Stand: 13.04.2016 von Mr. Gini 0 Kommentare

In diesen Tagen ist einmal mehr Griechenland massenmedial im Fokus. Aber nicht nur der Flüchtlingskrise wegen. Jüngst war es der Bundesfinanzminister, Herr Schäuble, der mit Blick auf die griechische Schuldenkrise in der ARD, genauer gesagt im "Bericht aus Berlin", einige Aussagen wagte.

Also, einmal mehr ist Herr Schäuble wohl davon überzeugt, dass die internationalen Geldgeber und Griechenland bei ihren Verhandlungen über die Fortsetzung der Finanzhilfen für Athen eine Einigung erzielen werden. Dabei komme ein Schuldenerlass laut Schäuble nicht in Betracht. Der deutsche Finanzminister verwies in dem Kontext darauf, dass die Kredite an Griechenland bereits jetzt Laufzeiten von bis zu 35 Jahren hätten und die Zinsen für die nächsten zehn Jahre gestundet seien. Wörtlich merkte er an:

"Wir werden auch diesmal wieder eine Lösung finden. Wir werden in den nächsten Wochen eine Lösung finden - aber die hat nichts mit Schuldenerlass zu tun, sondern damit, dass Griechenland auf dem Weg, zu einer (...) wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu kommen, mehr leisten muss."

Apropos "wettbewerbsfähige Wirtschaft ". Da scheint in Griechenland, das nach wie vor in einer extremen Wirtschaftskrise verharrt, bei vielen Unternehmen gerade das Licht auszugehen. Wie jüngst zu erfahren war (siehe hier: http://www.griechenland-blog.gr/2016/03/explosion-der-unternehmensschliessungen-in-griechenland ), schnellte im ersten Quartal 2016 die Zahl der Firmenschließungen signifikant nach oben. Und zwar um gut 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2015. Um die 10.000 Firmen beendeten den Geschäftsbetrieb. Das ist schon mehr als nur beachtlich. Damit überstieg dem Bericht zufolge die Zahl der Schließungen die Zahl der neu gegründeten Unternehmen deutlich. Und zwar um gut 4.000. Allem Anschein nach wanderten viele ins Ausland ab; wiederum andere verabschiedeten sich vollends in die Schattenwirtschaft. Gut möglich, dass die wahre Zahl der Geschäftsaufgaben noch deutlich höher liegt. Der Bericht beruft sich insofern nur auf Zahlen des amtlichen griechischen Handelsregisters. Viele würden ihren Geschäftsbetrieb einfach beenden, ohne dies zu melden. Grund hierfür sei die Schuldenlast der Unternehmen gegenüber Fiskus, Versicherungen, Banken und Lieferanten.

Katastrophales Umfeld

Die hohe Zahl der Geschäftsaufgaben verwundert in dem Krisenland auch nicht wirklich. Die tektonischen Verwerfungen sind jedenfalls extrem. Vielleicht ist dies dem deutschen Minister nicht wirklich bewusst, wenn er über Griechenland spricht. Wie auch immer, in den Jahren der extremen Krise, also zwischen 2009 und 2015 verkamen die realen Durchschnittseinkommen (mehr dazu unter: hhttp://www.griechenland-blog.gr/2016/04/enorme-umverteilung-der-einkommen-in-griechenland ) um sage und schreibe 28,1 Prozent. Das ist schon ein monumentaler Rückgang. Die nominalen Bruttobezüge der Arbeitnehmer fielen um mehr als ein Vierteil (Minus 26,1 Prozent). Höchst beachtlich auch, dass unter der extremen Krise auch die Arbeitsproduktivität litt. Hier kam es zu einem Rückgang von mehr als zehn Prozent im oben genannten Zeitraum.

Einkommen aus Arbeit brechen weg

Höchst spannend auch, dass die Kapitaleinkommen (zum Beispiel Kursgewinne, Dividenden, Zinsen) zwar auch nachgeben; aber weniger stark als die Einkommen der Arbeitnehmer bzw. Selbständigen. Die Einkommen aus Arbeit (Löhne und veranschlagte Arbeitsvergütung Selbständiger, nach Entrichtung der Versicherungsbeiträge und vor Zahlung der Einkommensteuer) gingen von 17,2 Mrd. Euro im letzten Quartal 2009 auf 10,7 Mrd. Euro im dritten Quartal 2015 zurück. Der Rückgang kann schon als epochal bezeichnet werden. Ein Minus von 6,5 Mrd. Euro bzw. 38 %. spricht nicht mehr nur für eine normale Krise. Deflationäre Depression ist insofern die eher passendere Umschreibung.Die Kapitaleinkommen gingen im selben Zeitraum zwar auch zurück. Aber bei weitem nicht so stark. Und zwar von 19,8 Mrd. Euro im letzten Quartal 2009 auf 17,2 Mrd. Euro im dritten Quartal 2015. Hier betrug das Minus also nur gut zehn Prozent.

In der Tat, wenn dem tatsächlich so sein sollte, läge hier eine extreme Unwucht vor. Die Kapitaleinkommen wären demnach deutlich höher als die Einkommen der Arbeitnehmer und Selbständigen aus Arbeit. Wohl gemerkt, dabei handelt es sich um "amtliche" Zahlen.

Gut möglich, dass der Aderlass bei den Einkommen aus Arbeit doch nicht so extrem ausfällt. Spannend zu wissen wäre, wie groß nun das wirkliche Volumen der Schattenwirtschaft ist. Hier gibt es ja Schätzungen, die davon ausgehen, dass mehr als ein Fünftel der Wirtschaftsleistung "schwarz" abgerechnet wird.

Naja, nicht umsonst werden die Griechen ja als Weltmeister der Schwarzarbeit (siehe hier:http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article207001719/Die-Griechen-sind-die-Weltmeister-der-Schwarzarbeit.html ) bezeichnet....

Griechenland - nicht nur der Flüchtlinge wegen im Fokus
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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