Stand: 08.04.2015 von Mr. Gini 1 Kommentare

So, in diesen österlichen Tagen des Jahres 2015 scheint ja in Sachen Griechenland zumindest leichte Entspannung auf der Agenda zu stehen. Zumindest vorerst. Am Gründonnerstag wurde medial verbreitet, dass die griechische Regierung am 9. April ihre Verpflichtungen gegenüber einem wichtigen Geldgeber, genauer gesagt dem IWF, wohl erfüllen wolle und auch werde. Wörtlich sagte ein Sprecher der Regierung in Athen lapidar: "Das Geld für April gibt es."

Ferner gab es auch diverse Neuigkeiten zu möglichen Reformen im Krisenland. Unter anderem sei nun vorgesehen, dass es auf verschiedenen Ferieninseln wie Mykonos, Santorin oder Paros NICHT zu einer Erhöhung der Umsatzsteuer kommen werde.

EZB stützt die griechischen Banken

Derweil wurde in der Nacht zum Gründonnerstag auch bekannt, dass die EZB den Rahmen der sog. ELA-Notkredite um weiter 700 Millionen Euro erhöhte. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Bankenkreisen. Alles in allem sei das Limit für diese Notkredite nun auf sage und schreibe 71,8 Milliarden Euro gestiegen. Nach wie vor stehen die Banken in Griechenland unter massivem Druck. Viele besorgte Bürger heben ihr Erspartes ab; allein zwischen Dezember 2014 und Ende Februar 2015 seien 25 Milliarden Euro abgezogen worden. Seit Mitte Februar 2015 ist es ja so, dass die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit akzeptiert. Seither müssen sich die griechischen Banken über das Notprogramm ELA refinanzieren.

Grexit nicht schlecht für den Euro?

Derweil schwebt das Damokles-Schwert eines möglichen Grexit immer noch über der Euro-Zone. Sehr interessant ist, was Starinvestor Warren Buffett diesbezüglich sagt. Viele erachten ja ein Ausscheiden der Griechen aus der Währungsunion als Schreckensszenario. Mr. Buffett sagte aber in einem Interview mit dem Finanzsender CNBC folgendes:

"Falls es so kommt, dass die Griechen austreten, dann muss das keine schlechte Sache für den Euro sein."

In dem Interview erklärte das Orakel von Omaha mit Blick auf den griechischen Schuldenstreit, es könne eine gute Idee in vielerlei Hinsicht sein, wenn jeder lerne, dass Regeln etwas bedeuteten. Viel wichtiger als die Frage, ob ein Mitglied aus der Euro-Zone ausscheide, ist für den Chef von Berkshire Hathaway die künftige Ausrichtung der Gemeinschaftswährung.

Es sei nicht "gottgegeben", dass der Euro für immer genau die gleichen Mitglieder habe wie heute. "Aber", so Buffet "es ist gottgegeben, dass die Euro-Länder mit der Zeit kompatible Arbeitsgesetze, Fiskaldefizite, und ein generelles Wirtschaftsmanagement entwickeln müssen, die eben nicht dazu führen, dass es einen Ausreißer gibt, der das Spiel nicht so spielt, wie es die Regeln eigentlich vorgeben", so Mr. Buffet.

Strukturelle Probleme im Fokus

Der Euro sei von dem Moment an, an dem er ins Leben gerufen wurde, mit strukturellen Problemen behaftet gewesen, konstatierte Buffett. Er sei deshalb von Anfang an skeptisch gewesen sei, was den Euro anginge. Trotzdem müsse das nicht zwangsläufig das Ende des Euro-Raums bedeuten. Wörtlich lautet das Fazit von Mr Buffett:

"Der Euro ist nicht tot und wird es vielleicht nie sein."

Katastrophale Folgen einer Rückkehr zur Drachme?

Ganz anderer Ansicht ist indes der Analyst Dimitrios Gkiokas in Sachen Grexit. Seiner Meinung nach würde eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme katastrophale Folgen für das Krisenland haben. Laut Gkiokas sei es mittlerweile so, dass das Umfeld und politsche Klima in Greichenland mittlerweile so sei, dass ein signifikanter Anteil von Funktionären der beiden Koalitionsparteien der griechischen Regierung sich offen für die Drachme und gegen jede beliebige Form einer Reform aussprechen würde. Obwohl die Mehrheit der griechischen Bürger stabil bei der europäischen Orientierung des Landes verbleiben würde und den Euro als Währung zu haben wünsche, sei der Anteil der Menschen gestiegen, die sich hinsichtlich eines möglichen Übergangs zur Drachme gleichgültig zeigen und glauben, ihr Lebensniveau werde sich dadurch nicht ändern.

