Stand: 24.05.2017 von © Gold.de Redaktion AB/SH 9 Kommentare

Vergessen Sie Alaska, Eldorado oder sonstige ferne Länder. Hier kommen Eder, Schwarza, Wietze oder Grümpen! Goldsuche in Deutschland ist im Trend. Und ein guter Tipp auch für Ihre Urlaubsplanung, denn wo sonst lassen sich auf so wunderbare Weise Naturerlebnis und Abenteuer verbinden? Wir zeigen, wie’s geht. Und wo die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, dass Sie tatsächlich Gold finden.

Sie suchen etwas Besonderes für das nächste Wochenende? Der Urlaub steht vor der Tür, und noch keine Idee? Wie wär's damit: Nur bewaffnet mit Schaufel und Waschpfanne auf Goldsuche gehen wie damals die alten Golddigger. Abends lodert das Lagerfeuer, das Nachtlager ist spärlich, das Himmelszelt weit. Aber wer weiß: Vielleicht findet sich ja am nächsten Tag die große Belohnung für all die Entbehrungen?
Cut! Sie befinden sich nicht in einem Hollywoodfilm. Das können Sie direkt vor Ihrer Haustür erleben, und zwar ganz real.

Goldwaschpfanne
Gold aus der Elster in einer Goldwaschpfanne

Goldsuche als neuer Freizeitspaß

Bei der Kursnachfrage ist die Tendenz steigend

Maurice Balt, Kursanbieter vom Niederrhein

Der kernige Kerl, der schweigsam und allein durch die Natur streift und allen Widrigkeiten trotzt, ist heute natürlich die Ausnahme. Goldwaschen ist inzwischen ein Freizeitspaß für alle. Und man muss noch nicht mal weit fahren, denn in vielen Regionen Deutschlands werden Kurse angeboten. Wie viele Hobby Goldschürfer auf eigene Faust losziehen, lässt sich natürlich nicht sagen. Nimmt man aber die Nachfrage nach Goldwaschkursen, dann ist der Trend eindeutig. "Die Tendenz ist steigend", so Maurice Balt, der am Niederrhein Kurse anbietet.

Goldwaschkurs an der Göltzsch
Goldwaschkurs an der Göltzsch

Ähnlich äußert sich Thomas Lesch, Kursanbieter aus Sachsen: "Goldwaschkurse werden durchaus immer beliebter. Ein Grund sind sicherlich die zahlreichen Goldsucher-Dokus auf DMAX und Co."

Auch Rainer Stärk, der Workshops am Oberrhein anbietet, bestätigt dies: "Das Publikum ist heute gemischt. Während früher Männer meist alleine anzutreffen waren, wäscht heute oft die Partnerin mit. Und meist ist sie auch diejenige, die den Kurs als Überraschung für ihren Partner gebucht hat. Immer öfter wird ein Goldwaschkurs aber auch von Firmen oder Vereinen gebucht."

Goldvorkommen in Deutschland

Goldabbau in Deutschland hat eine lange Tradition. "The big gold rush", also einen regelrechten Goldrausch, den gab es allerdings hier so nie. Goldschürfen in Deutschland unter Tage oder die Goldsuche in Flüssen und Gewässern war harte Arbeit, wenn davon der Lebensunterhalt bestritten werden musste.
Doch zum Glück hat der moderne Goldsucher von heute andere Voraussetzungen. Hier geht es nicht um die pure Notwendigkeit, sondern um ein schönes Outdoor Erlebnis für die ganze Familie, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Glücksritter-Romantik. Die Kleinen haben Ihren Spaß bei dieser Art der Schatzsuche, und die Eltern freut’s, wenn bei dieser Freizeitaktivität auch finanziell was dabei herausspringt. Das ist durchaus wahrscheinlich, denn was sich in deutschen Flüssen an Gold finden lässt, ist nennenswert.

Wo sind die ertragreichsten Stellen zum Goldwaschen?

Zunächst natürlich in einem Gewässer. Goldführende Flüsse in Deutschland sind die großen Ströme Rhein oder Elbe, sowie die bayerischen Gewässer Isar und Inn. Unter Szenekennern sind aber gerade auch kleine Flüsschen wie Eder, Wietze, Göltzsch, Striegis, Schwarza, Aller oder Grümpen von Interesse.

Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen heißen also die neuen Sehnsuchtsorte für den modernen Goldwäscher von heute. Oder, wer lieber in Regionen denkt: Harz, Hunsrück, Südschwarzwald, Erzgebirge, Oberpfalz, das thüringische und das rheinische Schiefergebirge, das Vogtland oder der bayerische Wald haben nachweislich Goldvorkommen. Meist ist es winziger Goldflitter, aber auch Nuggets von 5 mm und mehr sind in Deutschland schon gefunden worden.

Tipp: In den strömungsberuhigten Zonen ist die Chance besser, dass Sie Gold finden. Diese Stellen liegen oft in den Innenkurven der Flüsse, in Senken, oder vor Schwellen. Der Experte nennt dies auch Flussseifen, die Funde entsprechend Seifengold.

Goldvorkommen in Deutschland
Goldvorkommen in Deutschland

Doch bei den echten Geheimtipps ist es ein bisschen wie beim Pilze suchen: Die besten Stellen behält man für sich. Höchstens gute Freunde werden eingeweiht.

Wie geht überhaupt Gold waschen?

Der Begriff sagt es schon ziemlich genau, und die Technik ist so simpel, dass es jedes Kind kann. Denn zum Goldwaschen braucht es nur zwei Dinge: Das goldhaltige Ausgangsmaterial, meist Kies oder Erde, und Wasser. Da Gold sehr schwer ist, macht man sich diese Eigenschaft zunutze und wäscht das Edelmetall tatsächlich aus dem übrigen Material heraus. Im Wasser scheidet sich das schwere Gold von leichteren Stoffen ab und sinkt zu Boden. Dort kann es eingesammelt werden. Übrigens: Im Fachjargon heißt die Suche nach Gold Prospektieren.

Wieviel Gold kann man denn so finden?

Im Jahre 2004 fand ein Rentner im thüringischen Schwarzatal ein über 9 Gramm schweres Nugget. Doch das sind Ausnahmen. "Bei unseren Kursen am Niederrhein geht es um das Goldwaschen lernen, also große Mengen kann man hier noch nicht erwarten. Ein Profi Goldschürfer kann aber am Rhein ein halbes Gramm und mehr am Tag finden", so Maurice Balt. Und er verrät uns gleich noch eine tolle Zahl: "Mein größter Fund in Deutschland war etwa 4 Gramm in eine Stunde, zusammen mit Freunden."

Jan Bollmann, der Goldsucher Camps und Kurse in Niedersachsen veranstaltet, liefert ebenfalls interessante Zahlen: "Beim Edergold z.B. sind 0,5-1 Gramm pro Tag mit der Goldwaschrinne durchaus realistisch. Aber ich habe auch in kleinen Heideflüssen wie der Wietze Gold gefunden. Selbst hier beim Heidegold sind 0,1 g am Tag drin. Laut Goldanalyse vom Labor ist das Wietzegold zu 99% rein. Dies ist sehr selten. Darauf sind wir schon stolz hier!" 

Möglich ist also vieles. Willkommen in der Goldrepublik Deutschland.

Wie hoch ist der Goldgehalt von Seifengold?

Der Goldanteil von Goldnuggets, Goldkörnern und Goldflittern ist hier in Deutschland (wie überall in der Welt) natürlich individuell verschieden. Gleichwohl hat Naturgold einen relativ hohen Goldanteil. Er liegt meist irgendwo zwischen 85 - 99 %. Zum Vergleich: Ein hochwertiger 750er Goldschmuck besteht zu 75 % aus Gold; die berühmte Krügerrand Goldmünze bringt es auf einen Feingehalt von 916,7, also fast 92 %.

"Goldstaub (< 0,02 mg), -flitter (0,02 bis 2 mg), -körner (2 bis 200 mg) und -nuggets (> 0,2 g) haben in Deutschland meist einen Goldgehalt zwischen 92 und 99 %. Dabei gilt, je länger das Gold in den Fließgewässern unterwegs ist, desto kleiner, runder und reiner wird es. Tendenziell nimmt der Goldgehalt beim Seifengold mit zunehmender Entfernung von den Quellen des Goldes also zu, da das Wasser der Fließgewässer die äußere Schicht der Goldpartikel entsilbert. Silber ist ja bekanntlich leichter löslich als Gold", so Dr. Markus Schade, Geologe und Leiter des deutschen Goldmuseums in Theuern/Thüringen.

