| GOLD | 4.748,73 $/oz | 4.051,65 €/oz | 130,26 €/g | 130.264 €/kg |
| SILBER | 75,99 $/oz | 64,99 €/oz | 2,09 €/g | 2.089,48 €/kg |
Das Land ist einer der weltweit wichtigsten Märkte für physischen Edelmetallhandel – und ausgerechnet während der heftigen Gegenbewegung am Edelmetallmarkt ruhte wegen des chinesischen Neujahrsfestes der reguläre Börsenbetrieb. Die Shanghai Gold Exchange und die Shanghai Futures Exchange waren über mehrere Tage geschlossen, viele Großhändler, Raffinerien und Logistikdienstleister arbeiteten nur eingeschränkt.
Damit fehlte ohne Zweifel ein zentraler Liquiditäts- und Nachfragepol in Asien – und es kam schnell der Verdacht auf, dass der Edelmetall-Crash durchdie Abwesenheit und Untätigkeit der chinesischen Anleger verursacht war.
Umso stärker waren die Hoffnungen auf ein bullisches Szenario nach der Wiederaufnahme des Handels in China am 24. Februar – doch es passierte: Nichts. In Euro notiert Gold nur etwa ein Prozent über dem Niveau vom 23. Februar, in US-Dollar hat Gold sogar seit dem Comeback der chinesischen Anleger weiter an Wert eingebüßt. Handelt es sich also am Ende des Tages nur um eine urbane Legende, dass China den Goldmarkt dominiert?
Seit dem sprunghaften Anstieg der Goldpreise 2024 und 2025 hält sich das China-Narrativ hartnäckig: China kauft massenhaft Gold. Sowohl die Zentralbank als auch private Anleger sollen die Rallye angetrieben haben, die People’s Bank of China vor allem über verdeckte Goldkäufe über die Schweiz und die chinesische Mittelschicht über undurchsichtige Online-Handelsplattformen. Ein ähnliches Bild zeichnete sich 2025 und 2026 beim Silber ab, als der Preis des „weißen Metalls“ in die Höhe schoss.
Chinas Zentralbank, die People’s Bank of China (PBoC), hat in den letzten Jahren ihre Goldbestände stetig aufgestockt. Insbesondere seit Ende 2022 kauft sie regelmäßig Gold, allerdings „in Maßen“.
Im Jahr 2023 meldete die PBoC einen Zukauf von 225 Tonnen Gold, womit die Goldreserven bis Dezember 2023 auf 2.235 Tonnen stiegen. Das entsprach damals etwa 4,3 Prozent der chinesischen Währungsreserven. 2024 kamen weitere 44 Tonnen hinzu, trotz einer halbjährigen Kaufpause im Sommer. Ende 2024 hielt China offiziell 2.280 Tonnen Gold, rund 5 Prozent seiner Reserven. Zum Vergleich: In Ländern wie den USA, Deutschland oder Russland machen Goldbestände einen deutlich größeren Anteil der Reserven aus. Parallel dazu reduziert China seine Bestände an US-Staatsanleihen, was als Teil einer Entdollarisierungsstrategie gesehen wird. Gold spielt dabei eine strategische Rolle als Alternative zum Dollar, ersetzt diesen aber nicht vollständig. Der Goldanteil an den Reserven Chinas bleibt moderat.
Trotzdem signalisiert der Kaufrausch der PBoC einen klaren Trend.
Zentralbanken weltweit haben in den Jahren 2022 bis 2024 jeweils über 1.000 Tonnen Gold pro Jahr gekauft – ein historischer Rekordtrend. 2024 trugen Käufe beispielsweise aus Polen, Indien und der Türkei erheblich dazu bei, während Chinas Beitrag mit 44 Tonnen eher moderat ausfiel. Im Jahr 2025 verlangsamte sich die Zentralbank-Nachfrage etwas (rund 863 Tonnen, minus 21 Prozent gegenüber 2024), wobei China seine Käufe in kleinerem Umfang fortsetzte. Die PBoC erhöhte 2025 ihre Bestände zwar weiter (eine 14-monatige Kaufserie bis Ende 2025), aber mit lediglich circa 42 Tonnen seit November 2024. Die Wirkung dieser offiziellen Käufe auf den Weltmarkt ist psychologisch nicht zu unterschätzen: Laut World Gold Council beflügeln Meldungen über die chinesischen Goldzukäufe die Stimmung unter chinesischen Investoren.
Gold hat in der chinesischen Bevölkerung traditionell einen hohen Stellenwert, sei es als Schmuck, Anlage oder Statussymbol. Nachdem die COVID-Beschränkungen endeten, erlebte Chinas Goldmarkt seit 2023 einen Aufschwung. Die Nachfrage nach Goldschmuck und -barren stieg deutlich an, was sich in höheren Auslieferungen an der Shanghai Gold Exchange zeigte (2023 wurden 1.687 Tonnen Gold abgezogen, plus 7 Prozent im Vergleich zu 2022). Gründe waren unter anderem Chinas wirtschaftliche Erholung, die mediale Berichterstattung über den steigenden Goldpreis und der Wunsch vieler Haushalte, ihr Vermögen in unsicheren Zeiten zu schützen.
Allerdings reagiert die chinesische Nachfrage sensibel auf Preisentwicklungen. Goldschmuck wurde zuletzt für viele Chinesen unerschwinglich. Die Schmucknachfrage brach 2025 in China um 24 Prozent ein und fiel auf den niedrigsten Stand seit 2009.
