Stand: 15.06.2020 von Jörg Bernhard
Die Fed und die EZB fluten die Finanzmärkte wieder einmal mit Unsummen von Geld. Dennoch hält sich die Geldentwertung in Grenzen wie jüngste Inflationszahlen eindrucksvoll aufgezeigt haben.
Gold: Von Geldentwertung (noch) keine Spur

Inflation weltweit auf dem Rückzug

In der vergangenen Woche meldete zum Beispiel China mit 2,4 Prozent p.a. für Mai die niedrigste Teuerungsrate seit 14 Monaten. In den USA rutschte die Inflation gegenüber dem Vormonat sogar von 0,3 auf 0,1 Prozent p.a. ab (siehe Tabelle) und markierte damit den niedrigsten Stand seit Herbst 2015.

Inflationsraten in wichtigen Volkswirtschaften

  Mai 20 (p.a.) Jan 20 (p.a.)
China 2,4 % 5,4 %
Deutschland 0,1 % 2,5 %
Frankreich 0,4 % 1,5 %
Großbritannien * 0,5 % 1,8 %
Italien -0,1 % 0,5 %
Japan * 0,3 % 0,7 %
Kanada * -0,2 % 2,3 %
USA 0,1 % 2,5 %
Quelle: Trading Economics; * : geschätzt

Nur zur Erinnerung: Noch im Januar übertraf die Geldentwertung mit 2,5 Prozent den von der Fed kommunizierten Zielwert von zwei Prozent recht deutlich.

Hauptverantwortlich für diese Entwicklung war der beispiellose Einbruch des Ölpreises, der den WTI-Future erstmals in seiner Geschichte in den negativen Bereich abstürzen ließ. Am 20. April führte dies sogar zu einem absurden Ölpreis von minus 40 Dollar.

In einem solchen Umfeld sollte man sich nicht wundern, dass sich die Inflation auf dem Rückzug befindet. In Zeiten von Corona dürfte sich die Freude über niedrigere Tankrechnungen angesichts von verstärktem Home-Office, Reiseeinschränkungen, Kurzarbeit und drohendem Arbeitsplatzverlust jedoch in Grenzen halten.

In den vergangenen 100 Jahren waren Deflationsphasen ohnehin eher die Ausnahme und meist von temporärer Natur. Auf lange Sicht ist davon auszugehen, dass sich die Entwertung ungedeckter Währungen eher beschleunigen als verlangsamen wird. Als traditionellen Inflationsschutz genießen Gold und Silber hohes Ansehen, seit einigen Jahren wird aber auch diversen Kryptowährungen – allen voran dem Bitcoin – das Attribut „inflationsgeschützt“ zugestanden.

Zu verdanken hat dies die von einigen Experten sogar als „digitales Gold“ bezeichnete Anlageklasse ihrer konstruktionsbedingten Knappheit und dem daraus resultierenden Härtegrad.

Härtegrad und Knappheit spricht für Gold

Ein Indikator, der den Härtegrad bzw. die Knappheit von nicht beliebig vermehrbaren Assets misst, stellt die Kennzahl Stock-to-Flow-Ratio (SFR) dar. Sie setzt nämlich die weltweiten Bestände von Gold, Silber sowie Kryptowährungen ins Verhältnis zu den globalen Neuzuflüssen und zeigt bei Silber einen Wert von 20 und bei Gold ein SFR von ungefähr 60 an.

Dies bedeutet: Um die globalen Goldbestände zu erhalten, würde man 60 Jahresproduktionen der Goldminenindustrie benötigen. Nach dem jüngsten Bitcoin-Halving im Mai weist die mit großem Abstand wichtigste Kryptowährung einen Härtegrad von über 50 auf.

Gemäß dieser Theorie müsste der Bitcoin nach dem nächsten Halving im Mai 2024 härter sein als Gold. Ein Grund warum das Attribut „sicherer Hafen“ auf Gold dennoch eher zutrifft, liegt in der – verglichen mit dem Bitcoin – deutlich niedrigeren Kursschwankungsintensität.

Welcher risikoaverse Investor kann sich schon damit anfreunden, dass ein als Schutz gedachtes Investment in den vergangenen 250 Tagen um den Faktor 4,5 stärkere Kursschwankungen ausgewiesen hat als Gold. Unter langfristigen Aspekten bietet sich in Abhängigkeit von der individuellen Risikobereitschaft an, in regelmäßigen Abständen ein Bitcoin-Investment zu wagen, um die Vorteile des Cost-Average-Effekts auf eine ausgesprochen moderne Investmentform anzuwenden.

