Stand: 28.11.2017 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

Am 29. November 2007 emittierte die Deutsche Börse Commodities GmbH Xetra-Gold und landete damit einen „Volltreffer“. Heute kann man das physisch besicherte und mit einem Lieferanspruch ausgestattete Wertpapier – mit Blick auf den europäischen Markt – als wichtigsten Vertreter der Kategorie „Papiergold“ ansehen.

Xetra-Gold: Trotz stabiler Finanzmärkte sehr gefragt

So hat sich dessen in Frankfurter Hochsicherheitstresoren gehaltene Goldmenge seit der Emission von null auf aktuell 171,307 Tonnen erhöht, wobei am 13. Oktober 2017 mit 172,672 Tonnen der bis dato höchste Wert registriert worden war.

Ein kleiner Teil (1,4 Prozent) besteht aus Buchgoldansprüchen gegenüber dem Barrenproduzenten Umicore, der Rest wird in Form von großen Barren effektiv eingelagert. Besonders stark beschleunigt hat sich der Goldappetit der Investoren in den Jahren 2016 und 2017.

Nur zur Erinnerung: Anfang 2016 belief sich der „Goldschatz“ auf lediglich 59,25 Tonnen und Anfang Januar dieses Jahres war ein Wert von 117,591 Tonnen gemeldet worden.

Gefragt ist Xetra-Gold sowohl unter institutionellen Investoren als auch unter Privatanlegern. Laut Emittentin befindet sich mehr als die Hälfte der Wertpapiere im Besitz von Institutionellen. Diese lassen sich das Gold in der Regel nicht ausliefern, dieses Recht wird vor allem von privaten Investoren in Anspruch genommen. Bis dato kam es zu insgesamt 965 Auslieferungen mit einem Gesamtgewicht von 4,8 Tonnen (siehe Grafik).

Xetra-Gold nahzu 1.000 Auslieferungen in 10. Jahren


Das meiste Gold landete in Bayern (27,1 Prozent), gefolgt von Hessen (24,7 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (17,5 Prozent). Absolut nichts wurde während der vergangenen zehn Jahre nach Sachsen-Anhalt und fast nichts nach Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und ins Saarland (jeweils 0,3 Prozent) geliefert.

Was für Xetra-Gold spricht

Mit dem börsengehandelten Wertpapier Xetra-Gold können Anleger ausgesprochen kostengünstig ihr Portfolio mit einer Goldquote ausstatten. So fallen pro Monat Depotgebühren in Höhe von 0,025 Prozent (0,3 Prozent p.a.) des Xetra-Gold-Depotbestands an.

Außerdem kann die Differenz zwischen An- und Verkaufskursen – der sogenannte Spread –  mit durchschnittlich 0,1 Prozent (maximal: ein Prozent, aktuell 0,03 Prozent) als extrem günstig angesehen werden.

Besonders interessant wird Xetra-Gold natürlich durch den verbrieften Lieferanspruch, welcher allerdings zusätzliche Kosten verursachen würde. Der Emittent erklärt auf der Website, dass die Lieferung von einem Kilogramm Gold innerhalb Deutschlands „ab 315 Euro“ möglich sei. Außerhalb Deutschlands wurden Lieferkosten „ab 2.950 Euro“ genannt.

Mein Tipp:

Vor einer Auslieferung sollte man unbedingt die konkreten Kosten in Erfahrung bringen. Besonders interessant wird Xetra-Gold unter steuerlichen Aspekten. Wie physisches Gold wären etwaige Kursgewinne ab einer Haltezeit von 12 Monaten steuerfrei. Die steuerlichen Regeln zur Abgeltungssteuer greifen bei Xetra-Gold derzeit hingegen nicht.

Was gegen Xetra-Gold spricht

Ob die Auslieferung von Gold bei einem Zusammenbruch der globalen Finanzsysteme tatsächlich funktionieren würde, sollte durchaus kritisch hinterfragt werden. Anleger, die sich vor solch einem Worst-Case-Szenario schützen möchte, sollten eher auf Goldbarren oder Goldmünzen setzen.

Außerdem birgt das zentrale Lagern großer Goldmengen das Risiko, dass der Staat relativ leicht darauf zugreifen könnte. Dies mag heute kein Thema sein, aber was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden – insbesondere in turbulenten Zeiten, wenn das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit hochverschuldeter Staaten wegbrechen sollte.

Ausblick für die laufende Woche

Während der Bitcoin über das Wochenende mit über 9.697 Dollar ein neues Allzeithoch markiert hat, hinkte die Goldpreisentwicklung mit Preisen knapp unterhalb der Marke von 1.300 Dollar dieser Rekordfahrt eindeutig hinterher.

Doch ein Vergleich dieser beiden Investitionsmöglichkeiten hinkt in hohem Maße. Mit Blick auf deren historische Bedeutung bzw. Substanz liegen zwischen Gold und Bitcoins nämlich Welten.

Während die Kryptowährung vor allem einen  ausgeprägten Spekulationscharakter hat und über eine überdurchschnittliche Volatilität verfügt, ist beim Krisenschutz Gold genau das Gegenteil der Fall. Das gelbe Edelmetall fungiert in erster Linie als Vermögensschutz und weniger als Renditebringer.

Dies schont in einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen und wachsender Sorgen um die Stabilität der globalen Finanzsysteme wirksam die Nerven der Anleger. Bei langfristigem Anlagehorizont sollten sich Goldfans von den zweifellos vorhandenen Kursschwankungen auf keinen Fall nervös machen lassen.

Happy Birthday Xetra-Gold
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [4]
  • von Klaus | 28.11.2017, 11:36 Antworten

    Ein sehr ehrlicher Artikel, der nicht nur glorifiziert sondern auch die Funktion von Gold und die Risiken beschreibt. Denn es gibt keine Anlageklasse ohne Risiko. Bei Gold ist das maximale Risiko eben die Enteignung durch den Staat.

  • von bling bling | 28.11.2017, 16:43 Antworten

    da hier in letzter zeit wenig gecoined wurde und sie darauf bezug nehmen:
    sehe ich es richtig, dass gegen ende der bitcoin-schürfung nur noch (steigende) kosten entstehen durch komplizierte, hochleistungsrechnergestützte transaktionen?

  • von Graf von Henneberg | 28.11.2017, 16:51 Antworten

    Was soll das, das Gold soll irgendwo auf einer Bank liegen? Das sind ja auch nur Optionsscheine! Gold muß man in den Händen halten können und keinen Papierschnipsel mit irgendwelchen Versprechungen von Irgendjemanden.

  • von Beate Quandt | 29.11.2017, 17:34 Antworten

    Es ist nicht alles Gold was knistert

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