Stand: 28.06.2015 von © Gold.de Redaktion SW/SH 1 Kommentare

Die meisten Anleger kennen sie wohl nur aus Hollywood-Streifen, fürs private Edelmetall-Investment sind sie ohnehin unerschwinglich: "Good Delivery"-Barren mit einem Gewicht von etwa 12,4 Kilogramm sind jedoch auf dem institutionellen Goldmarkt das Maß der Dinge. Der weltweite Standard blickt auf eine lange Tradition zurück - und wer heutzutage auf die Liste der "London Bullion Market Association" (kurz: LBMA) kommen möchte, muss einer strengen Prüfungen und Richtlinien gerecht werden.

London ist seit Jahrhunderten der Inbegriff für den weltumspannenden Einfluß der britischen Krone und das Zentrum des Handels-Empires - heute hat die Hauptstadt jedoch ihre Bedeutung für die meisten früheren Kolonialwaren verloren. Ein besonderes Handelsgut ist jedoch noch heute an der Themse beheimatet: London gilt als die Hauptstadt des Goldhandelsund blickt mit dem "London Bullion Market" auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurück, die ihren Anfang mit dem ersten Goldrausch von 1697 nahm. Damals kam Gold aus Brasilien in London an und wurde in eigens von der Bank of England eingerichteten Lagerhäusern gebunkert.

Good-Delivery-Liste: Qualitätsmerkmal seit über 250 Jahren

Um den Handel mit Gold zu regulieren und weltweite Standards zu etablieren, richtete die Bank of England im Jahre 1750 die "London Good Delivery List" ein. Darauf waren alle Raffinerien verzeichnet, die Goldbarren von einer bestimmten Norm herstellten und deshalb am Londoner Goldmarkt ihren Handel treiben durften.

LBMA: Branchenverband wacht über Einhaltung von strengen Regeln

Noch heute gilt diese Liste als einzige weltweit anerkannte Akkreditierung für den Goldmarkt. Inzwischen wacht allerdings nicht mehr die Bank of England, sondern seit 1987 mit der "London Bullion Market Association" (LBMA ) eine unabhängige Vereinigung über den Goldmarkt. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss von über 137 (Stand Juni 2015) Unternehmen aus über 24 Ländern, die allesamt am Produktionsprozess von Gold beteiligt sind - also beispielsweise Händler, Versandunternehmen, Lagerdienstleister, Minenbetreiber sowie Raffinerien. Voraussetzung für die Aufnahme ist allerdings die aktive Teilnahme am Londoner Goldmarkt.

Sechs deutsche Goldproduzenten stehen auf der Liste

Die LBMA bewertet und reguliert bis heute die Mindestvoraussetzungen für die großen Gold- und Silberbarren in Handelsabmessungen. Hierfür veröffentlicht sie regelmäßig die sogenannten "London Good Delivery"-Listen. Darauf sind Goldraffinerien verzeichnet, welche die hohen Standards der LBMA einhalten. Aus Deutschland stehen derzeit nur sechs Unternehmen auf der Liste: Die Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt (Pforzheim), Aurubis (Hamburg), C. Hafner (Pforzheim), Heimerle + Meule (Pforzheim) sowie Heraeus (Hanau), deren Barren in Deutschland zu den bekanntesten zählen.

Produktionsprozess wird genau unter die Lupe genommen

Um auf diese Liste aufgenommen zu werden, müssen Gold verarbeitende Betriebe eine ganze Reihe von Kriterien erfüllen. Nicht nur der Produktionsumfang muss eine gewisse Mindestgröße erreichen, auch der Unternehmenswert gilt für die LBMA als ein Maßstab für die Bewertung der Seriosität eines Goldfabrikanten. Es folgt eine, wie auf der LBMA-Internetseite klargestellt wird, "rigorose" technische Beurteilung der einzelnen Produktionsschritte, also beispielsweise dem Guss oder dem Veredeln der Barren. Um sicherzustellen, dass diese hohen Standards eingehalten werden, unterliegen die gelisteten Unternehmen einer laufenden Prüfung durch das so genannte "Proactive Monitoring Programme". Raffinerien, die ehemals die Mindeststandards der LBMA erfüllten, aber die Produktion von "Good Delivery"-Barren einstellten oder nicht mehr an der Zertifizierung teilnehmen, werden in einer Archiv-Lste ("former lists for Gold and Silver") aufgeführt.

Woran ist ein "Good Delivery?-Barren zu erkennen?

