Stand: 18.01.2018 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Wenn es nach der Einschätzung vieler Investoren geht, besteht kaum eine Gefahr, dass die Inflation je wieder zurückkehren könnte. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Goldpreis seit Mitte Dezember deutlich auf dem Weg nach oben ist.

Nach der Vorlage des Konjunkturberichts "Beige Book" der US-Notenbank hat der Goldpreis einen minimalen Teil der Gewinne der vergangenen Wochen abgegeben. Dabei hat die US-Notenbank geschrieben, dass die Arbeitslosenquote mit 4,1 Prozent sehr niedrig sei und dass viele US-Unternehmen zusehends Schwierigkeiten hätten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.

Damit steigt die Gefahr, dass die Firmen höhere Löhne zahlen müssen, was die Inflation anheizen könnte. Nach der Einschätzung vieler Investoren deuten die Aussagen der Fed daher darauf hin, dass sie an ihrem Zinserhöhungskurs festhalten werde, was den Goldpreis kurzfristig belastet hat.

Leicht sinkende Inflationsraten

Was das Thema Inflation angeht, sind viele Investoren bislang allerdings sehr entspannt. So war sie im Dezember in den USA auf 2,1 Prozent zurückgegangen. Der Konsens der Volkswirte sagt vorher, dass die Inflation in den nächsten Monaten allmählich weiter sinken könnte, von 2,0 Prozent für Januar auf 1,9 Prozent im März. In der Euro-Zone ist die Inflation auch kein Thema, so waren die Verbraucherpreise im Dezember um lediglich 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, nach 1,5 Prozent für November – und das obwohl die Wirtschaft in der Euro-Zone deutlich besser läuft, als viele Experten lange erwartet hatten. So haben Volkswirte ihre Schätzungen für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2018 seit Juli 2017 von 1,6 Prozent auf aktuell 2,2 Prozent nach oben geschraubt. In Deutschland war die Inflation trotz der florierenden Wirtschaft zuletzt auf 1,7 Prozent zurückgegangen.

Steigender Ölpreis und sinkender Dollar heizen US-Inflation an

Möglicherweise könnte sich die Inflation aber deutlicher zurückmelden, als viele Investoren derzeit erwarten. So ist der Preis für die US-Ölsorte WTI auf 64 Dollar je Barrel nach oben geschossen und notiert damit auf dem höchsten Niveau seit Dezember 2014. Damit ist der Preis gegenüber dem Tief vom Juni 2017 um mehr als 50 Prozent geklettert, was die Inflation deutlich anheizt. Wenn die Weltwirtschaft weiter gut laufen sollte, während der Dollar auf Talfahrt bleiben könnte, könnte das dafür sorgen, dass der Ölpreis den Aufwärtstrend fortsetzt, was für zusätzlichen Aufwärtsdruck bei der Inflation sorgen würde. Zuletzt war der Dollar Index, der die Entwicklung des Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen, wie Euro, Yen, Schweizer Franken und britisches Pfund abbildet, auf das Niveau von Dezember 2014 abgeschmiert.

Ich gehe davon aus, dass die Talfahrt des Dollar klar anhalten wird. Bei einem weiter steigenden Ölpreis und einem sinkenden Dollar würde die US-Inflation von zwei Seiten angeheizt werden und damit möglicherweise stärker, als derzeit viele Investoren erwarten.

Steigender Euro dämpft die Inflation in der Euro-Zone

In der Euro-Zone sieht die Lage hingegen ganz anders aus. Zwar ist der Preis für die Nordseesorte Brent auf 70 Dollar geklettert, womit sie auf dem höchsten Niveau seit Dezember 2014 liegt. Das heizt die Inflation klar an, allerdings nicht so stark wie in den USA, weil in Deutschland, die Steuern, wie Mehrwertsteuer, Ökosteuer und Energiesteuer insgesamt 64 Prozent des Benzinpreises ausmachen. Allerdings steigt der Euro kräftig, was die Inflation dämpft. Denn bei einem steigenden Euro werden Produkte aus der Euro-Zone im Ausland teurer, während ausländische Produkte in der Euro-Zone billiger werden.

Vor dem Hintergrund ist der steigende Euro zwar eine gute Nachricht für Verbraucher. Für Gold-Fans ist er allerdings eine schlechte Nachricht, weil er einen wichtigen Teil des Kursanstiegs von Gold auf Dollar-Basis aufzehrt. Obwohl der Goldpreis gegenüber dem Mehr-Jahres-Tief vom Dezember 2015 auf Dollar-Basis um 26,3 Prozent geklettert ist, steht auf Euro-Basis ein Kursplus von lediglich 12,4 Prozent zu Buche. Entsprechend enttäuscht sind viele Gold-Besitzer. Ich bin sehr gespannt, wie sich der Ölpreis, der Dollar, der Euro und die Inflation diesseits und jenseits des Atlantiks in den nächsten Monaten entwickeln werden. All das dürfte deutlichen Einfluss auf die Performance des Goldpreises haben.

Goldpreis: Wittern Investoren eine heraufziehende Inflation?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an info@gold.de widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [2]
  • von MW | 20.01.2018, 16:02 Antworten

    Es ist natürlich schön, wenn man von einem steigenden Goldpreis schreiben kann. Aber ich würde eher sagen:
    Global gesehen bleibt der Preis / Wert des Goldes derzeit stabil, schwankt nur etwas je nach Tages-/Wochentendenzen.
    Was wirklich stattfindet, ist ein (inzwischen schon recht deutlicher) Wertverfall des US-Dollars - nicht nur gegen den Euro (und Gold), sondern auch gegen die meisten anderen relevanten Währungen.
    Da zumindest für europäische Anleger die Notierung in USD eher irrelevant ist, sondern der Wert in EUR zählt, würde ich von einem stabilen Goldpreis sprechen.
    Das mag für Besitzer von auf den USD-Preis abgestellten Gold-Derivaten noch etwas anders aussehen, aber auch da ist es dann der Währungseffekt, der ggf. den Gewinn bringt.
    Wir werden ja sehen, was passiert, wenn der USD sich gegenüber dem EUR (und den anderen Währungen) wieder erholen sollte. Unvorhergesehene besondere Ereignisse (Krieg etc.) mal außen vor, würde ich behaupten, dass dann der in USD nominierte Goldpreis wieder sinken würde - dieser aber zum EUR weiter stabil bliebe.
    Allerdings sehe ich derzeit keine große Chance auf eine Erholung des USD - zumindest nicht vor den Wahlen im Herbst bzw der nächsten "großen" Wahl in 3 Jahren ...

  • von Fritzthecat | 18.01.2018, 16:45 Antworten

    Es sind nicht unbedingt die Inflationssorgen, die den Goldpreis treibt. Es fehlt an Anlagealternativen, denn Aktien gelten inzwischen als teuer, mit Kryptowährungen dürfte der Eine oder Andere auch schon auf die Nase gefallen sein. Immobilien sind schon längst kein Schnäppchen mehr. Interressant scheint auch noch die letztjährige Option über 1,5 Mio. Unzen Gold, die Ende des Jahres ausläuft.

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany