Stand: 05.01.2014  2 Kommentare

Die Zollbeamten staunten nicht schlecht, als sie kurz vor Weihnachten eine Routinekontrolle auf dem Flughafen Calicut in Indien durchführten. Die Maschine aus Dubai war mit 80 Personen besetzt - doch nach den ersten Stichproben hatten die Sicherheitskräfte alle Hände voll zu tun: Ausnahmslos jeder Flugpassagier hatte Gold an Bord gebracht, bei allen Passagieren lag das Gewicht des mitgeführten Goldes bei der erlaubten Freimenge von einem Kilogramm. Die symmetrische Verteilung der Goldmenge legte eine Vermutung nahe: Professionelle Goldschmuggler hatten den Passagierraum des Flugzeugs unter Kontrolle. Der Zoll forschte nach - und stellte einem Bericht der "Times of India " zufolge fest, dass viele der Passagiere von einer unbekannten Person als Gegenleistung für den Goldtransport ein Freiflugticket erhielten. Allein in den drei Wochen vor Weihnachten 2013 sollen auf diesem Weg rund 1000 Kilogramm Gold aus Dubai nach Indien geschmuggelt worden sein.

Der Bericht der "Times of India" macht deutlich: Auch in der Gegenwart ist der Besitz von Gold keine Selbstverständlichkeit - und staatlich verordnete Goldpreisverbote fordern kriminelle Kräfte geradezu heraus. Denn seit Jahren versucht die indische Regierung, ihrer Bevölkerung den Besitz von Gold zu vermiesen. Im April 2012 hatte die Regierung die Steuern für Importe des gelben Metalls verdoppelt und inzwischen in drei Schritten von 2 auf mittlerweile 8 Prozent angehoben. Das Nachbarland Pakistan hatte daraufhin kurzerhand ein Gold-Importverbot erlassen. Zwar stellen Goldverbote heutzutage im internationalen Vergleich eine absolute Ausnahme dar, doch noch im 20. Jahrhundert wurden in einigen demokratischen Ländern Goldverbote verhängt. So wurde in China das Handelsverbot für private Investoren erst im Jahr 2002 aufgehoben. Polen verfügte zwischen 1950 und 1989 ein Besitzverbot für Gold. Bis in die Siebziger Jahre hinein war in jedem zweiten Staat der Welt der private Goldbesitz von Restriktionen betroffen.

Besonders eindrucksvoll ist bis in die heutige Zeit das Goldverbot der Vereinigten Staaten von Amerika in Erinnerung geblieben. Es wird auch bevorzugt genutzt, um die vermeintliche Gefahr eines Goldverbotes in der heutigen Zeit zu verdeutlichen. Das Goldpreisverbot in den USA kam bereits zwölf Jahre vor Kriegsende, das Ende der freien Goldpreisermittlung auf Grund von Angebot und Nachfrage ereignete sich einige Jahre zuvor. Seit dem 1. Mai 1933 war der private Goldbesitz in den Vereinigten Staaten von Amerika verboten. Der sogenannte "Gold Reserve Act " vom 31. Januar 1934 sah die Einrichtung eines Staatlichen Börsenstabilisierungsfonds (Exchange Stabilization Fund) sowie die Festsetzung des Goldpreises auf 35,00 US-Dollar vor. Zuvor mussten alle Bürger ihren gesamten Goldbesitz bei staatlichen Annahmestellen abliefern. Die Frist: Nur 14 Tage. Der Preis: 20,67 US-Dollar pro Feinunze. Lediglich Goldmünzen und -zertifikate im Wert von bis zu 100 US-Dollar durften behalten werden. Wurde nach der Abgabefrist bei einer Durchsuchung nicht deklariertes Gold entdeckt, wurde es entschädigungslos enteignet, außerdem wurden Geldstrafen fällig.

