Stand: 24.04.2015  4 Kommentare

Deutschland verfügt - hinter den USA - über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Im internationalen Vergleich liegt China dagegen abgeschlagen an siebter Stelle. Doch stimmt das auch?

Offiziellen Angaben zufolge betragen die Goldreserven von Deutschland 3.384,2 Tonnen. Damit verfügt Deutschland über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Nur die USA haben mehr. Dort sind es dem Wolrd Gold Council zufolge 8.133,5 Tonnen Gold, die zu den Währungsreserven des Landes gezählt werden.

Den Statistiken zufolge kommt China dagegen nur auf 1.054,1 Tonnen Gold, das es zu seinen Währungsreserven zählen kann. Das verweist das Reich der Mitte im internationalen Vergleich auf den siebten Platz, hinter Russland und nur knapp vor der Schweiz.

Doch stimmen diese Zahlen überhaupt?

Goldreserven nur ein Bruchteil der Währungsreserven von China

Den Statistiken des World Gold Council (WGC) zufolge, die diesen April aktualisiert worden sind und von der Webseite des WGC  heruntergeladen werden können (Registrierung erforderlich), machen die Goldreserven der USA 73,6 Prozent der gesamten Währungsreserven der USA aus. Für Deutschland beträgt derselbe Wert 67,9 Prozent. Die Goldreserven von China dagegen schaffen es lediglich auf 1,1 Prozent der gesamten Währungsreserven des Landes.

Einerseits ist dies nicht verwunderlich, denn China verfügt über die weltweit größten Devisenreserven. Sie werden auf insgesamt zwischen 3,7 und 3,8 Billionen Dollar geschätzt, das meiste davon in US-Dollar. Selbst ein Prozent davon wäre eine stolze Summe.

Statistiken über Goldreserven von China veraltet  

Doch Beobachter glauben inzwischen, dass die Statistiken bezüglich den Goldreserven von China ohne den Wirt erstellt wurden. Denn was die Gold- und Devisenreserven von China anbelangt, hält sich das Reich der Mitte traditonell bedeckt. Offizielle Stellungnahmen dazu sind - wenn es sie überhaupt gibt - selten.

Das letzte Mal, als die Chinesische Volksbank (People's Bank of China) offizielle Zahlen über ihre Goldreserven an den Internationalen Währungsfonds (IWF) übermittelt hat, war im April des Jahres 2009, also vor genau sechs Jahren. Der WGC wiederum beruft sich bei der Erstellung seiner Statistiken auf die Zahlen des IWF, also den Zahlen aus 2009.

Doch sechs Jahre können eine lange Zeit sein, vor allem wenn man, wie eben China, nicht nur der größte Goldproduzent der Welt, sondern auch der zweitgrößte Goldimporteur der Welt ist. Und dieses Gold muss irgendwohin. Doch all das Gold, das China produziert oder importiert, wird nicht gänzlich und allein in den Schmuckschatullen der Gold-vernarrten Chinesen landen.

China könnte Deutschland in Goldreserven bereits überholt haben.

Ein großer Teil davon dürfte in den vergangenen sechs Jahren seinen Weg in Form von Barren in die Katakomben der Chinesischen Volksbank in Peking gefunden haben. Laut den jüngsten Berechnungen von Bloomberg Intelligence, welche Daten aus dem chinesischen Goldhandel, der Goldproduktion sowie der China Gold Association ausgewertet haben, könnten sich die Goldreserven von China in den Jahren seit 2009 mehr als verdreifacht haben.

Den jüngsten Schätzungen zufolge lagern derzeit 3.510 Tonnen Gold in den Tresorräumen der Chinesischen Volksbank. Das wären rund 125 Tonnen mehr Gold, als Deutschland an Goldreserven aufzuweisen hat. Somit könnte China, was seine Goldreserven angeht, Deutschland bereits überholt und im internationalen Vergleich auf den dritten Platz verwiesen haben.

