Stand: 16.07.2016 von Mr. Gini 0 Kommentare

In diesen Post-Brexit-Referendums-Tagen steht momentan die Sorge um die Stabilität der Banken im kriselnden Italien ganz oben auf der Agenda. Mal sehen, ob und wann hier die nächste Rettungsaktion anstehen wird.

Derweil gerät massenmedial das extreme Krisenland Griechenland völlig aus dem Fokus der führenden Medien. Nur ab und an wird etwas über das Desaster, das sich seit Jahren ungebremst und mit voller realwirtschaftlicher Härte abspielt, berichtet. Nach wie vor ist die Lage vor Ort wohl weitaus dramatischer und schlechter als viele es vermeintlich vermuten.

Bau bricht völlig weg

Während in deutschen Landen dank extrem tiefer Zinsen und Zuwanderung ein regelrechter Bauboom, ja fast schon Bauwut grassiert, herrscht bei den Griechen ja schon seit Jahren einzig und allein Tristesse vor. Erst jüngst gab das offizielle Statistikamt der Hellenischen Republik, ELSTAT, dass die Baugenehmigungen im April des Jahres 2016 erneut rückläufig waren. Und zwar um 5,3 Prozent in Relation zum April des Vorjahres 2015. Damit ist die Zahl der in ganz Griechenland erteilten Baugenehmigungen auf nur noch kärgliche 1031 gefallen. Sehr, sehr wenig. Zum Vergleich, im Gesamtjahr 2015 fiel die Zahl der Baugenehmigungen auf 13.257. Wie extrem, ja, wie krass der Leidensweg der Griechen seit dem Ende des Baubooms ist, ist schon mehr als nur bezeichnend. Im Jahr 2005, also vor mehr als zehn Jahren, lag die Zahl der Baugehmigungen noch bei fast 100.000. Ein derart extremer Absturz auf ein Niveau von gut 13.000 zeigt klar auf, wie schlecht es um das Land wirklich bestellt ist.

Fallende Immobilienpreise

Aber nicht nur der Blick auf die Baugenehmigungen zeigt, wie ernst die Lage ist. Auch die Immobilienpreise kennen seit Jahren nur noch eine Richtung. In deutschen Landen geht es seit 2010 – speziell in den boomenden Ballungsräumen wie München – ja nur noch nach oben. Bei den Griechen sinken nun schon seit acht Jahren die Preise. Jüngst veröffentlichte die Zentralbank Griechenlands, die Bank of Greece, die jüngsten Daten zur Entwicklung im ersten Quartal. Also, demnach sind die Preise im ersten Quartal 2016 um weitere gut fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen. Das Hoch bei den Immobilienpreisen wurde bei den Griechen ja im Jahr 2008 festgestellt. Seither gehen die Preise ja nur noch nach unten. Mittlerweile schon um mehr als 42 Prozent. Und ein Ende der Abwärtsspirale ist weit und breit nicht in Sicht.

Größte Supermarktkette insolvent

Dafür spricht auch, dass es den Unternehmen nach wie vor sehr, sehr schlecht geht. Von Aufschwung kann keine Rede sein. Erst jüngst wurde bekannt, dass die größte Supermarktkette des Landes, Marinopoulos, den Gang zum Insolvenzgericht antreten musste. Schon seit April diesen Jahres fegt eine Pleitewelle durch das Krisenland. Die Prognosen für das zweite Halbjahr sind in Anbetracht der Insolvenz von Marinopoulos alles andere als positiv. Der Konzern war nämlich nicht wirklich ein Winzling. Bis zum Jahr 2012 war Carrefour aus Frankreich mit 51 Prozent am Unternehmen, das sage und schreibe 13.000 Beschäftigkte hatte, beteiligt.

Der starke Rückgang des Konsums, zusammen mit dem Rückzug von Carrefour, hinterlassen nun einen riesigen Scherbenhaufen. Immerhin hat das Unternehmen laut NZZ einen Schuldenberg von zwei Milliarden Euro angehäuft. Allein die Verbindlichkeiten der Kette, die 500 Filialen hatte, belaufen sich gegenüber den knapp 2000 landwirtschaftlichen Betrieben und sonstigen Lieferanten auf gut 700 Millionen Euro. Anders formuliert, es ist wohl nicht unwahrscheinlich, dass die Marinopoulos-Pleite viele weitere Probleme, ja auch Insolvenzen nach sich ziehen wird. Unweigerlich.

Ja, das zweite Halbjahr 2016 könnte für die griechische Wirtschaft sehr schwierig werden. Und es ist nicht wirklich unwahrscheinlich, dass die realwirtschaftliche Talfahrt sich noch weiter beschleunigen wird. Und damit wären wir wieder beim Thema Grexit. Die Thematik könnte schneller wieder auf die Agenda kommen als viele es vermuten. Wir werden es sehen...

Griechenland - Realwirtschaftlich verheerende Lage
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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