Schmerzhafte Folgen

Und Herr Gkiokas schreibt in dem Kontext Klartext im Hinblick auf die schmerzhaften Konsequenzen des Grexit. Konkret zählt er zwölf harte Folgen auf. Es sei zunächst eine dramatische Abwertung der Drachme gegenüber den anderen Währungen. Der Kurs könnte auf über 1000 Drachmen/1 Euro steigen. Ein eventueller Versuch der Anbindung der Drachme an den Euro und eine Verriegelung des Kurses sei wegen der riesigen Kapitalflucht und der Erschöpfung der Devisenreserven zum Scheitern verurteilt. Er verweist in dem Kontext auf auf das Negativ-Vorbild Argentinien.

Inflation schnellt in die Höhe

Als Folge dieser dramatischen Abwertung der neuen griechischen Währung werde es dann zu einer regelrechten Explosion der Inflation bei den Hellenen kommen. Und hier geht es um sage und schreibe 40 Prozent und mehr Teuerungsrate. Eine gigantische Schrumpfung der Kaufkraft der Bürger wäre die Folge. Eine massive Kapitalflucht und der steile Anstieg der nicht bedienten Kredite werde dann der Gnadenschuss für das schwache Finanzsystem des Landes sein. Ein Zusammenbruch des Finanzsystems wäre die Folge. Die Liquidität für die reale Wirtschaft würde austrocknen.

Dramtischer Einbruch der Wirtschaft

In einem solchen Fall werde es eine Zeit lang die Einfrierung der Zahlung von Löhnen und Gehältern geben. Ferner seien die Folgen eines daraufhin sehr wahrscheinlich folgenden gesellschaftlichen Aufruhrs unvorhersehbar. Das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) würde auf ungefähr 2/3 des heutigen Niveaus schrumpfen. Die öffentliche Verschuldung Griechenlands in Höhe von 322 Mrd. Euro werde automatisch analog zu der Höhe der Abwertung der Drachme steigen.

Neues Rettungspaket nötig

Weiter prognostiziert er ein neues Rettungspaket mit sehr belastenden Maßnahmen zur fiskalischen Konsolidierung als Folge. In dem Falle würde es nur um ein IWF-Paket gehen, so Gkiokas. Ferner seien enorme Probleme aufgrund eines möglichen Zinsanstiegs dann zu befürchten. Dies gelte nicht nur für die private Verschuldung. Der Anstieg der Zinsen werde ebenfalls die Kapitalschöpfung seitens der Unternehmen unbezahlbar machen. In dem Umfeld käme dann hinzu dass die Importunternehmen abgewürgt würden. Dies sei eine Folge der Abwertung der Drachme und einer eingeschränkten Kreditvergabe.

Importwaren werden knapp

Folglich würde dieses Unvermögen zu Importen auf dem Markt einen Mangel an Basisgütern führen. Griechenland sei ja - wie bekannt - bei Rohstoffen nicht autark und müsse seine Bedürfnisse (z. B. bei Weizen, Milch, Fleisch) durch Importe aus dem Ausland decken.

Ausverkauf zu befürchten

Darüber hinaus befürchtet Herr Gkiokas, dass in Folge eines Grexit eine regelrechte Invasion ausländischer Investoren bevorstehen würde. Er bezeichnet diese Investoren als Geier, die die Unternehmen, Immobilien und Teile des öffentlichen Vermögens zu absoluten Ramschpreisen erwerben wollen würden. Es werde seiner Meinung nach also zu einem absoluten Ausverkauf des Landes kommen. In dem Kontext befürchtet er nicht zuletzt eine diplomatische und wirtschaftliche Isolation der Hellenen. Gerade im Hinblick auf die geopolitische Entwicklung, insbesondere im Verhältnis mit eventuellen Provokationen von unversöhnlichen Nachbarn - Stichwort Türkei - wäre dann die griechische Position geschwächt.

Wie auch immer das Drama um Griechenland letztlich enden wird, fest steht jetzt schon, dass es zu gewaltigen Veränderungen kommen wird.

Grexit: Mögliche Folgen für Griechenland
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [1]
  • von Richter | 05.05.2015, 16:59 Antworten

    Die Griechen hatte zahllose Chancen.Ich kann keinerlei Verständnis für dieses Land aufbringen.

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