Goldreserven von China sollen Yuan als Reservewährung etablieren

China ist nach den USA bereits die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wenn es jetzt auch noch über die zweitgrößten Goldreserven der Welt verfügt, wird das der Internationalisierung der chinesischen Landeswährung Yuan dienlich sein.  

Denn China drängt bereits mit Nachdruck darauf, dass der Yuan in den Währungskorb der Sonderziehungsrechte des IWF (SZR) aufgenommen wird. Ein solcher Schritt würde den Yuan als globale Reservewährung neben dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen etablieren. Eine ordentliche Goldreserve in der Bilanz der Chinesischen Volksbank wäre diesem Ziel äußerst zuträglich. Der Analyst Burt Melek von TD Securities sagte dazu:

"Wenn man sich als eine Reservewährung etablieren will, dann tut man gut daran, auch andere Vermögenswerte in der Bilanz auszuweisen als lediglich andere Papierwährungen."

Offizielle Stellungnahme zu Goldreserven erwartet

Beobachter gehen deshalb davon aus, dass China in naher Zukunft seine Geheimniskrämerei beenden wird und eine offizielle Stellungnahme zu seinen Goldreserven abgeben wird. Denn Ende dieses Jahres wird der IWF erneut den Korb von Währungen überprüfen, die von den 187 Mitgliedsstaaten des SZR Systems als globale Reservewährung gehalten werden können.

Doch eine solche Überprüfung durch den IWF findet nur alle fünf Jahre statt. Klappt es demnach mit der Aufnahme des Yuan in diesem Jahr nicht, könnte der Yuan frühestens im Jahr 2020 zu einer globalen Reservewährung werden.

Das dürfte selbst den geduldigen Chinesen zu lange dauern, weshalb man schon bald mehr über den wahren Umfang der chinesischen Goldreserven wissen dürfte.  

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Kommentare [4]
  • von tester | 13.05.2015, 10:49 Antworten

    steht auch glaube ich seit wenigen Jahren so in der Bilanz - Gold und goldgleiche Werte (eben genau solche Zettel). Tja - unsere Frau Merkelt halt leider nicht, daß die Amis mit ihr ihr Spiel treiben.

    Ja - verstehe ich auch nicht, daß sie wie die Franzosen unser Gold nicht einfach abholen läßt. Wenn die Amis das Gold ohne uns zu fragen schon verkauft haben, müssen die sich halt überlegen, wie sie die Scharte auswetzen. Könnten uns dann doch die NSA überlassen - dann können unsere BNDler dort einziehen ...
    Und mit TTIP/CETA wird das Ganze noch 100x schlimmer :-((

    Wünsche allseits morgen schönen Vatertag

  • von Das Wiesel | 27.04.2015, 17:21 Antworten

    Wieviel deutsches Gold tatsächlich noch in den Kammern der FED liegt, steht in den Sternen oder wissen nur die Götter...es bleibt zu befürchten, daß wir Deutschen nur noch den theoretischen Anspruch auf das Gold haben, weil es faktisch von den Amis verscherbelt wurde.
    Unsere französischen Nachbarn haben es seinerzeit richtig gemacht: Mit einem Schiff hinfahren, alles Gold einladen und nach Hause bringen.
    Aber dafür fehlt unserer Regierung jeglicher Schneid. Sich im vorauseilenden Gehorsam den Amis unterworfen, darf man eine solche Tat leider nicht von unserer politisch herrschenden Kaste erwarten.

  • von derLeo | 26.04.2015, 20:12 Antworten

    Da ist ein Fehler. Deutschland hat nicht 3.384,2 Tonnen Gold sondern nur ein Zettel wo drauf steht das Sie 3.384,2 Tonnen Gold haben.

  • von GERHARD | 24.04.2015, 19:09 Antworten

    Vielleicht dauert es noch ein paar Jahre aber dann ist China an der Spitze vor den USA.

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