obwohl US-Notenbank-Chefin Janet Yellen weiterhin eine Anhebung der US-Leitzinsen noch in diesem Jahr für angemessen hält, behauptet sich der Goldpreis relativ wacker in der Nähe seines am Donnerstag markierten Vierwochenhochs. Offensichtlich haben höhere Zinsen mittlerweile erheblich an Schrecken verloren.

Chinesen wieder etwas kauffreudiger

Was im August mit chinesischen Aktien passierte, ist hinlänglich bekannt. Viele Blue-Chips-Indizes aus dem Reich der Mitte verloren um die 20 Prozent und sorgten auch im Rest der Welt für ein hohes Maß an Unsicherheit. In der abgelaufenen Handelswoche wurden nun diverse Statistiken über die Goldimporte der Chinesen im August veröffentlicht. So meldete zur Wochenmitte zum Beispiel die Eidgenössische Zollverwaltung, dass aus der Schweiz im August mit 173,9 Tonnen Gold exportiert hat und damit acht Prozent über dem Vormonatswert lag. Wie gewohnt landete der Löwenanteil dieses Goldes in Asien. Im August belief sich die Quote auf 70 Prozent. Während beim größten Abnehmerland Indien die höchste Goldeinfuhr dieses Jahres mit ca. 120 Tonnenverbucht wurden, hat ebenfalls der Appetit aus Hongkong (36,2 Tonnen) und China (17,0 Tonnen) stark zugenommen. Kumuliert floss nach China und Hongkong 50 Prozent mehr Gold als im Vormonat. In den kommenden Monaten könnte es in Indien mit dem Goldbedarf deutlich bergauf gehen, da Ende September die Feiertagssaison und Anfang November die anstehende Hochzeitssaison zu einer erhöhten Nachfrage führen dürfte.

An der Shanghai Gold Exchange sind Umsatzzahlen deutlich schneller verfügbar, so dass sich aktuelle Nachfragetendenzen leichter ermitteln lassen. Hier sieht es so aus, als ob sich das Interesse der Chinesen an Gold im September gegenüber dem Vormonat kaum verändert hat. Bei den besonders liquide gehandelten Ein-Kilogramm-Goldbarren fielen nämlich die registrierten Wochenumsätze der ersten drei Septemberwochen überdurchschnittlich hoch aus. Lediglich in der abgelaufenen Handelswoche war mit 130.429 kg eher unterdurchschnittliches Geschäft registriert worden. Auf kurze Sicht droht allerdings aus China aus einem ganz profanem Grund nachlassendes Interesse an Gold: die anstehende Feiertagswoche "Golden Week" (siehe Tabelle).

Feiertage in China und Hongkong (Börsen geschlossen)

Hongkong SE 01. Oktober 2015
Shanghai SE 01.Oktober 2015 bis 07.Oktober 2015

Quelle: timeanddate.com/holidays

Großspekulanten haben wieder Lust auf Gold

An den Terminmärkten, wo zumindest auf dem Papier die Umsätze der Kassamärkte um ein Vielfaches übertroffen werden, hat der von den spekulativen Marktakteuren ausgehende Verkaufsdruck mittlerweile deutlich nachgelassen. Der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) wies in der Woche zum 22. September vor allem unter Großspekulanten (Non-Commercials) einen regelrechten Kaufrausch aus. Sie haben ihr Short-Engagement nämlich um 13.723 Kontrakte reduziert und zugleich das Long-Exposure um 7.855 Futures nach oben gefahren. Per saldo hat sich dadurch die Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer Spekulanten von 39.547 auf 61.125 Kontrakte (+54,6 Prozent) kräftig erhöht. Unter den Kleinspekulanten (Non-Reportables) herrscht hingegen seit zehn Wochen überwiegend Pessimismus, ablesbar an der Netto-Short-Position. Dieser Pessimismus hat sich innerhalb einer Woche allerdings markant abgeschwächt und zu einem Anstieg von minus 6.568 auf minus 3.897 Kontrakte geführt.

Eine ähnlich lange Durststrecke gab es zuletzt im Oktober/November 2014 zu beobachten. Damals waren kleine Spekulanten in der Spitze mit mehr als 10.000 Gold-Futures netto short. Unter Timingaspekten lagen sie mit ihrer Meinung aber "schwer daneben", schließlich kletterte das gelbe Edelmetall in den folgenden Handelswochen von 1.180 Dollar zeitweise über 1.300 Dollar. Da solche "Missgeschicke" in den vergangenen Jahren des Öfteren zu beobachten waren, eignen sich skeptische oder gar pessimistische Phasen der spekulativen Marktakteure sehr gut als Kontraindikator.

Ausblick für die laufende Woche

Das Thema US-Leitzinsen ist natürlich noch nicht "gegessen". Spätestens in der zweiten Wochenhälfte dürfte es wieder auf dem Tisch landen, schließlich müssen die Akteure an den Finanzmärkten eine Flut an Arbeitsmarktdaten aus den USA verdauen. Da die US-Notenbank Fed die Entwicklung dieses Konjunkturindikators in der Vergangenheit immer wieder als besonders wichtigen Faktor bei der geldpolitischen Entscheidungsfindung bezeichnet hat, könnte in diesem Zusammenhang vor allem der September-Bericht am Freitag hohe Wellen schlagen. In einer vom Wall Street Journal veröffentlichten Umfrage unter Analysten wird mit einer unveränderten Arbeitslosenrate von 5,1 Prozent und einem Anstieg neu geschaffener Stellen von 173.000 auf 203.000 gerechnet. Möglicherweise kommt es aber bereits früher zu einem Comeback der Zinsspekulationen. So wurde zum Beispiel für Mittwoch eine Rede von Fed-Chefin Janet Yellen auf einer Bankenkonferenz der St. Louis Fed angekündigt. Den besten Beweis für die Macht ihrer Worte lieferte Yellen am vergangenen Donnerstag als der Goldpreis nach ihrer Rede an der Universität von Massachusetts aufgrund der angedeuteten Zinserhöhung noch in diesem Jahr wieder den Rückwärtsgang einlegte.

Goldpreis: Vierwochenhoch im September
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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