Die Spezifikationen für "Good Delivery Bars" sind detailgenau in den sogenannten "LBMA Good Delivery Rules" beschrieben. Dazu zählen die Mindest- und Höchstmaße für Gewicht, Reinheit sowie Erscheinungsbild der Barren:

  • Gewicht: Der Mindestgoldgehalt muss bei 350 Unzen (etwa 10,9 kg) liegen, der maximale Goldgehalt darf 430 Unzen (etwa 13,4 kg) betragen. Das Bruttogewicht des Barren sollte in Feinunzen ausgedrückt werden und in einem Vielfachen von 0,025 berechnet sowie abgerundet auf die nächsten 0,025 einer Feinunze werden.
  • Abmessungen: Die LBMA empfiehlt eine Länge von 250 Millimetern, die maximal um 40 Millimeter nach oben oder unten abweichen dürfen. Die Barren dürfen zwischen 55 und 85 Millimeter breit und zwischen 25 und 45 Millimeter hoch sein.
  • Feingehalt: Ein "Good Delivery"-Barren muss mindestens 995,0 Tausendstel Feingold enthalten.
  • Beschriftungen: Die Barren sollten eine Seriennummer, einen "Assay"-Stempel des Herstellers, eine Angabe der Feinheit mit bis zu vier Stellen sowie das Jahr der Herstellung aufweisen.

Über die Einhaltung dieser Eigenschaften wacht das "Physical Committee". Es setzt sich aus Branchenexperten des physischen Goldmarkts zusammen. Dieser Ausschuss tagt etwa einmal monatlich. Bei Streitfällen greifen die "Good Delivery Schiedsrichter" ein. Sie sichern die technische Beurteilung der Bewerber für die Aufnahme auf die Gütelisten, überwachen die bestehenden Listen und bieten Beratung für Goldproduzenten an. Derzeit besteht das Gremium aus fünf Personen.

Gold für Privatanleger: Bankengelistete Investment-Barren

Auch wenn der "Good Delivery"-Standard auf dem institutionellen Goldmarkt, bei Regierungen und Großbanken das Maß der Dinge ist, kennen die meisten Anleger die großen "Good delivery"-Goldbarren vermutlich nur aus Hollywood-Filmen. Für Privatanleger bieten sich verständlicherweise nur Investment-Barren mit Gewichten zwischen einem und tausend Gramm an. Größere Investment-Barren wie die Stückelungen 500 g und 1000 g werden gegossen, kleinere Barren ab 1 g werden üblicherweise gestanzt. Manche Barren wie der 100 g Goldbarren sind sowohl gegossen, als auch gestanzt erhältlich.

Bei Goldbarren gibt es eine ganze Reihe an Herstellern, beispielsweise Heraeus, Umicore, der Schweizer Mitbewerber Valcambi sowie Degussa, deren Barren von LBMA-zertifizierten Herstellern gefertigt werden. Die Barren dieser Unternehmen sind bankengelistet und können weltweit bei Banken gehandelt werden. Grundsätzlich gilt: Auch wenn sich die LBMA-Liste auf Hersteller von Barren nach dem "Good Delivery"-Standard (~12,5 kg) bezieht, werden selbstverständlich auch die kleineren Investment-Barren dieser Hersteller von Banken weltweit in aller Regel angekauft.

Good Delivery Goldbarren: Standardbarren für weltweiten Handel
Thumb Goldbarren
AKTUELLE PREISE:
Goldbarren
Geschenkbarren aus Gold ab 41,78 EUR
1 Gramm ab 37,25 EUR
2 Gramm ab 79,36 EUR
2,5 Gramm ab 96,62 EUR
5 Gramm ab 181,50 EUR
10 Gramm ab 355,10 EUR
20 Gramm ab 710,17 EUR
1 oz ab 1.092,42 EUR
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Kommentare [1]
  • von Dagobert | 28.11.2015, 03:28 Antworten

    Nun geht es darum, jeden Bürger, der außerhalb des FIAT-Geldes seinen Besitz absichern will, einen Denkzettel zu verpassen. Für den Staat wird jeder, der ohne entsprechende Meldung an Finanzbehörden EM oder Bitcoins besitzt, als subversiv eingestuft. Die Frage wird irgendwann lauten:
    "Woher haben Sie denn Ihr Gold?" Es wird spätestens dann dann der Fall sein, wenn der Euro scheitert und Brüssel jedem Bürger, der vorgesorgt hat, das bisschen EM wegnimmt, welches noch da ist. Drakonische Strafen für EM-Besitz hatten wir schon und so laufen wir langsam und zielstrebig auf "gute alte Zeiten" zu.

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