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Stand: 07.07.2025 von Hannes Zipfel
Das Zoll-Hickhack der Trump-Regierung geht in die nächste Runde. Selbst Polit-Profis fällt es mittlerweile schwer, den Überblick über Zollsätze, Deals, Rahmenvereinbarungen, Fristen und Termine für das Inkrafttreten der Zölle zu behalten. Darüber hinaus werden zum Wochenbeginn die wichtigen US-Terminmarkt-Daten (COT) von der COMEX für Gold, Silber etc. nachgereicht, da der 4. Juli in den USA ein Feiertag war.
Handelskrieg im Fokus – Trumps Zollbeben & Schuldenflut

Goldpreis aktuell durch Zollhickhack belastet

Die Aktienmärkte feiern und die Edelmetalle legen erst einmal zum Wochenauftakt den Rückwärtsgang ein, da die US-Zölle erst am 1. August in Kraft treten und nicht wie vermutet bereits am 9. Juli.

Aktuell gibt es sogar die vom portugiesischen Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento geschürte Hoffnung von Zöllen für die EU von unter 10 Prozent (so würde Trump das massive Handelsbilanzdefizit aber nicht wegbekommen können).

Aktuell notiert der Goldpreis in US-Dollar pro Unze (31,1g) zum Wochenauftakt mit einem Abschlag von 1,05 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag bzw. einem Minus von ca. 35 US-Dollar pro Unze bei ca. 3.302 US$/Unze:

Goldpreis in US-Dollar am 7. Juli 2025

Gleichwohl können sich die Notierungen des gelben Edelmetalls nach wie vor, wenn auch knapp, über dem mittelfristigen Aufwärtstrend halten (siehe grüner Pfeil oben im Chart).

Auch die Oszillatoren, sowie die Terminmarktstruktur zeigen noch keinerlei Überspekulation beim Goldpreis und damit zumindest von der technischen Seite her weiteres Aufwärtspotenzial an.

In der Gemeinschaftswährung notiert Gold aktuell bei 2.825 Euro pro Unze und somit ebenfalls weiterhin über seinem mittelfristigen Aufwärtstrend (grün gestrichelter Pfeil).

Goldpreis in Euro pro Unze am 7. Juli 2025

Bezüglich der angeblichen Fristverschiebung für die US-Zölle gingen mit der Materie vertraute US-Beamte bereits im Vorfeld davon aus, dass US-Präsident Donald J. Trump die Importzölle am Mittwoch, dem 9. Juli, also zum Ablauf des 90-tägigen Zollmoratoriums, zunächst verkünden würde.

Der eigentliche Verwaltungsakt wird jedoch, wie üblich, erst mit Beginn des folgenden Monats wirksam (aufwendige Vorbereitungsarbeiten durch die Zollbehörden sind erforderlich).

Was die Märkte in puncto Handelskrieg jedoch übersehen, sind zwei entscheidende Tatsachen:

  1. Bereits heute werden dutzende Briefe mit Zöllen von bis zu 70 % auf den Weg gebracht. Japan, die BRICS-Gruppe und andere Staaten haben Vergeltungszölle angekündigt.

  2. Trump bringt nun Zusatzzölle von 10 % für alle Länder der erweiterten "BRICS+"-Gruppe und deren Sympathisanten ins Spiel.

Aber wie kann man mit China (Konsumgüter u. Seltene Erden), Südafrika (PGM-Metalle), Indien (Raffinerie-Produkte und Dienstleistungen) und Brasilien (Agrargüter) keine Geschäfte machen, ohne als Volkswirtschaft ökonomisch und militärisch in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen?

Zumal China gerade dabei ist, auch Mexiko durch massive Investitionen an sich zu binden, beispielsweise durch bedeutende Investitionen in die Silberproduktion und -verarbeitung (zum Teil in Brasilien).

Langfristig möchte China Mexiko, den aktuell wichtigsten, jedoch ebenfalls von US-Importzöllen betroffenen Handelspartner der Vereinigten Staaten, zollfrei an die BRICS-Gruppe binden.

Die "BRICS+"-Gruppe hat sich im vergangenen Jahr um Ägypten, Äthiopien, Indonesien, den Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate erweitert.

Die Türkei und andere Staaten des globalen Südens haben sich um eine Aufnahme beworben.

Die "BRICS+"-Staaten sind schon jetzt für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung und 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich.

USA rutschen immer tiefer in die Schuldenfalle

Ein Dauerbrennerthema, das sich auch unter der Regierung von Donald Trump weiter zuspitzt, ist die ausufernde Gesamt- und Staatsverschuldung der USA (und anderer großer Volkswirtschaften wie Japan und Frankreich).

