| GOLD | 4.342,12 $/oz | 3.756,60 €/oz | 120,78 €/g | 120.777 €/kg |
| SILBER | 63,57 $/oz | 54,99 €/oz | 1,77 €/g | 1.767,97 €/kg |
Noch sitzen die Bullen allerdings nicht wirklich fest im Sattel: Der Goldpreis bleibt anfällig für Rücksetzer zurück in die starke Unterstützungszone zwischen 3.940 und 4.040 US-Dollar. Doch auch wenn Gold aktuell „nur“ um 4.100 US-Dollar notiert und damit weit unter seinem Rekordhoch von Ende Januar, mehren sich die Zeichen für eine bevorstehende Erholung. Nicht nur die saisonale Komponente gibt langsam wieder grünes Licht. Auch der überverkaufte Wochenchart sowie die zunehmend ruhige Lage an den Edelmetall-Märkten lassen eine Gegenbewegung auf die Verluste der letzten fünfeinhalb Monate erwarten.
Hinter dieser Preis-Schwäche verbergen sich neben dem völlig gesunden Korrekturbedarf nach der steilen Rallye jedoch auch tiefgreifende Verschiebungen der Kapitalströme von West nach Ost. Trotz Abflüssen von 8,9 Mrd. US-Dollar bei den physisch besicherten Gold-ETFs im Juni – angeführt von Nordamerika mit im ersten Halbjahr 7,7 Mrd. US-Dollar, dem schwächsten Halbjahr seit 2013 – blieb die globale Bilanz dank asiatischer Rekord-Käufe von rund 12 Mrd. US-Dollar insgesamt positiv, wobei selbst Indien die Preisrückgänge als Kaufgelegenheit nutzte.
Noch deutlicher zeigt sich dieser Wandel bei den Zentralbanken, die sich als geduldigste Käuferschicht erweisen. Schon seit vier Jahren kaufen Zentralbanken im Schnitt rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr – etwa doppelt so viel wie im Jahrzehnt zuvor.
China liefert dafür das anschaulichste Beispiel: Allein bis Mai importierte das Land 692 Tonnen nicht-monetäres Gold, dazu kamen bis Ende Juni weitere 40 Tonnen monetäres Gold aus Dollarverkäufen von schätzungsweise 60 Mrd. US-Dollar sowie umfangreiche Silberkäufe. Diese Diversifizierung weg vom Dollar und hin zu Sachwerten wie Gold, Silber, Kupfer und landwirtschaftlichen Rohstoffen liest sich wie ein strategisches Absicherungsprogramm gegen die eigene Dollar-Abhängigkeit.
US-Staatsanleihen in Händen ausländischer Zentralbanken © Crescat Capital, Federal Reserve St. Louis, World Gold Council, Incrementum AG
Zuletzt kaufte die People's Bank of China 14,93 Tonnen Gold – der größte Monatszukauf seit 2023 und bereits die 20. Kaufserie in Folge. Dies reiht sich in den historischen Kurswechsel ein: Nach zwei Jahrzehnten als Nettoverkäufer sind Zentralbanken seit der Trendwende 2010 zu Nettokäufern von über 7.000 Tonnen geworden, während der Goldanteil an den globalen Währungsreserven wieder steigt und der Anteil ausländischer Zentralbanken an US-Staatsschulden sinkt. Machte der Dollar 2007 noch fast zwei Drittel der weltweiten Währungsreserven aus, liegt sein Anteil heute bei unter 58 Prozent – und bei nur noch rund 45 Prozent, sobald man Gold in die Rechnung miteinbezieht. Jene Institutionen, die Gold einst als „barbarisches Relikt“ abtaten, zählen heute zu seinen aggressivsten Käufern.
Der bemerkenswerteste Umbau findet jedoch abseits der Preistafel statt: China bereitet offenbar eine grundlegende Reform seines heimischen Edelmetallhandels vor, mit dem Ziel, den Papierhandel zugunsten einer rein physisch besicherten Preisbildung zurückzudrängen.
Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, würde sie das jahrzehntealte westliche Modell infrage stellen, in dem COMEX-Futures und ETFs einen Großteil der Preisfindung übernehmen, obwohl ihnen oft nur ein Bruchteil an physischem Metall gegenübersteht. Ob daraus tatsächlich ein abrupter Bruch zwischen Papier- und physischem Markt entsteht oder eher ein schleichender Bedeutungsgewinn Hongkongs als Handelsplatz, lässt sich seriös noch nicht abschließend beurteilen – zumal ähnliche Ankündigungen in der Vergangenheit oft graduell umgesetzt wurden.
Fest steht jedenfalls, dass die Zentralbank-Käufe zusammen mit der Nachfrage aus Asien, der Dollar-Diversifizierung sowie die strukturelle Silberknappheit gemeinsam ein Fundament bilden, das kurzfristige Zins- und Dollarschwankungen zwar überlagern, aber nicht dauerhaft aushebeln dürften.
Die zweite Jahreshälfte 2026 wird zeigen, ob sich diese langfristigen Kräfte gegen den aktuellen Gegenwind aus steigenden Zinserwartungen durchsetzen können.
Gold in US-Dollar, Tageschart vom 10. Juli 2026. © GOLD.DE
Seit dem Allzeithoch bei 5.602 US-Dollar Ende Januar 2026 hat der Goldpreis zwischenzeitlich 29,6 Prozent verloren. Zuletzt kamen die Bären auf der Unterseite jedoch nur noch zäh voran. Auf das Tief vom 30. Juni bei 3.942 US-Dollar folgte am Mittwoch ein höheres Tief bei 4.021 US-Dollar. Das spricht dafür, dass in der Zone zwischen 3.940 und 4.040 US-Dollar die Nachfrage zunimmt und die Käufer allmählich wieder die Oberhand gewinnen könnten.
Technisch betrachtet hat der Stochastik-Oszillator im Tageschart das neue Tief Ende Juni jedenfalls nicht mehr bestätigt. Diese Divergenzen deuten auf eine mögliche Trendwende hin. Hinzu kommt die ab Mitte Juli meist wieder zunehmend positive Saisonalität. Gold erreicht nach einem schwachen Frühjahr klassischerweise im Juni oder Juli sein Tief und geht anschließend häufig in eine Sommer-Rallye über, die je nach Dynamik bis in den September oder Oktober anhalten kann.
Prädestinierte Kursziele auf der Oberseite wären dabei zunächst die fallende 50-Tage-Linie (4.352 US-Dollar) sowie anschließend die zunehmend flach verlaufende 200-Tage-Linie (4.491 US-Dollar). Das obere Bollinger-Band bei 4.317 US-Dollar notiert etwas unterhalb dieser beiden viel beachteten Durchschnitte. Insgesamt sollte eine überfällige Gegenbewegung bzw. Erholung also zumindest die Zone zwischen 4.300 und 4.500 US-Dollar erreichen können.
In jedem Fall scheint der Abwärtstrend vorerst gestoppt, auch wenn kurzfristig immer noch Störfeuer auftreten können. Erst wenn sich die geopolitische Lage nachhaltiger beruhigt und die nächsten Daten zur Inflation verdaut sind, dürfte die Basis für einen tragfähigeren Aufwärtstrend mit den genannten Erholungszielen gelegt sein.
Unterm Strich spricht das jüngste Kursverhalten dafür, dass der Goldpreis auf dem aktuellen Niveau mehr und mehr einen Boden ausbildet. Zwar ist die Korrektur seit dem Rekordhoch Ende Januar noch intakt und vermutlich im größeren Bild auch noch nicht abgeschlossen, doch das höhere Tief bei 4.021 US-Dollar zeigt, dass die Verkäufer an Dynamik verlieren, während gleichzeitig die Goldnachfrage in der Zone um 4.000 US-Dollar spürbar zunimmt.
Gleichzeitig kommen mehrere Faktoren zusammen, die eine Gegenbewegung begünstigen dürften:
Sollte sich die geopolitische Lage entspannen und auch der nächste Inflationsimpuls verarbeitet sein, wäre der Weg frei für eine tragfähigere Erholung in Richtung der Zone zwischen 4.300 und 4.500 US-Dollar.
In jedem Fall bietet das aktuelle Niveau wieder ein vernünftiges Chancen-Risiko-Verhältnis für langfristige Investments in Edelmetalle.