Gold: 1.545,80 € -0,02 %
Silber: 20,82 € -0,04 %
Stand: 05.07.2021 von Jörg Bernhard
In den ersten sechs Monaten entwickelte sich Silber deutlich besser als Gold. Während das gelbe Edelmetall seit Ende Dezember rund vier Prozent an Wert verloren hat, gelang seinem „kleinen Bruder“ Silber ein minimaler Kursgewinn von 0,1 Prozent (siehe Tabelle).
Halbjahresbilanz bei Gold und Silber

Performance im ersten Halbjahr 2021

Stand30.06.2021 Jahrestief Jahreshoch Performance2021
Goldpreis(USD) 1.761,65 1.682,69 1.950,15 -6,98 %
Goldpreis(EUR) 1.480,45 1.418,91 1.586,39 -3,86 %
CBOE-Goldvolatilitätsindex(GVZ) 15,97 14,26 22,16 -23,18 %
Silberpreis(USD) 25,78 24,02 29,00 -3,23 %
Silberpreis(EUR) 21,67 20,49 24,04 0,09 %
CBOE-Silbervolatilitätsindex(VXSLV) 29,47 27,57 64,98 -37,48 %
Dollarindex(Punkte) 92,44 89,44 93,30 2,79 %
Dow-Jones(Punkte) 34.502,51 29.856,30 35.091,56 12,73 %
DAX(Punkte) 15.531,04 13.310,95 15.802,67 13,21 %
Quelle:gold.de,cboe.comundwsj.com;*Stand:30.Juni2021

Hebelwirkung außer Kraft gesetzt

Normalerweise wird den Edelmetallen Gold und Silber eine stark positive Korrelation zueinander nachgesagt.

Das heißt: Steigt (fällt) der Goldpreis, geht es auch mit dem Silberpreis bergauf (bergab). Außerdem würde das mit Abstand günstigste Edelmetall Silber der Krisenwährung Nummer Eins (Gold) in gehebelter Form folgen.

Während die erstgenannte Investmentregel in diesem Jahr gegriffen hat, verzeichnete der Silberpreis keine Hebelwirkung gegenüber Gold.

Goldpreisentwicklung mit Monatsperformance von Jan. - Juni 2021

Hauptverantwortlich dürfte hierfür die Pandemie gewesen sein. Während das Jahr 2020 durch eine starke Verunsicherung hinsichtlich der Entwicklung von Konjunktur und Finanzmärkte gekennzeichnet war, herrschte im ersten Halbjahr 2021 dank der Impffortschritte in Nordamerika und Europa ein hohes Maß an Zuversicht.

Für den Goldpreis hatte dies zur Folge, dass das Schutzbedürfnis der Investoren stark nachgelassen hat. Dies führte vor allem im ETF-Sektor zu erheblichem Verkaufsdruck. Laut World Gold Council haben sich weltweit die gehaltenen Goldbestände physisch besicherter Gold-ETFs bis zum 25. Juni um 144,2 auf 3.617,8 Tonnen (-4,0 Prozent) reduziert.

Vor allem in der Region Nordamerika (minus 134,9 Tonnen) und Europa (minus 22,8 Tonnen) scheinen Anleger den „sicheren Hafen“ Gold wieder in Massen zu verlassen.

Massiver Verkaufsdruck kam aber auch von den Terminmärkten.

Laut der US-Aufsichtsbehörde CFTC haben allein große Terminspekulanten bei Gold-Futures ihre Long-Seite um 87.600 Futures reduziert und zugleich ihr Short-Exposure um 19.000 Kontrakte verstärkt und dadurch deren Netto-Long-Position (per Saldo optimistisch gestimmt) von 268.900 auf 162.200 Futures (-39,7 Prozent) einbrechen lassen.

An den Silbermärkten erwies sich der zyklische Charakter von Silber regelrecht als Segen.

