Stand: 04.02.2014 von 0 Kommentare

Sie haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, trotzdem dürfen sich die Griechen wohl schon bald auf frisches Geld freuen - zwischen 10 und 20 Milliarden Euro könnten im Rahmen eines dritten Rettungspakets fließen. Das Geld wird offenbar dringend gebraucht. Unterdessen brechen die Börsen ein - und Gold kämpft sich zurück zu neuer Stärke.

Lange Zeit waren es nur Gerüchte - doch wie schon bei den früheren Griechenland-Hilfspaketen wurde auch jetzt so lange abgestritten, bis die Wahrheit ans Licht kam: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant nach Informationen des "SPIEGEL " ein drittes Hilfspaket für Griechenland. Geplant sind beispielsweise ein weiterer Schuldenschnitt oder ein "begrenztes Anschlussprogramm", bei dem Griechenland frisches Geld aus dem europäischen Rettungsfonds ESM bekommen würde. Zwischen 10 und 20 Milliarden Euro soll Griechenland auf diesem Weg bekommen - der Betrag fällt bei den bisherigen Hilfszusagen von rund 237 Milliarden Euro kaum ins Gewicht. Allerdings soll Athen das Geld nur erhalten, wenn die zugesagten Reformen energischer umgesetzt werden. Bisher wurden weniger als die Hälfte der zugesagten Reformmaßnahmen abgeschlossen. Ursprünglich waren sich der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einig, dass ein drittes Hilfspaket für Griechenland nicht nötig sein werde. Samaras hatte bekräftigt, sein Land ohne fremde Hilfe aus der Krise zu führen.

Dass ein weiteres Rettungspaket für Griechenland erst jetzt auf die Agenda rückt, ist erstaunlich - schon lange stand fest, dass Griechenland trotz Haircut erneut in der Schuldenfalle versinkt - ohne einen neuen Schnitt gibt es nach einem Korrespondentenbericht der "Deutschen Welle " kein Entkommen. In dem Artikel werden einige unangenehme Fakten genannt: So soll Griechenland mal wieder bei den offiziellen Zahlen geschummelt und in den letzten Wochen des alten Jahres einfach keine Rechnungen mehr bezahlt haben, um einen Primärüberschuss im Staatshaushalt zu erreichen. Dieser ist nötig, um in diesem Frühjahr wieder selbst Geld an den Finanzmärkten zu leihen. Die Schuldenlast bleibt jedoch auf einem Rekordstand, den die Regierung auf absehbare Zeit nicht abtragen kann. Und anders als zu Beginn der Griechenland-Krise liegt der größte Teil der Schulden nun in öffentlichen Händen und bei der Europäischen Zentralbank. Spätestens, wenn das Land wieder die alten Schuldenstände vor dem ersten Haircut erreicht hat, müssten auch die öffentlichen Gläubiger über einen Schuldenschnitt nachdenken. Inzwischen werden erste Forderungen nach einer Schuldenkonferenz laut, wie es sie bereits 1952 in London zu Deutschland gegeben hat.

Mit Sorge blicken viele Anleger derzeit in Regionen, die in der Weltwirtschaft gern vergessen werden - und nun auch die wirtschaftliche Entwicklung hierzulande belasten könnten: Die in einigen Schwellenländern ablaufenden Turbulenzen deuten einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung " zufolge auf den Beginn einer neuen Phase der noch nicht überwundenen globalen Finanzkrise hin - diesmal ist es "eine Krise der aufstrebenden Länder". Die NZZ erklärt, dass jahrelang Milliardensummen in Länder wie Indien oder die Türkei geflossen sind, wodurch Überinvestitionen und Überhitzungen entstanden sind. Und damit nicht genug: Der Reformbedarf wurde schlicht verschlafen. Seitdem die US-Notenbank ihre geldpolitische Lockerung schrittweise zurückfährt, wird das Geld in Erwartung steigender Zinsen aus den Schwellenländern abgezogen. Die Folge: Turbulenzen an den nationalen Aktienmärkten. Argentinien steht im Fokus der Anleger, die türkische Lira sackt immer weiter ab. Und diese beiden Länder sind längst nicht die einzigen Sorgenkinder: Indien, Indonesien und Südafrika stehen auch auf der Liste der Problemfälle. Sogar in den Krisenländern der Eurozone waren Auswirkungen zu spüren, in Portugal, Griechenland, Spanien und Italien zogen die Risikoprämien zweistellig an.

