Stand: 26.05.2015 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

In der vergangenen Woche vermochte das Markieren eines neuen Dreimonatshochs trotz des damit verbundenen Überwindens der 200-Tage-Linie keine chartinduzierten Käufe von Gold generieren. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Bank of America rät zur Vorsicht

An den Finanzmärkten ist es in den vergangenen Wochen erheblich turbulenter geworden. Unsicherheitsfaktoren gibt es zuhauf: Griechenland, Euro, Zinsen, Bargeldverbot - all diese Themen werden derzeit heftig diskutiert. Vor allem die Griechen bereiten Anlegern Sorgen. Ohne Hilfe aus der Eurozone, ist eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands wohl kaum noch zu verhindern. Allein im Juni muss das marode Land Schulden im Volumen von 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Was am 12. Mai noch mit Müh und Not gelang - nämlich die Tilgung von IWF-Schulden in Höhe von 750 Millionen Euro - dürfte zu einer schwierigen und höchstwahrscheinlich unlösbaren Herkulesaufgabe werden. Dann dürfte es an den Finanzmärkten richtig spannend werden.

Die Analysten der Bank of America machten in der vergangenen Woche durch eine nicht ganz alltägliche Empfehlung auf sich aufmerksam: Bargeldbestand hochfahren und Gold kaufen. Chef-Investmentstratege Michael Hartnett erwartet einen beängstigenden Sommer. Anleger sollten sich im Zuge der angestrebten Normalisierung der Zinspolitik auf mittelmäßige Renditen, volatile Bewegungen, Korrelations-Aussetzer sowie Flash-Crashs einstellen. Um sich gegen ein solches Szenario zu wappnen, rät die Bank of America zu einer erhöhten Bargeldquote und dem Kauf von Gold. Das Finanzinstitut hat dies im ersten Quartal bereits getan und sein Gold-Exposure via SPDR Gold Shares nach oben gefahren. Seit dem Jahresultimo hat die US-Bank die Anteile am weltgrößten Gold-ETF um 7,5 Prozent auf 3,209 Millionen erhöht und gilt damit als sechsgrößter Einzelinvestor. Auf Basis der aktuellen Marktdaten entspricht diese Position einem Wert von über 370 Millionen Dollar.

Goldpreis: Charttechnische Spannung steigt

Seit über drei Jahren kann man dem gelben Edelmetall einen intakten Abwärtstrendattestieren, wenngleich die Abwärtsdynamik in den vergangenen beiden Jahren signifikant nachgelassen hat. Mittlerweile sorgen zwei Umstände für ein hohes Maß an Spannung: Zum einen nähert sich Gold der oberen Begrenzung dieses Abwärtstrends. Wird diese nachhaltig überwunden, entstünde ein Trendwechselsignal nach oben. Zum anderen befindet sich der Goldpreis derzeit auf Tuchfühlung mit der mittelfristigen 100-Tage-Linie und der 200-Tage-Linie

Sollten diese ebenfalls überwunden werden, könnte chartinduziertes Kaufinteresse zu höheren Preisen und erhöhter Dynamik führen. Zuletzt machte der sichere Hafen eher durch seine relativ geringe und rückläufige Kursschwankungsintensität auf sich aufmerksam. 

Diese sogenannte Volatilität hat sich im Vergleich zu anderen Rohstoffen oder Edelmetallen weniger deutlich nach oben entwickelt - was unter dem Aspekt alternative Krisenwährung zweifellos als vorteilhaft gilt. So war zum Beispiel bei der historischen 100-Tage-Volatilität seit Oktober 2014 "lediglich" ein Zuwachs um 40 Prozent auf aktuell 16,2 Prozent registriert worden, während bei Silber ein Plus von 76 Prozent auf 31,2 Prozent und bei WTI-Rohöl sogar ein Anstieg um 300 Prozent auf 44,3 Prozent zu Buche schlug.

Goldkurs Goldchart 5 Jahre in US-Dollar

Gefahr droht unter charttechnischen Aspekten im Falle eines markanten Verletzens der Marke von 1.140 Dollar. In den vergangenen sechs Monaten drehte der Goldpreis hier - wie auch im Jahre 2009 - mehrfach wieder signifikant nach oben. Die aktuellen Unsicherheiten bezüglich Griechenland und der weiteren Entwicklung der Zinsen bzw. Rentenmärkte sollten bei der Krisenwährung Gold für fundamentalen Rückenwind sorgen.

Ausblick für die kommende Woche

In der kommenden Woche dürften die Akteure an den Goldmärkten trotz der Feiertage diesseits wie jenseits des Atlantiks mehrere Themenkomplexe genau im Auge behalten: die globalen Devisenmärkte, die europäischen Rentenmärkte und diverse US-Konjunkturindikatoren. In dieser Woche eilte die Europäische Zentralbank den stark verunsicherten Anleihe-Investoren einmal mehr zu Hilfe und verkündete, dass man vor der anstehenden Sommerflaute noch mehr Geld in die Hand nehmen möchte, um einen Teil der milliardenschweren Wertpapierkäufe vorzuziehen.

Dabei hat sie sich aber alles andere als mit "Ruhm bekleckert", schließlich erfuhren einige ausgewählte Banker und Hedgefondsmanager im Rahmen einer Konferenz diese Information exklusiv von EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré bereits am Abend vor der offiziellen Bekanntgabe.

Der zunächst unerklärliche Absturz des Euro dürfte einige wenige Marktakteure reicher gemacht und ziemlich viele "Unwissende" ärmer gemacht haben. Der von Amschel Meyer Rothschild (1744 - 1812) stammende Beschwichtigungsversuch "Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein anderer", dürfte die Geschädigten über die peinliche PR-Panne der EZB nicht wirklich hinwegtrösten.

Goldpreis: Wenig Grund zum Verkaufen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Neuhauser Richard | 01.06.2015, 12:01 Antworten

    Sehr gut,ich glaube Gold wird um 25%steigen.

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