Das Goldverbot hat sich in das kollektive Gedächtnis der stolzen Nation eingebrannt. Immerhin wurde schnell deutlich, dass die staatlichen Repressionen gegen den freien Goldhandel auf keiner stabilen Grundlage standen. Schmuggler an den Grenzen zu Kanada und Mexiko witterten das große Geschäft, es folgte eine massive Kapitalflucht ins Ausland. 1961 wurde daher auch US-Bürgern im Ausland verboten, Gold zu besitzen. 1962 wurde ein juristisches Schlupfloch gestopft, mit dem US-Bürger wenigstens Münzen mit einem Prägedatum vor 1933 in die USA einführen durften. Dennoch entwickelte sich in den USA ein massiver Schwarzmarkt für Gold, auf dem ein Vielfaches des offiziellen Preises von 35 US-Dollar gezahlt wurde. So bröckelte nicht nur das Goldverbot der USA, sondern auch das System von Bretton Woods in der Nachkriegszeit.

Heutzutage gilt das Goldverbot in den USA als Musterbeispiel für die Erfolgsaussichten entsprechender politischer Initiativen. Und auch der aktuelle Fall "Indien" macht deutlich, dass ein Goldverbot massiven Widerstand in der Bevölkerung sowie kreative Schmuggelideen provoziert. In Indien protestieren Bürger und Schmuckhändler regelmäßig gegen die Repressionen, zudem steigen die Menschen verstärkt auf Silber um, weil das weiße Metall von dem Goldverbot nicht betroffen ist - vor allem die Landbevölkerung hat keinen Zugang zu Banken und benötigt eine unkomplizierte Form der Wertanlage. Dass ein Goldverbot in Indien nicht durchsetzbar war, musste die indische Regierung bereits einmal erfahren, als im Jahr 1990 nach massiven Protesten der Bevölkerung das 1963 erlassene Goldverbot aufgehoben wurde.

Trotzdem halten sich auch im Jahr 2014 hartnäckig die Sorgen um ein Goldverbot in Europa. Es wird immer wieder bemüht, um Bürger zu einem Goldkauf zu bewegen. Die Argumentation: Physisches Gold ist eines der unauffälligsten Investments der Neuzeit. Alle Goldkäufe, die im so genannten Tafelgeschäft gegen Bargeld abgewickelt werden, unterliegen erst oberhalb der Geldwäschegrenze einer Registrierungspflicht. Zudem lässt sich Gold gegen praktisch alle Waren eintauschen und ist in aller Welt bekannt - diese Eigenschaften einer möglichen Parallelwährung sollen den Zentralbanken jedoch ein Dorn im Auge sein, so zumindest die Theorie rund um ein mögliches Goldverbot.

Ob ein entsprechender Schritt realistisch ist, darf stark bezweifelt werden - ein Blick zurück in die Geschichte macht deutlich: Goldverbote kamen fast ausschließlich in autoritären oder totalitären Staaten vor. Und immer wenn es in der Geschichte brenzlig wurde, waren die Goldreserven der Bürger bedroht - die weltweite Staatsschuldenkrise könnte als solcher Notfall verstanden werden. Doch trotzdem gilt in jeder Demokratie: Je näher der Staat seinen Bürgern also auf die Goldreserven guckt, desto stärker werden auch die Freiheitsrechte in einem demokratischen System in Frage gestellt. So hatte dann auch die Regierung der USA eine Freigrenze von 100 Dollar, was etwa fünf Unzen Feingold entsprach, pro Bürger festgelegt - die Mehrheit der Bevölkerung war somit überhaupt nicht betroffen.

Deutlich wahrscheinlicher als ein Goldverbot ist hingegen eine Steuer, beispielsweise eine europaweite Mehrwertsteuer oder Abgeltungssteuer für physisches Gold. Beispielsweise ist die Mehrwertsteuerfreiheit für typische Anlagemünzen erst seit einigen Jahren üblich. Auch die Abschaffung des Tafelgeschäfts und eine stärkere Dokumentationspflicht für Edelmetallhändler und Banken könnte dem Staat die Möglichkeit geben, Gold als Ersatzwährung zu bekämpfen.

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Kommentare [2]
  • von Jupp | 03.05.2018, 17:23 Antworten

    Wer ist der Staat ?

    • von Reiner Lenz | 26.12.2018, 16:08 Antworten

      Der Staat d.h. jeder Staat wie auch immer dieser beschaffen ist, ist nichts Anderes als die exikutive Gewalt der jeweils herrschenden Kaste.

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