Goldsuche in Deutschland
Seifengold in Deutschland

Was tun mit dem Gold hinterher?

Goldnugget aus Deutschland

Die meisten werden ihren kleinen Goldschatz als nettes Erinnerungsstück behalten wollen. Zum Einschmelzen sind die Goldfunde viel zu schade. Insbesondere Nuggets können einen Liebhaberwert haben, der deutlich über dem reinen Wert des Goldanteils liegt. Unter Kennern sind neben dem Gewicht auch Form, Farbe, Glanz und Reinheit wichtig. Nuggets mit einer schönen oder auffälligen Form werden als Unikate hoch gehandelt.

Aber natürlich lassen sich Goldflitter und Nuggets theoretisch auch verkaufen. Bei einem derzeitigen Grammpreis für reinstes Feingold von über 35 EUR (Stand Frühjahr 2017, ermittelt mit unserem Goldrechner) ist da schon ein schönes Taschengeld möglich.

Goldwaschkurse bieten den perfekten Einstieg

Wer nun aber meint, am nächsten Wochenende einfach so mal los zu gehen, der ist schlecht beraten. Eine Goldwaschkurs ist sinnvoll. Denn es geht ja nicht nur um die Technik des Waschens an sich. Es braucht auch eine kundige Anleitung, wo im Fluss die vielversprechendsten Stellen liegen.

"Mitzubringen sind bei uns nur Gummistiefel und gute Laune. Der Einführungskurs geht 2 Stunden, ist limitiert auf 10 Personen. Ich erkläre, schaufele und siebe den Kies, führe vor, kontrolliere alle Pfannen und sorge dafür, dass jeder etwas findet. Wer allerdings die Sache nur mit Dollarzeichen in den Augen angeht, der wird sicher schnell die Lust verlieren", so Sven Kreher vom Vogtländischen Goldmuseum Buchwald, das neben interessanten Ausstellungen auch Goldwaschkurse anbietet.

Bei der Auswahl eines Kurses empfiehlt sich natürlich erstmal das nächstgelegene "Goldgebiet" für den kleinen Sonntagsausflug zwischendurch. Was die Kursinhalte angeht, so bringt es Thomas Lesch auf den Punkt: "Ein gutes Kursprogramm versucht eine gute Mischung aus Theorie und Praxis zu finden. Bevor es losgeht, sollten ein paar Worte zum Edelmetall selbst, wie die richtigen Stellen gefunden werden, dem nötigen Equipment und der Technik gesagt werden. Unbedingt gehören auch kleine rechtliche Exkurse dazu. Teilnehmer sollten sich zudem darüber informieren, ob sie bei den praktischen Aktivitäten vom Veranstalter versichert sind."

Unser Tipp: Rechtzeitig buchen!

Welche Ausrüstung brauche ich?

Wer einen Kurs bucht, benötigt also nur wetterfeste Kleidung, Geduld und etwas Glück. Die eigentliche Goldwaschausrüstung, also Goldwaschpfanne, Schaufel und Sieb, wird gestellt. Wer danach allein sein Glück versuchen will, kann eine Goldwaschpfanne für kleines Geld kaufen. So eine Goldpfanne sieht aus wie eine Salatschüssel, die innen geriffelt ist. Wer ehrgeizigere Ambitionen hat, der nimmt statt der Waschpfanne eine Goldwaschrinne oder Schleuse.

Zudem empfiehlt sich noch eine Pinzette sowie kleines verschließbares Plastikröhrchen zu Aufbewahrung. Denn große Nuggets für die Hosentasche wird man selten finden. Meist ist es Goldflitter, der leicht verloren gehen kann.

Braucht man eine Genehmigung oder Lizenz zum Goldwaschen?

Vorab: Wir können keine Rechtsberatung bieten. Und wir kennen auch nicht alle Gesetze, Regelungen und Vorschriften, die sich zudem auf Länder- und kommunaler Ebene unterscheiden. Zunächst stellt sich die Frage, wem das Gewässer gehört, und wem der hierin gefundene "Bodenschatz". Außerdem können noch andere Rechtsbereiche berührt werden, etwa bei Fischerei-Gewässern oder Naturschutzgebieten. Wild Gold schürfen ist also keine gute Idee. Wir raten dringend dazu, vorher bei der zuständigen Behörde nachzufragen, auch wenn es nur als kleines Sonntags-Hobby ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird, was vielerorts ohne Genehmigung erlaubt ist.