Silberpreisentwicklung mit Monatsperformance von Jan. - Juni 2021

Erfahrungsgemäß stammt nämlich ungefähr die Hälfte der globalen Silbernachfrage aus diversen Industriesektoren, von denen einige als besonders wachstumsstark gelten. Dies trifft unter anderem auf folgende Branchen zu:

  • Fahrzeugelektronik

  • Elektromobilität

  • Photovoltaik

  • Mobilfunk (5G-Standard)

  • Smartphones

Ob der Silberpreis auch im zweiten Halbjahr besser performen wird als Gold, hängt vor allem von der Weltwirtschaft ab.

Regel hinsichtlich der Volatilität blieb intakt

Auf eine Gesetzmäßigkeit war im ersten Halbjahr indes Verlass: Silber weist eine deutlich höhere Kursschwankungsintensität (Volatilität) auf als Gold. Der vom US-Terminbörsenbetreiber berechnete Silbervolatilitätsindex bewegte sich in den ersten sechs Monaten in einer Bandbreite zwischen 27,57 und 64,98 Prozent und rutschte innerhalb dieses Zeitraums von 47,14 auf 29,47 Prozent ab.

In deutlich moderateren Bahnen schwankte sein Pendant auf Gold.

Hier stellte sich ein Rückgang von 20,79 auf 15,97 Prozent sowie eine Jahrestief bei 14,26 Prozent sowie ein Jahreshoch bei 22,16 Prozent ein.

Fazit: Im Grunde genommen gehören beide Edelmetalle als Versicherung in ein Depot, wenngleich Silber aufgrund seiner hohen Volatilität deutlich geringer gewichtet werden sollte als Gold.

Ausblick für die laufende Woche

Trotz einer relativ hohen Inflation scheint beim Goldpreis „Sand ins Getriebe“ gelangt zu sein. Anleger vertrauen offensichtlich auf die Beschwichtigungen der Notenbanken, dass der Inflationsschub lediglich eine vorübergehende Erscheinung sei.

Deshalb sorgen sich Investoren derzeit mehr um höhere Zinsen als um die beschleunigte Geldentwertung.

Am Mittwoch dürfte daher das zur Veröffentlichung anstehende Fed-Protokoll genau „inspiziert“ werden. In den vergangenen Wochen mehrten sich die „falkenhaften Töne“, die für eine baldige Erhöhung der US-Leitzinsen plädiert haben.

Positive Realzinsen (Rendite minus Inflation) dürften zumindest in Deutschland auf absehbare Zeit aber eher unwahrscheinlich bleiben. Das Weginflationieren der Schuldenberge dürfte bei Fed und EZB weiterhin angestrebt werden.

In der Eurozone ist die Teuerungsrate gegenüber dem Vormonat von 2,0 auf 1,9 Prozent p.a. gesunken, während in Deutschland ein Rückgang von 2,5 auf 2,3 Prozent p.a. registriert worden war.

Wie stark sich in den USA der Dollar im Juni entwertet hat, erfahren Investoren am 13. Juli. Ungeachtet der konkreten Höhe dürfte Gold angesichts der unzähligen „Baustellen“ im globalen Finanzsystem als Instrument zur Risikoabsicherung und Diversifikation weiterhin erste Wahl bleiben.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Tagesgoldkonto | 09.07.2021, 21:03 Antworten

Wenn den Negativzinsen nicht Einhalt geboten werden kann, z. B. unter Berufung auf das Diskriminierungsverbot oder Gleichberechtigungsgrundsätze, wird es bald sowieso katastrophale Anstürme der Reichen auf die kompakteste Alternative geben. Dann gibt es Goldchipmangel.

von Aureus | 09.07.2021, 04:12 Antworten

Von der kurzfristigen eher mauen Performance nicht beeindrucken lassen. Gold gehört zu 10 bis 20 Prozent in jedes Portofeuille, je nach Gusto mit einer kleinen Prise Silber garniert. Das senkt die Volatilität und schafft Sicherheit gegen Verwerfungen am Kapitalmarkt.

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