Stand: 20.02.2016  0 Kommentare

Dem World Gold Council zufolge war der Trend im vergangenen Jahr eindeutig: Zentralbanken rund um den Globus haben kräftig Gold nachgekauft. Nicht so allerdings in Kanada. Dort hat man jetzt nahezu den Rest der noch verbleibenden Goldreserven verkauft.

Es war einmal, da verfügte das flachenmäßig zweitgrößte Land der Erde über mehr als 1.000 Tonnen an Goldreserven. Das war in den 1960ern, als es noch den Goldstandard gab. Doch der wurde ja bekanntlich 1971 durch den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon aufgegeben. Danach begann in der Hauptstadt Ottawa der große Ausverkauf vom kanadischen Staatsgold. 15 Jahre später, Mitte der 1980er, war der Goldbestand bereits auf rund die Hälfte zusammengeschmolzen. Und man verkaufte munter weiter, und zwar ohne jemals auf den Goldpreis zu achten, wie jüngst aus dem kanadischen Finanzministerium verlautete. Mittlerweile hat die Zentralbank von Kanada seine Goldreserven nahezu komplett verkauft. Ein paar hundert Kilogramm sind jetzt zwar noch übrig. Doch auch die werden in Kürze an den Mann gebracht, wenn es nach dem Willen des kanadischen Finanzministers geht.

Goldreserven von Kanada haben Wert von 1,60 Dollar pro Kopf

Auch im vergangenen Dezember und Januar wurden die Goldreserven weiter aufgelöst. Einer offiziellen Mitteilung (siehe Anmerkung Nr. 1) des kanadischen Finanzministeriums zum Stand der internationalen Reserven des Landes vom 6. Januar 2016 zufolge hat die kanadische Regierung im vergangenen Dezember insgesamt 41.106 Unzen (oder 1.278,57 kg oder gerundet 1,28 Tonnen) Gold aus den staatlichen Beständen verkauft. Den Angaben zufolge beliefen sich die verbleibenden Goldreserven des Landes am 31. Dezember 2015 somit auf 54.788 Unzen (oder 1.704,14 kg oder gerundet 1,7 Tonnen). Deren Wert wurde laut Mitteilung auf Basis des Londoner Goldpreises vom 31. Dezember, also 1.060 Dollar pro Unze, festgesetzt und betrug demnach 58.075.280 US-Dollar. Nicht gerade viel für ein Land mit fast 36 Millionen Einwohnern, denn pro Kopf macht das lediglich rund 1,60 Dollar. Zum Vergleich: Basierend auf demselben Goldpreis waren die Goldreserven von Deutschland am 31. Dezember gute 115 Milliarden US-Dollar wert, oder rund 1.440 Dollar pro Nase - und damit fast tausendmal so viel wie der "Goldwert" eines Kanadiers.

682 kg Gold hat Kanada noch

Doch Gold im Wert von 1,60 Dollar pro Kopf sind dem kanadischen Finanzminister Bill Mourneau, unter dessen Namen die staatlichen Goldreserven offiziell geführt werden, offenbar immer noch zu viel. Einer weiteren offiziellen Mitteilung (siehe Anmerkung Nr.1) des Ministeriums vom 3. Februar gingen die Goldverkäufe auch im Januar weiter, als mit 32.860 Unzen (oder 1.022,08 kg oder grob gerundet 1 Tonne) noch einmal mehr als die Hälfte der verbliebenen Goldreserven zu einem Preis von 1.111,80 Dollar pro Unze (Londoner Goldpreis vom 29. Januar) veräußert wurden. Zurück blieben Goldreserven mit einem Umfang von 21.929 Unzen (oder 682,08 kg oder gerundet 0,68 Tonnen), deren Wert entsprechend 24.380.662 US-Dollar betrug. Der "Goldwert" eines Kanadiers war damit Ende Januar auf rund 68 Cents gefallen. Der Gegenwert der deutschen Goldreserven stieg derweil auf knapp 121 Milliarden US-Dollar, womit der "Goldwert" eines Deutschen zum 29. Januar auf rund 1.510 Dollar angestiegen war - gut zweitausend mal so viel wie in Kanada.

