Stand: 15.10.2014 von Mr. Gini 2 Kommentare

Schon im Global Wealth Report 2014 der Allianz SE wurde klar herausgearbeitet, dass die Griechen wahrlich "arm" dran sind. Das Finanzvermögen pro Kopf liegt nicht einmal bei einem Zehntel dessen, was die Schweizer pro Kopf besitzen.

Griechenland wirklich auf "gutem" Weg?

Gleichzeitig betonen die verantwortlichen Euro-Retter in Brüssel und Berlin fast schon gebetsmühlenartig, dass sich Griechenland auf dem Weg der Erholung befinden würde. Angeblich sei das krisengeplagte Land nun dabei, die Krise hinter sich zu lassen und zurück zur "Normalität" zu kehren. Traurige Wahrheit ist aber, dass die "neue Normalität" für Millionen normaler Bürger in Griechenland nichts anderes als bittere Armut bedeutet. Das griechische Parlament veröffentlichte erst jüngst einen alarmierenden Bericht zur sozialen Lage im Lande.

6,3 Millionen Bürger an oder unter der Armutsgrenze

Jedenfalls war das Ergebnis des Berichts alles andere als "beruhigend". Sehr, sehr vorsichtig formuliert. Also, laut dem vernichtenden Bericht des Parlaments leben in Griechenland fast 6,3 Millionen Bürger unter der Armutsgrenze oder sind von Armut bedroht. Die Einwohnerzahl des Landes im Süden der Euro-Zone liegt aktuell bei etwa 10,8 Millionen. Ja, gut 58 Prozent der Gesamtbevölkerung trifft die Krise bitterhart. Anders formuliert, die neue Normalität ist für sehr viele Menschen zum Albtraum geworden.

Der Bericht kommt zum Fazit, dass das "gesellschaftliche Gerüst des Landes in einem signifikanten Grad demontiert sei. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern, in denen soziale Proramme zur Linderung sozialer Ungleichgewichte eingeführt worden seien, würde es eine solche Abfederung in Griechenland nicht geben. Wortwörtlich heisst es in dem Bericht:

"Das Bedürfnis der Bürger nach sozialer Fürsorge ist intensiv, während das Angebot seitens des Staates von Sporadität und Fehlfunktionen der Verwaltung gekennzeichnet ist. Das vorhandene Netz der sozialen Sicherheit ist von Ineffizienz geprägt. Es ist akut kein Ausgleich für die Einkommensverluste aus der tiefen Wirtschaftskrise vorgesehen."

2,5 Millionen Griechen leben unter der Armutsgrenze

Dem Bericht des griechischen Parlaments zufolge leben 2,5 Millionen Menschen in Griechenland unterhalb der finanziellen Grenze der relativen Armut auf Basis des Einkommens eines Durchschnittshaushalts. Im Jahr 2013 lag die Armutsgrenze bei 432 Euro im Monat für eine Einzelperson und 908 Euro für eine vierköpfige Familie.

Bittere Wahrheit ist auch, dass sich die Preise keinesfalls nach unten angepasst haben. Durch diverse Regierungseingriffe ist es so, dass bei vielen Artikeln, auf die schlechterdings kaum verzichtet werden kann, das Preisniveau auf dem Niveau Deutschlands oder sogar darüber liegt. Hier sei nur als kleines Beispiel erwähnt, dass der Preis für einen Liter Super-Benzin bei sage und schreibe 1,70 Euro liegt.

Griechenland Armutsgrenze
Die Mehrzahl der Griechen lebt an oder unterhalb der Armutsgrenze

Hohe Arbeitslosigkeit in Griechenland

Zweifelsohne fällt es für die extrem vielen Arbeitslosen immer schwerer, über die Runden zu kommen. Dem Parlamentsbericht zufolge waren im ersten Quartal 2013 1,355 Millionen Menschen offiziell als arbeitslos registriert. Davon bezogen aber nur 233.000 Arbeitslose das Arbeitslosengeld. Die Problematik dürfte sich seither kaum verbessert haben. Im Gegenteil, den jüngsten Eurostat-Daten zufolge liegt die offizielle Arbeitslosenquote in Griechenland bei um die 27 Prozent. Die Jugendarbeitslosikeit ist deutlich höher. Hier liegen wir bei Werten von deutlich über 50 Prozent.

Ja, die Lage in Griechenland ist weiter äußerst angespannt und schwierig. Die letzten Krisenjahre haben extreme soziale Verwerfungen hervorgebracht. Es wäre wahrlich ein Wunder, wenn sich das Euro-Land aus diesem Abwärtsstrudel aus eigener Kraft befreien könnte. Vielleicht, vielleicht werden die sozialen Spannungen ja so gross, dass sich die Griechen dafür entscheiden, aus dem strengen und harten Korsett des Euro (temporär) zu entfliehen.

Austritt aus Euro-Währungsunion und "Marshall-Plan"?

Prof. Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut in München bezeichnete in einem Interview mit der Zeitung "Welt" schon im Mai 2013 die Lage in Griechenland als Katastrophe für die Menschen. Er forderte indes, dass nach dem Austritt aus der Währungsunion ein Marshall-Plan für das Land etabliert werden müsste. Zweifelsohne, Herr Sinn hat recht. Griechenland braucht sofort einen Marshall-Plan. Ob mit oder ohne Euro.

Viele Griechen an und unterhalb der Armutsgrenze
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [2]
  • von Matic | 16.10.2014, 13:01 Antworten

    Hätten von Anfang nicht den Euro bekommen sollen. Hinterher wissen es natürlich alle besser, klar, einerseits. Andererseits irgendwo logisch, wenn man starke Wirtschaftsnationen mit strukturell schwachen Ländern währungspolitisch "in einen Topf" wirft...
    Traurig das ganze. Die Oberen zocken und verprassen das Geld, lassen sich von Großbanken wie Goldman Sachs mit billigem Geld versorgen und die Bevölkerung, die mit der Zockerei nichts zu tun hatte, darf es ausbaden...

  • von Max B. | 16.10.2014, 13:14 Antworten

    Neoliberalismus und die sukzessive Verarmung der Massen gehen Hand in Hand. Die Fluten, die Neoliberalismus und Euro implizieren werden die Massen in die brutalste Verelendung seit Jahrhunderten treiben.

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