Stand: 05.01.2018 von Egmond Haidt 4 Kommentare

Russland und China stemmen sich gemeinsam gegen den Petro-Dollar als die mit weitem Abstand führende Weltreservewährung. Umso vernünftiger ist es, dass die russische Notenbank kräftig Gold kauft. Sie dürfte diesen Kurs in den nächsten Jahren fortsetzen.

Mit einem Kursgewinn von 13,6 Prozent auf 1.302,60 Dollar hat die Goldpreisentwicklung das Jahr 2017 abgeschlossen. Das war das zweite Jahr in Folge mit einem Anstieg, wobei er der größte seit dem Jahr 2010 war. Hiesige Anleger haben davon allerdings wegen des kräftigen Anstiegs des Euro nicht profitiert, ist der Goldpreis auf Euro-Basis doch um 1,4 Prozent gesunken. Am Anfang des neuen Jahres hat der Goldpreis seinen Aufwärtstrend auf Dollar-Basis fortgesetzt. Für Rückenwind sorgt die anhaltende Schwäche des Dollar.

Russland rückt näher an den fünften Platz heran

Russland hat sich von den zwischenzeitlichen Kursschwankungen von Gold im Jahr 2017 nicht verunsichern lassen, sondern das Jahr genutzt, um weiter massiv Gold zu kaufen. So kaufte die russische Notenbank im November 900.000 Unzen (27,99 Tonnen), wodurch der Bestand auf 1.828,88 Tonnen gestiegen ist. Seit Jahresanfang summiert sich das Plus damit auf 213,66 Tonnen – ein Rekordwert. Seit Juni 2015 hat die Notenbank damit ihre Bestände um mehr als 548 Tonnen aufgestockt. Mit einem Bestand von 1.828,88 Tonnen rückt Russland damit zusehends China näher, das mit einem offiziellen Bestand von 1.842,6 Tonnen den weltweit fünften Platz belegt. Wenn Russland in dem bisherigen Tempo weitermacht, könnte es China innerhalb von zwei oder drei Monaten von Rang fünf verdrängen. Das zeigt, wie massiv Russland Gold gekauft hat. Allerdings gehen Experten davon aus, dass China seine Bestände in den vergangenen Quartalen ebenfalls deutlich aufgestockt hat, die Veränderung aber geheim gehalten hat.

Anteil an den Währungsreserven ist noch gering

Mit einem Wert von 76,1 Mrd. Dollar machten die Goldreserven Russlands 17,6 Prozent der gesamten Währungsreserven des Landes aus. Mit den hohen Goldbeständen sichert sich Russland gegen einen möglichen weiteren Rückgang des Dollar ab, immerhin ist der Dollar mit Kursen von 57,3 Rubel je Dollar in die Nähe der Mehr-Jahres-Tiefs gesunken. Umso weniger ist es zu verstehen, wieso Russland zuletzt seinen Bestand an US-Staatsanleihen leicht erhöht hat auf 105,0 Mrd. Dollar. Russland dürfte in den nächsten Jahren weiterhin kräftig Gold kaufen, zumal bei Ländern, wie Deutschland, Frankreich und Italien der Goldbestand mehr als zwei Drittel der gesamten Währungsreserven ausmacht.

Goldkäufe Indiens schießen nach oben

Ebenso wie die Nachfrage der russischen Notenbank ist auch jene Indiens nach Gold im Jahr 2017 stark gestiegen. So sind die Goldimporte Indiens um 67 Prozent auf 855 Tonnen nach oben geschossen. Nachdem Ministerpräsident Narendra Modi im November 2016 Geldscheine mit einer Stückelung von 500 und 1.000 Rupien (15,7 Dollar) unter dem Vorwand abgeschafft hatte, er wolle gegen Korruption und Steuerhinterziehung vorgehen, haben viele Inder im Jahr 2017 ihr Heil in Gold gesucht. Mitte Dezember 2017, als der Goldpreis auf Mehr-Monats-Tief gesunken war, haben viele Goldhändler und Banken die Chance genutzt, um ihre Bestände kräftig aufzustocken. Daher sind die Importe im Dezember auf 70 Tonnen geklettert – ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Käufe Russlands von physischem Gold haben zwar praktisch keinen Einfluss auf den Goldpreis, weil er vom Futures-Markt bestimmt wird, weil sich der Handel an Derivate-Börsen, wie der Comex, auf das Zigfache das Handels mit physischem Gold beläuft. Dennoch sollten langfristige Goldkäufe die richtige Strategie für Russland sein. Wenn der Dollar entgegen der Erwartung vieler Experten in den nächsten Jahren gegenüber vielen Währungen deutlich nach unten tendieren sollte, weil die US-Notenbank mit ihren anhaltenden Leitzinserhöhungen die Wirtschaft kräftig bremst, dürfte der Goldpreis den Aufwärtstrend der vergangenen zwei Jahre fortsetzen. Inwiefern hiesige Anleger davon profitieren, wird allerdings nicht zuletzt davon abhängen, ob der Euro weiterhin gegenüber dem Dollar steigt. Inzwischen notiert der Euro am Drei-Jahres-Hoch gegenüber dem Dollar.

Goldreserven: Russland macht mit Goldkäufen alles richtig
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [4]
  • von bling bling | 05.01.2018, 17:16 Antworten

    russlands us-anleihenkäufe sind insofern logisch, dass es dadurch anteile an dem land erhält, und das währungsrisiko mit phyischem gold absichert. ist doch kinderleicht. natürlich sind anteile an den usa im fall wieder stoff für sandkastenstreitereien.

    • von blo-rakane | 05.01.2018, 20:49 Antworten

      Joo, alles schön und gut mit den US-Staatsanleihen! Nur da wäre das „Problem“ mit der FED!Wer glaubt, dass die „wirklichen Mächtigen“ der US-Administration &Co zulassen würden, dass China/Japan und weit abgeschlagen Russland, die Inhaber von US-Staatsanleihen sind, innenpolitische Einflussnahme in den Belangen der USA zulassen würden,
      hat den Sinn von Staatsanleihen nicht verstanden. Zudem, wird und kann die FED bei zu großer Dominanz der Fremd-Staaten ,die US-Anleihen halten, ohne großes Procedere eine Geldentwertung(Inflation ) einläuten. Mit diesem Wissen, Schichten alle wichtigen Staaten von US-Anleihen , ihre Anleihen in richtiges Geld (Gold) „peu a peu „ (in nur physischer Form) um!
      Ergo.. macht es wie die „Großen“...mittel/langfristig seid ihr dann die „Winner“

      • von bling bling | 06.01.2018, 13:05 Antworten

        q.e.d.

  • von Herrmann Overrath | 05.01.2018, 09:56 Antworten

    Russland macht immer alles richtig,Auch die Deutschen wissen was auf sie zukommt und kaufen was das zeug hergibt.Nach Einführung der Eurobonds durch die SPD ist der
    Ofen aus für uns.

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