Ob sich die Erwartungen der US-Notenbank Fed an eine Zunahme des Wirtschaftswachstums erfüllen, bleibt zweifelhaft: Die US-Konjunktur hat einem Bericht der Tageszeitung "DIE WELT " zufolge zum Jahresende an Tempo verloren, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im vierten Quartal nur um 3,2 Prozent - im vorherigen Quartal lag das Wachstum noch bei 4,1 Prozent. Im gesamten Jahr lag das BIP bei lediglich 1,9 Prozent, im Vorjahr waren es noch 2,8 Prozent. Allerdings bekräftigte die neue Fed-Präsidentin Janet Yellen ihren Kurs: "Ich denke, wir werden dieses Jahr ein stärkeres Wachstum erleben", sagte Yellen dem "Time Magazine". Dementsprechend wird der Ausstieg aus den geldpolitischen Lockerungen fortgesetzt. Nicht gerüttelt wird hingegen am niedrigen Leitzins von 0,25 Prozent.

Zugegeben, Rekord-Prognosen für den Goldpreis wirken nach dem Kursrutsch des vergangenen Jahres wenig vertrauenswürdig - doch jetzt wagt sich ein Wirtschaftsjournalist mit einer wohlüberlegten und auffälligen Prognose nach vorn: Markus Bußler beschreibt in der Zeitschrift "Der Aktionär ", warum der Goldpreis auf 7.000 Dollar pro Feinunze steigen könnte. Er verweist auf Jim Rickards, Investmentbanker und Buchautor, der glaubt dass Gold in physischer Form sehr schnell vom Markt verschwinden werde. Das Gold verlässt den Westen und wandert in den Osten. Während die ETFs verkaufen, kaufen die Zentralbanken im Osten. "Das Gold wechselt also von schwachen in starke Hände", erklärt Bußler. Er vermutet, dass auf mittlere Sicht der Papiergoldmarkt nicht vom physischen Markt abgekoppelt werden kann, was für steigende Goldkurse sorgen könnte. "7.000 Dollar erscheinen natürlich utopisch, völlig illusorisch und schon beinahe realitätsfremd. Aber angesichts der Ausgangslage kann Gold tatsächlich zu einer enormen Rallye ansetzen", prognostiziert der Wirtschaftsjournalist und verweist unter anderem auf den ungebremsten Goldhunger in China.

Der Goldpreis erholt sich auch im Februar von seinen starken Verlusten des vergangenen Jahres - der Goldpreisrutsch von 2013 ist allerdings noch immer ein wichtiges Thema im Marktgeschehen. Erfahrene Anlagestrategen wie Dirk Müller lassen sich von dieser Durststrecke allerdings nicht beirren - sie bleiben dem "sicheren Hafen" treu: "Meiner Meinung nach gehört Gold weiterhin in jedes Depot - nicht, um damit eine riesengroße Rendite zu erwirtschaften, sondern, um etwas zu haben, das nie wertlos wird", erklärt Müller gegenüber dem Internetportal "finanzen.net " und verrät, dass er seit 2002 regelmäßig in Edelmetalle investiert. Zwar habe er zwischen 1.600 und 1.900 Dollar pro Feinunze nicht nachgekauft, die Korrektur am Goldmarkt ist seiner Meinung aber eine Chance zum Nachkaufen. Müller rät dazu, 10 bis 20 Prozent des liquiden Anlagevermögens in Edelmetalle anzulegen. Er glaubt nicht, dass der Goldpreis weiter fallen kann. Derzeit drückt vor allem die vor einigen Tagen verkündete Drosselung der Anleihekäufe durch die Fed den Goldpreis. Dirk Müller sieht hier allerdings kein echtes Problem: "Die expansive Notenbankpolitik wird weitergehen, wir werden deshalb in 2014 noch extrem niedrige Zinsen haben. Daran wird auch die jüngste Entscheidung der US-Notenbank Fed nichts ändern, die massiven Käufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren um weitere 10 Milliarden US-Dollar pro Monat zu drosseln." Er glaubt, dass eine allzu schnelle Abkehr von der lockeren Geldpolitik die massive Kapitalflucht aus den Schwellenländern weiter befeuern könnte, wodurch die globalen Finanzmärkte wieder in den Abgrund gerissen werden könnten. Im Interview mit "finanzen.net" geht Müller auch auf die Hausse an den Aktienmärkten ein - hier vermutet er erhöhtes Gefahrenpotenzial: "Das Problem ist, dass diese Hausse nicht auf die gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen ist, sondern weitestgehend auf der lockeren Geldpolitik der Notenbanken beruht." Er erwartet keine Blase, hält die Unternehmen allerdings für "sportlich bewertet".

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