Da Deutsche mit Blick auf ihre Altersvorsorge vor allem auf die gesetzliche Rente, Kapitalversicherungen und Immobilien vertrauen, bieten sich solche Sparpläne natürlich auch bei Gold und Silber an.

Ausblick für die laufende Woche

Der Optimismus, dass mit Blick auf Corona das Schlimmste überstanden sein könnte, hat in den vergangenen Tagen deutlich nachgelassen.

Sowohl in China, dem Ursprungsland der Pandemie, als auch in den USA – dem Land mit den höchsten Opferzahlen – mehrten sich zuletzt wieder die negativen Nachrichten. Beide Länder gelten als extrem wichtige Handelspartner Deutschlands.

Während an den Aktienmärkten seit drei Monaten eine V-förmige Erholung zu beobachten war, dürfte sich die Konjunktur deutlich weniger dynamisch erholen. Das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken scheint weiterhin vorhanden zu sein. Sonderlich optimistisch klang Fed-Chef Jerome Powell in der vergangenen Woche allerdings nicht. Angesichts der desolaten Lage meinte er:

"Wir denken noch nicht einmal daran, über eine Zinserhöhung nachzudenken". 

Dies und die Anleihekäufe der Fed im Volumen von 120 Milliarden Dollar pro Monat lassen vor allem einen Schluss zu:

In Zeiten wie diesen sollte man auf eines auf keinen Fall verzichten: Gold.
Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Arbli | 17.06.2020, 00:32 Antworten

-Wir denken noch nicht einmal daran, über Zinserhöhungen nachzudenken-
Das ist das Problem! Die Zombies werden weiterhin künstlich am Leben erhalten, die Schaffer werden abgezockt. Leitzins auf 3% und wir wären die faulen Eier schnell los. und viele Probleme gleich mit. Naturgesetz: Der Leistungsstarke überlebt und der nicht überlebensfähige belastet nicht alle. Klingt hart, aber: In der EU haben wir ja einige Beispiele!
Dicke Eiskremtorten fressen und andere sollens zahlen. Wir sind keine Leistungsbezogene Gesellschaft mehr, auf Pump läufts doch bestens! Und die Plünderung unserer Sozialsysteme tut ein weiteres. Wir werden nur noch abgezockt und die EU ist der schlimmste Parasit, den man sich einfangen kann!

von Thomas Richter | 16.06.2020, 11:01 Antworten

Würde die Inflation so wie in den 50ern und 60ern berechnet werden, dann hätten wir jetzt eine Inflation von 4-5 %. Neue Rechenmethoden der Inflation machen es möglich. So haben wir eine Nahrungsmittelinflation von 4,5 % im Mai, doch es werden nur 0,45 % Nahrungsmittelinflation gerechnet. Eben weil die Nahrungsmittelinflation von einen Einkommen von über 3.000.- Euro nur eine Gewichtung von 10 % hat.

Die Miete hat übrigens nur eine Gewichtung von 20 %. Steigt die Miete um 10 % dann werden nur 2 % auf die Miete gerechnet.

Alles Schönrechnerei, so wie man es bei den Arbeitslosen macht.

von Commander C | 15.06.2020, 15:46 Antworten

Ich bin nicht sicher wie eine Teuerung des Ham-Burgers um 29%, bei niedriger Märchensteuer, und eine Mehrforderung der EU an D-Land von 42% (3-Stelliger Milliardenbereich), sowie erheblich steigende Grundsteuern, mit niedrigerer (sinkender??) Infla zusammen passen...
Bitcoinverbot ist ja hier und da auch schon probiert worden. Dann kommt Godlverbot, dann Vermögenssteuer, dann Zwangsarbeit. Ich hoffe ich irre mich - die Hoffnung stirbt zuletzt. Amen.

2 Antworten an Commander C anzeigen
von Gregor | 15.06.2020, 17:36 Antworten

Die Deflation wird sich eine gewisse Zeit noch verstärken, weil eine wiedererstarkte Produktion auf ein weiter verhaltenes Kaufverhalten trifft. Die Güter und Dienstleistungen müssen schließlich an die Frau/Mann gebracht werden. Erst danach wird sich das hemmungslose Geld drucken in einer Inflation - Hyperinflation - Währungsreform entladen. Damit ist der Euro Geschichte und Aktien auf 10% ihres heuten Wertes - höchstens. Wo dann Immobilien stehen werden wird spannend.

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