Bereits 2024 war Chinas Goldkonsum mengenmäßig um etwa 10 Prozent geringer als im Vorjahr, trotz Wirtschaftswachstum und traditionell hoher Nachfrage zum Neujahrsfest. Viele Juweliere bemerkten eine deutliche Zurückhaltung bei Käufern und passten ihre Lagerbestände an. Statt schwerer Ketten waren leichtere, günstigere Schmuckstücke gefragt, um die gestiegenen Preise abzumildern.
Die private Goldnachfrage in China ist ohne Zweifel ein stabilisierender Faktor, der in Krisenzeiten zunimmt. Doch der Preisanstieg 2024 und 2025 zeigte auch: Überhöhte Preise dämpfen die Kauflaune in China, die Vorstellung eines unaufhaltsamen chinesischen Goldbooms ist also übertrieben.
Silberbarren und Schmuckstücke waren Ende 2025 in China stark gefragt. In chinesischen Edelmetall-Handelszentren, etwa dem Shuibei-Markt in Shenzhen, bildeten sich lange Schlangen von Käufern, die sich noch Silberbarren oder -schmuck sichern wollten, als die Preise immer höher schossen. Diese Euphorie der Privatanleger spielte laut Analysten eine „entscheidende Rolle“ bei der letzten Rallye. Viele Investoren stiegen aus Angst, etwas zu verpassen, in den laufenden Preisanstieg ein.
In China kommt der Nachfrageschub bei Silber jedoch in erster Linie aus einer anderen Richtung: China dominiert die industrielle Silbernachfrage, vor allem durch die Solarenergie-Branche. Rund 80 Prozent der weltweiten Solarmodul-Fertigung findet in China statt, und Silber ist ein wichtiger Bestandteil von Solarzellen. Chinas rasanter Ausbau erneuerbarer Energien (allein 2025 wurden Solaranlagen mit über 200 Gigawatt Kapazität installiert) ließ die Nachfrage nach Silber für Photovoltaik stark ansteigen.
Allerdings hat der extreme Preisanstieg des Silbers die Hersteller unter Druck gesetzt: Silber machte Ende 2025 bereits 10 bis 15 Prozent der Solarmodulkosten aus, verglichen mit nur 5 Prozent zwei Jahre zuvor. Die Branche reagiert nun mit Innovation und Substitution. Große chinesische Produzenten entwickeln neue zinn- oder kupferbasierte Zelltechnologien, um weniger Silber zu verbrauchen. Erste silberfreie Module kommen bereits in Produktion. Trotz Rekordzubau sank der Silberbedarf der Solarbranche im Jahr 2025 um circa fünf Prozent, da pro Panel weniger Silber eingesetzt wurde.
Die Edelmetallmärkte der letzten Jahre können nicht losgelöst vom geopolitischen Umfeld betrachtet werden. Zum einen verfolgt Peking, wie erwähnt, eine schrittweise Diversifizierung weg vom US-Dollar, motiviert durch Sorge vor Sanktionen und Währungskonflikten. Chinas Goldkäufe können vor diesem Hintergrund als Absicherungsstrategie gesehen werden, um im Falle steigender Spannungen nicht zu stark vom Dollar abhängig zu sein.
Andererseits führte die globale Unsicherheit – von Handelskriegen bis hin zu militärischen Konflikten – zu einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis bei Anlegern weltweit. So spielten beispielsweise die Auseinandersetzungen um Handelszölle zwischen den USA und China und Sorgen über Chinas Wirtschaftslage eine Rolle bei der Gold-Rallye Anfang 2025. Ebenso trugen Spekulationen über eine nachlassende Dominanz des US-Dollars (Stichwort BRICS-Währungsinitiative) dazu bei, Gold als “ultimative Währung“ ins Gespräch zu bringen.
Wie wichtig ist China nun wirklich für den aktuellen Edelmetall-Boom?
Kurzum: China ist ein wesentlicher Spieler im Edelmetallmarkt und oft ein Trendsetter im physischen Handel. Doch der jüngste Preisboom war breiter getrieben – und den „Goldrausch“ der Jahre 2024 bis 2026 muss man als globales Phänomen verstehen. Die treibenden Kräfte reichen von New Yorker Investmentfonds über Warschauer und Istanbuler Zentralbank-Tresore bis hin zur alljährlichen indischen Hochzeitshausse und deutschen Sparern.
Chinas Einfluss ist zwar groß, aber nicht allmächtig. Für Anleger und Beobachter bedeutet das: Sie sollten weder jede Preisbewegung blind China zuschreiben noch dessen Bedeutung unterschätzen. Der chinesische Drache sorgt im Edelmetallmarkt zwar für Rückenwind, ist aber nicht der einzige Wind, der das Schiff antreibt.
Der Autor ist Initiator des ZukunftsForums Edelmetalle. Das Top-Event in der DACH-Region für Investoren, Handel, Banken und Industrie rund um Gold, Silber sowie die Platinmetalle findet am 23. und 24. März 2026 in Frankfurt statt.
Weitere Informationen finden Sie unter zukunftsforum-edelmetalle.de
Warum fällt der Goldpreis obwohl im Iran Krieg herscht? Das müffelt meine lieben! Ich beobachte den Goldpreis seit ca. 20 Jahre und ich habe noch nie erlebt das der Goldpreis fällt wenn große Kriege im gange sind.