Stand: 05.06.2020 von Hannes Zipfel
Die Geldschwemme zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen durch das Coronavirus hält unvermindert an. In dieser Woche legte die Europäische Zentralbank mit der Aufstockung des Pandemic Emergency Purchase Programms um 600 Mrd. Euro und die Bundesregierung mit einem Konjunkturpaket über 130 Mrd. Euro nach.
Großes Konjunkturpaket und neue EZB-Bazooka

Senkung der Mehrwertsteuer kommt auch Käufern von Edelmetallen zugute

Insgesamt 57 Einzelmaßnahmen im Gesamtvolumen von 130 Mrd. Euro umfasst das gestern von der Bundesregierung vorgestellte neue Fiskalpaket. Eine dieser Maßnahmen ist die Absenkung des regulären Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 16 Prozent und des ermäßigten Satzes von sieben auf fünf Prozent vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020. Allein diese temporäre Steuersenkung kostet den Fiskus 20 Mrd. Euro.

Da auch bei dem Erwerb der Weißmetalle Silber, Platin und Palladium Mehrwertsteuer (MwSt.) entrichtet werden muss, profitieren auch Edelmetallinvestoren von diesem Stimulus.

Der Kostenvorteil variiert jedoch:

  • Für Silberbarren sowie Münzen und Barren aus Platin- und Palladium verringert sich die MwSt. von 19 auf 16 Prozent.
  • Bei Silbermünzen kommt die Differenzbesteuerung zur Anwendung, weshalb sich die Ersparnis geringer darstellt. Händlern, die Silbermünzen aus Nicht-EU-Ländern, wie zum Beispiel Kanada, importieren, müssen lediglich auf die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis die MwSt. an den Fiskus abführen. Dennoch werden auch Silbermünzen, wie die kanadische Maple Leaf, ca. zwei Prozent günstiger.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Händler die Steuersenkung an die Edelmetallkäufer weitergeben, ist aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks in Deutschland sehr wahrscheinlich. 

Sogenanntes Anlagegold ist wie bisher von der MwSt. komplett befreit. Dabei handelt es sich per Definition des deutschen Umsatzsteuerrechts um Goldbarren mit einem Feingehalt von mind. 99,5 Prozent (995er Gold) oder Goldmünzen mit einem Feingehalt von 90 Prozent (900er Gold), die nach dem Jahr 1800 geprägt wurden, gesetzliches Zahlungsmittel im Ursprungsland sind oder waren und üblicherweise zu einem Preis von nicht mehr als 180 Prozent des Wertes ihres Goldgehaltes verkauft werden.

Europäische Zentralbank erweitert und verlängert "PEPP"

Ebenfalls am gestrigen Donnerstag gab die Europäische Zentralbank (EZB) weitere, die Konjunktur stützende Maßnahmen bekannt. Die EZB erwartet nach eigenen Schätzungen für die Wirtschaft der Eurozone ein Minus von 8,7 Prozent im laufenden Jahr. 

Da in diese negativen Erwartung die bereits aufgelegten Hilfsprogramme mit eingerechnet sind, legte die EZB gestern nochmals nach:

Weitere 600 Mrd. Euro sollen in Anleihekäufe im Rahmen des Krisenprogramms "PEPP" (Pandemic Emergency Purchase Programme) fließen und dieses damit auf 1,35 Billionen Euro aufgestockt werden.

Auch die Laufzeit des Wertpapierkaufprogramms wurde um ein halbes Jahr bis mindestens Mitte 2021 verlängert. Bis Ende 2022 werden Zins- und Tilgungszahlungen der gekauften Anleihen zudem reinvestiert.

Eine weitere zeitliche und quantitative Aufstockung des "PEPP" behält sich die EZB gemäß ihrer Präsidentin Christine Lagarde vor, da selbst die nun aufgestockten Mittel voraussichtlich nur bis zum Februar kommenden Jahres ausreichen, um den Refinanzierungsbedarf von Staaten und Banken zu sichern.

Edelmetallpreise konsolidieren nach starkem Anstieg

Nach der V-förmigen Erholung der Preise für Gold und Silber blieben die Notierungen der monetären Edelmetalle in dieser Woche im Konsolidierungsmodus. Vor allem die durch den niedrigen Basiseffekt bedingte Erholung etlicher Konjunkturindikatoren lässt die Nachfrage vonseiten der Investoren aktuell etwas abflauen.

Positiv zu werten sind allerdings Meldungen, wonach in China sowohl die Nachfrage nach Silber in der Industrie als auch die private Nachfrage nach Gold und Silber im Zuge der Wiedereröffnung des Handels deutlich anstiegen. So wurden im Monat Mai gemäß der Daten der China Gold Association 54 Prozent mehr Gold verkauft als im April 2020.

Ein ähnlich dynamischer Nachholeffekt, vor allem im Schmuckhandel, ist auch in anderen Regionen der Welt im Zuge der Lockerungsmaßnahmen zu erwarten. Da parallel dazu die akkommodierende Geldpolitik mit überproportional steigender Geldmenge sowie Null- und Negativzinsen forciert wird, um die explodierende Schuldenlast öffentlicher und privater Haushalte tragbar zu halten, ergibt sich eine insgesamt konstruktive Perspektive für die Gesamtnachfrage nach Edelmetallen.

Eine Unze Gold kostet aktuell 1.710 US$/Unze – ein Wochenrückgang von 1,7 Prozent. In Euro notiert die Unze Gold aktuell bei 1.505 Euro und damit 52 Euro bzw. 3,3 Prozent günstiger als zum Wochenauftakt.

Silber kostet aktuell in US-Dollar 17,70 pro Unze und damit 1,6 Prozent weniger als zu Wochenbeginn. In Euro beträgt die Wochenveränderung -3,2 Prozent bei einem aktuellen Kurs von 15,58 pro Unze.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Joachim | 05.06.2020, 22:36 Antworten

Es ist ein Klassiker das Gold in den Jahren der US Wahlen in den Keller geht. aber nach November wird es einen neue schub für Gold geben und es wird mich nicht überraschen wenn Gold in den nächsten eins bis zwei Jahren die Rally wieder aufnimmt und locker die 4.000 Euro Marke übertreffen wird. Schade ist nur, dass die "Butter", dann auch einen zutreffenderweise, höheren Preis erwirtschaften wird. Wer kann sich das leisten?

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"