Stand: 08.08.2017 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Beim physischen Goldhandel gab es im zweiten Quartal einen Rückgang der Nachfrage im zweistelligen Prozentbereich zu beklagen. Dies meldete am vergangenen Donnerstag der World Gold Council, die Interessenvertretung internationaler Goldminenunternehmen.

Angebot und Nachfrage auf Talfahrt

Für die Monate April bis Juni meldete der World Gold Council einen Rückgang der Goldnachfrage gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode um zehn Prozent auf 953,4 Tonnen. Für das erste Halbjahr belief sich das Minus mit 2.003,8 Tonnen sogar auf 14 Prozent. Auf der Angebotsseite dominierten ebenfalls rote Vorzeichen.

So ermäßigte sich das Gesamtangebot von 1.160,3 auf 1.065,9 Tonnen (-8,0 Prozent), was in erster Linie auf die Sekundärproduktion zurückzuführen war. Der Recyclingsektor  erlitt nämlich einen kräftigen Rückgang von 342,5 auf 279,7 Tonnen (-18,3 Prozent), während der Minensektor lediglich ein marginales Minus von 793,8 auf 791,2 Tonnen (-0,3 Prozent) verbuchte.

Goldnachfrage im zweiten Quartal 2017

Globales Angebot Q2 2016 (Tonnen) Q2 2017 (Tonnen) in Prozent
Minenangebot 793,8 791,2 -0,3 %
Hedging (Preissicherung) 24,0 -5,0 -
Recycling 342,5 279,7 -18,3 %
insgesamt: 1160,3 1065,9 -8,1 %
globale Nachfrage:
Schmuckbranche 446,8 480,8 7,6 %
Technologie 80,1 81,3 1,5 %
Notenbanken 78,4 94,5 20,5 %
Investment 450,3 296,9 -34,1 %
davon:
Barren & Münzen 212,9 240,8 13,1%
ETFs und ähnliche Produkte 237,4 56,0 -76,4%
Quelle: World Gold Council

Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Goldnachfrage machte der Branchenverband auf fünf Besonderheiten aufmerksam:

Erstens: Die Kapitalzuflüsse im Gold ETF-Sektor haben sich dramatisch verlangsamt. Nachdem in Q2 2016 noch rekordhohe Zuflüsse in Höhe von 237,4 Tonnen erzielt wurden, schrumpfte dieser Wert auf lediglich 56,0 Tonnen ab, was einem prozentualen Einbruch von 76 Prozent entsprach.

Besonders interessant: Im abgelaufenen Quartal gingen 76 Prozent sämtlicher Kapitalzuflüsse auf das Konto europäischer ETF´s.

Zweitens: Stark gefragt waren vor allem Goldbarren und Goldmünzen, wo auf Jahressicht ein Zuwachs von 212,9 auf 240,8 Tonnen (+13,1 Prozent) registriert worden war. Diese positive Entwicklung war vor allem Ländern wie Indien (+26,0 Prozent) und China (+55,7 Prozent) zu verdanken. Ungewöhnlich schwach fiel hingegen die Nachfrage in den USA aus, wo mit 10,2 Tonnen der niedrigste Wert seit Q3 2013 gemeldet wurde.

Drittens: Hinsichtlich der weltweiten Schmucknachfrage war zwar ein Plus von 446,8 auf 480,8 Tonnen (+7,6 Prozent) zu beobachten, angesichts des extrem schwachen Vorjahresquartals sollte dies aber nicht überbewertet werden.

Einen echten Nachfrageboom verzeichnete jedoch Indien, wo ein Anstieg von 89,8 auf 126,7 Tonnen (+41,1 Prozent) zu verzeichnen war. Überdurchschnittliches Wachstum war mit plus 20 Prozent auch in der Türkei registriert worden.

World Gold Council meldet Nachfrageschwäche

Viertens: Ein verstärkter Goldappetit war in Q2 2017 auch unter den Notenbanken zu beobachten. Diese haben ihre Nettokäufe von 78,4 auf 94,5 Tonnen (+20,5 Prozent) nach oben geschraubt. Damit lag man dennoch deutlich unter dem bei 135,2 Tonnen angesiedelten Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre.

Besonders erwähnt wurden vom World Gold Council die türkische und die russische Zentralbank. Die Türken kauften 21 Tonnen und die Russen 35,7 Tonnen. In Kasachstan stockt die Notenbank seit 57 Monaten ununterbrochen ihre Goldbestände auf - im vergangenen Quartal waren es immerhin 11,3 Tonnen.

Fünftens: Relativ bescheidene Zuwächse gab es im Bereich industrieller Anwendungen zu vermelden. Dort kletterte die Nachfrage von 80,1 auf 81,3 Tonnen (+1,5 Prozent), wobei der Elektroniksektor - dem mit großem Abstand wichtigsten Industriebereich - dank Smartphones und LEDs etwas stärker zugelegt hat. Hier nahm die Nachfrage von 63,0 auf 64,3 Tonnen (+2,1 Prozent) zu.

Ausblick für die laufende Woche

Das Thema Inflation bewegt die die Gemüter an den Goldmärkten derzeit kaum. Kein Wunder, erwies sich der im April zu beobachtende Anstieg in Richtung zwei Prozent offensichtlich als Strohfeuer. In der kommenden Woche steht eine regelrechte Flut an Inflationsdaten zur Bekanntgabe an.

Aktuelle Daten zur Geldentwertung gibt es aus der Schweiz (Montag 07.08.2017), China (Mittwoch 16.08.2017) sowie Deutschland, Frankreich, Italien und den USA (Freitag 18.08.2017).

Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die jährliche Teuerungsrate (Juli) in den USA auf 1,7 Prozent belaufen.  

Sollte sie niedriger als erwartet ausfallen, darf man auf die Reaktionen an den Goldmärkten gespannt sein. Eine nachlassende Inflationserwartung gilt normalerweise zwar nicht gerade als Kaufgrund für Gold, könnte aber aufgrund der damit einhergehenden nachlassenden Zinssorgen dem Krisenschutz in höhere Preisregionen verhelfen.

Goldnachfrage: World Gold Council meldet Nachfrageschwäche
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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