Verkauf von Goldreserven "ein normaler Geschäftsvorgang der Regierung"

Das alles bedeutet natürlich keineswegs, dass Kanada die Reserven ausgehen. Im Gegenteil: Die internationalen Reserven des Landes in Form von Devisen und Staatsanleihen etwa sind den Angaben zufolge in den vergangenen 12 Monaten um fast 10 Prozent gewachsen. In den vergangenen zehn Jahren haben sie sich sogar nahezu verdreifacht. Von Notverkäufen der kanadischen Goldreserven kann also keine Rede sein. Vielmehr dürfte es sich um eine Frage des Geschmacks handeln, nicht jedem muss Gold schließlich gefallen. Und nun scheint es zumindest, dass der kanadische Finanzminister  genauso wenig von Goldreserven hält wie seine Vorgänger seit 1971. Denn für den Minister seien regelmäßige Goldverkäufe "ein normaler Geschäftsvorgang der Regierung", wie ein Sprecher des Finanzministeriums auf Anfrage des kanadischen Nachrichtenportals Global News am Donnerstag (11.02.16) bescheinigte. Verkauft werde unabhängig von einem bestimmten Goldpreis, wie es seitens des Sprechers weiter hieß. Wörtlich sagte er gegenüber der Online-Zeitung:

"Die Entscheidung, das Gold zu verkaufen, war nicht an einen bestimmten Goldpreis gebunden, und die Verkäufe wurden über einen langen Zeitraum und in kontrollierter Weise durchgeführt."

Kein glückliches Händchen bei Goldverkäufen

Auch der kanadische Ökonom Ian Lee zollte den Goldverkäufen der kanadischen Regierung bei. Er sehe außer traditionellen Gründen keine wirkliche Notwendigkeit, an den Goldreserven länger festzuhalten, sagte Lee laut Global News. Die Entscheidung der Regierung sei "vernünftig und klug" gewesen, ist sich der Ökonom sicher. Doch wer sich unterdessen die Mühe macht und die Statistiken der kanadischen Goldverkäufe genauer ansieht, stellt fest, dass die kanadische Regierung bei nahezu keinem ihrer Verkäufe ein glückliches Händchen bewiesen hat. Mehr als ein Drittel der verbliebenen Goldreserven wurde letzten Dezember verkauft, zu einer Zeit, als sich der Goldpreis auf einem Fünfjahrestief befand. Auch die Verkäufe im Januar wurden getätigt, bevor nur wenige Tage später eine Kursrallye den Goldpreis auf ein Einjahreshoch beförderte. Für beide Fälle gab es keine denkbar ungünstigeren Zeitpunkte. Dasselbe gilt zudem für die massenhaften Goldverkäufe bis zum Jahr 2002, als rund 1.000 Tonnen - also fast die gesamten historischen Bestände - auf die Märkte geworfen wurden. In der darauf folgenden Zeit setzte ein jahrelanger und bemerkenswerter Bullenmarkt ein, in dessen Verlauf Gold bis zum Jahr 2011 deutlich mehr als 500 Prozent hinzugewinnen konnte. .

Ausverkauf von Goldreserven läuft gegen internationalen Trend

Darüber hinaus verschachert Kanada den letzten Rest seiner Goldreserven zu einer Zeit, in der fast alle anderen Zentralbanken kräftig nachkaufen. Laut dem World Gold Council (WGC) haben Zentralbanken rund um den Globus in der zweiten Jahreshälfte 2015 ihre Goldreserven um insgesamt 336 Tonnen nachgerüstet. Im ersten Halbjahr sollen es demnach ebenfalls 252 Tonnen gewesen sein. Auch in der zweiten Hälfte 2014 waren es bereits 308 Tonnen, mit denen weltweit die Währungsreserven von Zentralbanken diversifiziert wurden. Allen voran stand Russland mit Goldkäufen über rund 200 Tonnen allein im vergangenen Jahr. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg vom Freitag (12.02.16) zufolge könnte der Wert der russischen Goldreserven aufgrund des gestiegenen Goldpreises seit Jahresbeginn bereits um 8,5 Milliarden Dollar gewachsen sein. Dass man sich dagegen in Kanada, einem Land, dessen Goldminen selbst jedes Jahr weit mehr als 100 Tonnen Gold produzieren, so wenig aus den eigenen Goldreserven macht, läuft eindeutig gegen den internationalen Trend. Wie schon gesagt, Gold muss nicht jedem gefallen. Wahrscheinlich wird schon im nächsten Monat der totale Ausverkauf der kanadischen Goldreserven vollstreckt. Dann werden auch die letzten 682 Kilogramm Staatsgold den Besitzer wechseln. An Interessenten mangelt es beileibe nicht.

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