Goldwaschen in Deutschland:
Hier können Sie Goldwaschkurse buchen

Region Anbieter (Weblink) Ansprechpartner
Goldwaschen
am Rhein
Oberrhein: www.goldwaschen-am-rhein.de
Oberrhein: www.goldsucher.de
Niederrhein: www.welt-gold.de
Rainer Stärk
Franz-Josef H. Andorf
Maurice Balt
Goldwaschen
in Niedersachsen
www.goldwaschcamp.de Jan Bollmann
Goldwaschen
in Thüringen
Deutsches Goldmuseum:
www.goldmuseum.de
Dr. Markus Schade
Goldwaschen
in Sachsen
www.goldwaschen-sachsen.de Thomas Lesch
Goldwaschen
im Vogtland
Goldmuseum Buchwald:
www.vogtlandgold.de
Sven Kreher
Goldwaschen
in Bayern
Bayerischer Wald - Perlesreut Fr. Ritzinger
Goldwaschen in
Baden-Württembg.
Naturgold Exkursionen Martin Vitt
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Kommentare [9]
  • von Martin S. | 26.05.2017, 08:29 Antworten

    hat schon jemand von den Lesern Erfahrungen mit dem Goldwaschen gemacht? Mich würde die reale Ausbeute interessieren und wie hoch der Abenteuer-Faktor ist:)

    • von Andi S. | 30.05.2017, 21:51 Antworten

      Hallo Martin,
      ich wasche gelegentlich am Rhein bei Waldshut-Tiengen. Da sind 0,1 ... 0,5 pro Tag mit Unterstützung der Waschrinne realistisch. Inklusive ordentlichem Muskelkater. Das interessante dabei ist, dass von feinstem Goldstaub bis hin zu 5mm Goldplättchen alles dabei ist - sowie die Chance auf interessante Beifunde aus der Römerzeit.

  • von Phillip Roth | 04.06.2017, 09:28 Antworten

    Euer Artikel ist gut geschrieben und sehr aufschlussreich. Ich würde sie empfehlen

  • von Golden Girl | 07.06.2017, 19:17 Antworten

    Kann jemand was zur Iller sagen? Kommt ja wie Rhein, Isar & Inn auch aus den Alpen….. Habe aber bisher noch nix in Erfahrung bringen können?
    ?

    [ Anmerkung der Redaktion: Der Bayrische Rundfunk hat ein Video gemacht über Goldwaschen im Unterallgäu. Die Iller wird zwar nicht namentlich erwähnt, könnte aber dennoch interessant sein: https://www.youtube.com/watch?v=K7mqa2DR6WM ]

  • von Martin Vitt | 09.06.2017, 10:50 Antworten

    Ein sehr informativer und gut gelungener Artikel über Goldwaschen. Seit über 10 Jahre wasche ich am Rhein und an der Lech. Immer wieder ein Abenteuer. Naturgold ist überall in Deutschland zu finden und der Bericht gibt darüber die beste Einführung. Weiter so!

  • von Daniel | 22.10.2017, 10:11 Antworten

    Schöns Stück

  • von Eichhorn, Mario | 14.12.2017, 13:04 Antworten

    Ich wohne im thüringischen Schiefergebirge, es gibt hier viele kleine Bäche mit mäanderförmigen, schwarzsandigen Ablagerungen Ablagerungen in den Schleifen.
    Lohnt es, dort zu waschen?
    Mit freundlichem Gruß.
    M. Eichhorn

    • von Graf von Henneberg | 14.12.2017, 13:28 Antworten

      Das lohnt sich sicherlich - für denjenigen der Ihnen die Ausrüstung verkauft. Gehen Sie besser zu Degussa, ESG o.a. Händler, überweisen Geld und bekommen Gold - das ist für Sie lohnender.

  • von Rainer Ottmayer | 14.12.2017, 23:48 Antworten

    Hallo,
    wer hat lust mit mir zum Gold waschen zu gehen.
    Habe schon mehrere Jahre Erfahrung.
    Wohne im Raum ES
    Kontakt unter info(@)webklassik.de

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