Die Benchmark-Renditen für die meisten US-Kredit- u. Darlehens-Zinsen befinden sich nach wie vor auf hohem Niveau (am 7. Juli 2020: 0,614 % | am 7. Juli 2025: 4,356 % | + 3,742 Prozentpunkte). Und dass, trotz drei Leitzinssenkungen durch die US-Notenbank FED im zweiten Halbjahr 2024 (-0,50 % | -0,25 % | -0,25 %).

US-Renditen zehnjähriger Staatsanleihen

Die US-Verschuldung befindet sich auf Rekordniveau und im Jahr 2025 besteht zudem rekordhoher Refinanzierungsbedarf in Höhe von ca. 9 Billionen US-Dollar allein durch den Staat.

Außerdem steht das kurzfristige Erreichen der Schuldenobergrenze erneut bevor, mit sehr wahrscheinlicher Ausweitung des Neuverschuldungsspielraums um weitere 5 Billionen US-Dollar!

Geht die Rechnung von Donald J. Trump mit "DOGE" (US-Staatsausgaben-Einsparprogramm) und der "Big Beautiful Bill" auf, oder droht den USA ein "Liz-Truss-Moment" (Kreditkrise in Großbritannien im November 2024, die mit dem Rücktritt der Premierministerin endete?

Für den Goldpreis bleibt das globale Phänomen der Überschuldung übergeordnet ein stützender Faktor.

Gold vor Win-Win-Situation? – Zölle vs. Schulden

Aktuell kursiert wie gesagt die vom portugiesischen Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento geschürte Hoffnung (wörtlich: „Chance“) auf EU-Zölle UNTER 10 Prozent.

Das wäre vorteilhaft für die EU und die europäischen Aktienmärkte.

Aber so würde Trump weder das große Handelsbilanz-Defizit mit der EU neutralisieren können (auch abhängig von den Deal-Details), aber wohl kaum genügend Zolleinnahmen zur Refinanzierung seiner bereits verabschiedeten 3,3 Billionen US-Dollar Neuverschuldung umfassenden "Big Beautiful Bill" einnehmen.

Damit wäre das Thema Überschuldung sehr schnell wieder auf der Agenda.

Die Renten- bzw. Kapitalmärkte haben dieses Thema übrigens trotz des Zoll-Hickhacks nie aus den Augen verloren.

Für den Goldpreis kursrelevante Datentermine in der KW 28

Auf folgende für die Edelmetalle kursrelevanten Datentermine können sich die Anleger einstellen:

  • Montag, 07. Juli: Bundesbankchef Joachim Nagel äußert sich zur Konjunkturlage und zu Inflationsrisiken (auch resultierend aus möglichen Gegenzöllen) für Deutschland und die EU (Nagel ist auch Mitglied im EZB-Rat). Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC (COT-Report) für Gold, Silber & Co. (21:30 Uhr MESZ).

  • Dienstag, 08. Juli: Handelsbilanz Deutschland im Mai (8:00 Uhr | e: 18,1 Mrd. Euro | April: 14,6 Mrd. Euro), NFIB US-Geschäftsklimaindex kleinerer Unternehmen im Juni ( 12:00 Uhr MESZ | e: 98,9 | Mai: 98,8), US-Verbraucherkredite (Nettoaufnahme) im Mai (21:00 Uhr MESZ | e: 10,60 | April: 17,87).

  • Mittwoch, 09. Juli: Protokoll der letzten US-Notenbank-Sitzung (FOMC) vom 17-18. Juni inkl. Minutenprotokoll (FED-Minutes).

  • Donnerstag, 10. Juli: Verbraucherpreis-Index (VPI) endgültig für Juni in Deutschland (8:00 Uhr | e: 2,0 % | Mai: 2,1 %, US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der KW 27 (14:30 Uhr MESZ | e: 235k | KW 26: 233k).

  • Freitag, 11. Juli: US- Haushaltssaldo für Juni 2025 (20:00 MESZ | e: k. A. | Mai: -316 Mrd. US-Dollar)

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Fazit

In dieser Woche werden zwar auch wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht, die für die Edelmetallpreise kursrelevant sind, und es werden Reden von hochrangigen Zentral- und Notenbankern gehalten (siehe vorherige Übersicht). Die Themen Zölle, Handelskrieg und die US-Schuldenkrise dürften jedoch das dominierende Thema für den Gold- und Silberpreis in dieser Woche sein, da die Schuldenobergrenze in Kürze wieder erreicht wird.

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Stand: 07.07.2025
geschrieben von:
Ökonom, Journalist mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzmärkte
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