Stand: 06.05.2015  0 Kommentare

Sie sind am Eiltempo an die Macht gekommen, haben mit neuen Tönen für Aufsehen gesorgt: Doch 100 Tage nach der Übernahme der Regierung durch das Linksbündnis Syriza hat sich wenig getan in Griechenland. Im Gegenteil: Mit Krawall-Rhetorik und leeren Versprechungen hat sich die Regierung ins Abseits gespielt. Die Zeit für eine Rettung des pleitebedrohten Landes wird knapp, wie die jüngsten Hilferufe aus Athen zeigen.

Am Abend des 25. Januar, als die ersten Hochrechnungen der Parlamentswahl in Griechenland über die Bildschirme flimmerten, stand fest: Zwischen Athen und Berlin wird künftig ein anderer Wind wehen. Mit 36,34 Prozent sicherte sich das Linksbündnis "Syriza" die Macht - und hält seine europäischen Partner seitdem mit immer neuen Forderungen und Drohungen in Atem.

Seit dem sensationellen Wahlsieg von Alexis Tsipras sind inzwischen 100 Tage vergangen - und die Bilanz der Arbeit der neuen Führung fällt ernüchternd aus: Vom hohen Tempo der Regierungsübernahme - Tsipras ließ sich im Rekordtempo vereidigen - ist nicht viel übrig geblieben. Im Gegenteil: Am Tag der traditionellen "Hundert-Tage-Bilanz" sind die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern eskaliert. Der IWF hat gegenüber den Finanzministern der Eurozone damit gedroht, die nächste Hilfstranche platzen zu lassen, wenn die europäischen Geldgeber den Griechen nicht zumindest einen Teil ihrer Schulden erlassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel steht unter Druck - sie hatte bislang bekräftigt, dass es einen weiteren Schuldenschnitt nicht geben würde.

Wirtschaftswachstum rutscht ins Minus, Schulden wachsen

Seit der Machtübernahme wird Griechenlands Premier Alexis Tsipras nicht müde, ein Comeback der griechischen Wirtschaft zu prophezeien. Inzwischen hat ihn die EU-Kommission jedoch auf den Boden der Tatsachen zurück geholt - und ihren Wachstumsausblick für das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland deutlich gesenkt. Die Frühjahrsprognose sieht nur noch ein Plus der Wirtschaftsleistung von 0,5 Prozent vor, bislang war die Kommission von 2,5 Prozent ausgegangen. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass statt eines anvisierten Primärüberschusses von drei Prozent ein Minus von 1,5 Prozent bevor steht - die griechischen Schulden werden also weiter wachsen.

Liquidität: Wann dreht die EZB den ELA-Hahn zu?

Die "Emergency liquidity assistance" ist als absoluter Notkredit für pleitebedrohte Banken gedacht - und inzwischen zur letzten Geldquelle geworden, welche Griechenland regelmäßig anzapfen darf. Zuletzt wurde die ELA-Grenze am 29. April auf 76,9 Milliarden Euro erhöht, damit erhielten die griechischen Banken zusätzliche 1,4 Milliarden Euro. Doch die Banken bluten aus, die Griechen vertrauen ihrer Regierung offenbar nicht mehr. Zwischen Dezember 2014 und März 2015 haben sie über 25 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben. Und langfristig wird sich Griechenland nicht auf die EZB-Finanzspritzen verlassen können - sobald die Geldhäuser als instabil gelten, dürfen keine ELA-Kredite mehr fließen.

Staatshaushalt: Tricks halten Staat noch über Wasser

Warum ist am Ende des Geldes noch soviel Monat übrig? Dieses Sprichwort gilt nicht nur für einige Deutsche, sondern derzeit ganz besonders für den griechischen Staat. Wiederholt stand die fristgerechte Bezahlung der Verpflichtungen Griechenlands und der Löhne der Staatsbediensteten auf der Kippe. Inzwischen mussten Rentenkassen und öffentlich-rechtliche Unternehmen dem Staat ihre Gelder überlassen - eine sozialstaatliche Bankrotterklärung.

Und im Mai könnte es vorbei sein mit der finanzpolitischen Flickschusterei: Bis zum 12. Mai muss Griechenland insgesamt 970 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Die Kommunikation der Regierung hat sich merklich verändert - wurden bisher stets die fristgerechten Zahlungen "garantiert", bekräftigt die griechische Regierung nun lediglich den "Willen", alle offenen Zahlungen termingerecht zu begleichen. Eine Garantie gibt es nicht mehr.

Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany