Stand: 02.12.2016  1 Kommentare

Schon seit längerem stockt Russland regel- und planmäßig jeden Monat seine Goldreserven auf. Doch im vergangenen Oktober hat die russische Zentralbank nun eine Rekordmenge von mehr als 40 Tonnen Gold nachgekauft.

Russland setzt die langfristig angesetzte Umstrukturierung und Streuung seiner internationalen Reserven zugunsten des gelben Edelmetalls fort und hat jetzt sämtliche staatliche Goldkäufe auf ein neues Niveau gehoben. Allein im Oktober hat die russische Zentralbank ihre Goldreserven um die Rekordmenge von sage und schreibe 1,3 Millionen Unzen, oder 40,43 Tonnen, aufgestockt. Wie das Investorenportal Seeking Alpha vor wenigen Tagen berichtete, ist das der bei weitem höchste monatliche Wert seit fast 20 Jahren.

Anteil der russischen Goldreserven mehr als verachtfacht

Selbst beim derzeit leicht schwächelnden Goldpreis entspricht diese Menge immer noch einem Gegenwert von fast 1,5 Milliarden Dollar. Um diese Summe wurde somit der Wert der russischen Währungsreserven im Oktober abgebaut und in die dortigen Goldreserven überführt. Dennoch liegt der Großteil der internationalen Reserven von Russland nach wie vor in Form von US-Dollar und US-Bundesanleihen vor.

Doch deren stete Umwandlung in Gold ist bereits seit etlichen Jahren deutlich zu erkennen. Noch Anfang des Jahres 2007 betrug den Statistiken des World Gold Council (WGC) zufolge der Anteil der Goldreserven an den gesamten internationalen Reserven von Russland gerade mal 2,1 Prozent. Heute, knapp zehn Jahre später, liegt dieser Anteil immerhin bereits bei gut 16,5 Prozent und hat sich seitdem also mehr als verachtfacht.

Goldreserven von Russland jetzt offiziell bei 1.583 Tonnen

Seit Beginn dieses Jahres hat Russland durch monatliche Zukäufe seine Goldreserven bislang um insgesamt 168,5 Tonnen aufgestockt. Damit befindet sich das Riesenreich auf dem besten Weg, das selbst gesteckte Jahresziel, die russischen Goldreserven in diesem Jahr um insgesamt 200 Tonnen aufzustocken, auch zu erreichen. Dies würde in etwa derselben Menge entsprechen, die Russland auch im Vorjahr hinzugekauft hat.

Laut WGC hatte Russland im Jahr 2015 insgesamt 208 Tonnen Gold erworben und seinen Goldreserven zugeführt. Seit Anfang 2014 bis Ende Oktober 2016 wurden die russischen Goldreserven demnach um gute 50 Prozent hochgefahren - von damals rund 1.035 Tonnen auf die jetzt offiziell gemeldeten 1.583 Tonnen. Interessanterweise ist im gleichen Zeitraum der Bestand an US-Bundesanleihen in den russischen Reserven ebenfalls um fast 50 Prozent geschrumpft.

Gold wird unabhängig vom Goldpreis gekauft

Zugleich ist nach Angaben der Zentralbank von Russland der Wert des Goldanteils in den staatlichen Reserven innerhalb nur eines Jahres erheblich gestiegen. Während die Goldreserven Ende Oktober 2015 noch rund 50,6 Milliarden Dollar wert waren, hatten sie genau 12 Monate später einen Umfang von mehr als 64,4 Milliarden Dollar - eine Differenz von knapp 14 Milliarden also, die, neben der Ausweitung der Bestände, sicherlich auch auf die Goldpreisentwicklung zurückzuführen ist. Allerdings: Wenn es um Goldkäufe geht, schert man sich in Moskau nicht sonderlich um den Goldpreis.

Schon vor rund einem Jahr hatte der Vize-Gouverneur der russischen Zentralbank, Dimitry Tulin, bestätigt, dass man das gelbe Edelmetall weiterhin und unabhängig vom Goldpreis kaufen werde. Zugleich betonte Tulin den strategischen Wert, der den Goldreserven von Russland zukommt. Der Nachrichtenagentur Reuters: zufolge sagte Tulin: "Der Preis von Gold ist zwar veränderlich, andererseits bietet es aber 100-prozentige Sicherheit vor juristischen und politischen Risiken". Gold, das man im eigenen Land halte, könne nicht im Ausland beschlagnahmt oder eingefroren werden, so Tulin - eine eindeutige Anspielung auf die internationalen Sanktionen gegen Russland.

Russland stockt Goldreserven aus eigener Goldproduktion auf

Und noch eine weitere Entwicklung wird Moskau in Bezug auf seine Goldreserven in Kauflaune halten. Im Jahr 2015 hat Russland insgesamt 290 Tonnen Gold aus eigenen Goldminen gefördert - so viel wie nie zuvor. Ganz nebenbei wurde damit Australien der Rang des zweitgrößten Goldproduzenten der Welt abgelaufen. Mit großer Sicherheit kann angenommen werden, dass zumindest Teile, wenn nicht gar die gesamte russische Goldförderung, direkt von der Zentralbank in Moskau absorbiert wird. Dies hätte durchaus viele Vorteile. Denn einerseits muss das Gold dann nicht auf den internationalen Märkten besorgt werden, wobei eventuell sogar interne Preisabsprachen möglich sind.

Russische Goldreserven von 2010 bis 2016

Auf der anderen Seite ist auf diese Weise sichergestellt, dass die Quelle für die Aufstockung der russischen Goldreserven auch auf lange Sicht nicht versiegen wird. So weist zum Beispiel allein der größte russische Goldminenbetreiber Polyus Gold nach eigenen Angaben in seinen zahlreichen Bergwerken in Sibirien bis zu 88 Millionen Unzen Gold  (ca. 2,74 Kilotonnen) als Reserven aus. In der Tat, Russland wird das Gold so schnell nicht ausgehen. Doch wenn Moskau weiterhin Rekordmengen Gold in seine Goldreserven überführt, dann könnte schon in wenigen Jahren auch Deutschland wie zuvor Australien einen Zähler nach unten rücken - und zwar als Halter der dann nur noch drittgrößten Goldreserven der Welt.

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Kommentare [1]
  • von Wanderer | 02.12.2016, 19:03 Antworten

    Die Russen ,Chienesen und Inder und noch ein paar andere Wissen schon warum sie
    Gold bevorzugen statt bedruckte Baumwolle ( Dollar und andere Papierwährungen ) die
    beliebig gedruckt werden können .

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