Stand: 23.01.2014  4 Kommentare

Zurück zu alter Stärke oder eine Fortsetzung des Abwärtstrends? Auf dem Goldmarkt tobt ein erbitterter Kampf um die weitere Richtung der Preisentwicklung. Für eine Rückkehr zu neuer Stärke sprechen viele Gründe - der IWF diskutiert inzwischen auch offen eine mögliche Enteignung von Sparern, die Eurokrise ist nach Einschätzung eines führenden Wirtschaftswissenschaftlers noch lange nicht ausgestanden. Und aus Mangel an Anlagealternativen entdecken Investoren rund um den Globus das gelbe Metall aufs Neue.

Auf dem Goldmarkt steht eine spannende Richtungsentscheidung bevor - denn es stehen sich zwei Kontrahenten gegenüber, bei denen ein Konflikt bis vor kurzem noch völlig undenkbar gewesen wäre. Wie das "Wirtschaftsblatt " aus Österreich berichtet, haben sich führende Hedgefonds gegen die Prognose des Investmenthauses Goldman Sachs positioniert und gegen weitere Rückgänge beim Goldpreis gewettet. Inzwischen befinden sich die Hedgefonds auf der Käuferseite beim Gold, nachdem sie noch im vergangenen Jahr gegen Gold gewettet hatten. Ihre Rechnung ist denkbar einfach: Nachdem im vergangenen Jahr über 27 Millionen Unzen aus Gold-ETFs abgeflossen waren, ist ein Großteil in der Schweiz eingeschmolzen und via Hongkong nach China exportiert worden. Wenn die Nachfrage nach börsengehandelten Goldfonds wieder steigt, könnte physisches Gold knapp werden. So haben sich die Prognosen für Gold in diesem Jahr deutlich aufgehellt, die Commerzbank erwartet beispielsweise einen Anstieg beim Gold um zwölf Prozent auf 1400 US-Dollar bis Jahresende. Dagegen stemmt sich Goldman Sachs mit einer Preisprognose von 1050 US-Dollar pro Feinunze. Woher dieser Wind weht, ist jedoch jetzt schon absehbar: Wiederholt hatte Goldman Sachs mit Abgesängen auf Gold den Preis gedrückt, um danach als Käufer auf dem Markt aktiv zu werden.

Der Internationale Währungsfonds bereitet offenbar einen echten Tabubruch vor - und positioniert sich direkt gegen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine Studie des IWF zum Stand der Entschuldung der europäischen Staatshaushalte kommt einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Das Investment " zu dem Schluss, dass die Schuldenkrise nur mit drastischen Maßnahmen überwunden werden kann. Selbst die Forderung des IWF aus dem Herbst 2013, eine Schuldensteuer von zehn Prozent auf alle Nettovermögen zu erheben, würde alleine nicht helfen, so die Aussage der vom IWF beauftragten Wissenschaftler. Sie bezeichnen die Niedrigzinspolitik und Sparhaushalte, Finanztransaktionssteuer und die Enteignung der Sparer durch negative Realzinsen als nicht ausreichend und fordern weitere Einschnitte - ganz konkret wird dabei auch eine teilweise Enteignung von Sparern diskutiert. Sie weisen darauf hin, dass das Ausmaß der aktuellen Staatsschulden der entwickelten Wirtschaften einem Rekordniveau nähert, wie es in den zurückliegenden 200 Jahren keines gab.

Auch wenn führende Ökonomen das Gegenteil behaupten, ist die Mär vom Ende der Eurokrise nicht totzukriegen. Nun legt Hans-Werner Sinn, Chef des renommierten IFO-Instituts in München, per Gastbeitrag in der "ZEIT " nach - und macht deutlich: "Die Euro-Krise ist noch längst nicht beendet. Bislang wurden lediglich die Risiken umverteilt." Sinn erinnert daran, dass die Euro-Krise ins siebte Jahr kommt. Doch jetzt, wo Irland den Rettungsschirm verlässt und Staatsanleihen wieder verstärkt gekauft werden, wird ein Ende der Krise heraufbeschworen. Dass dies nicht angemessen ist, macht Hans-Werner Sinn in seinem Beitrag eindrucksvoll deutlich: Die Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer seien zwar verschwunden, aber nicht weil die Exporte irgendeine besondere Dynamik zeigen, sondern weil die Importe eingebrochen seien: "Die Exporte sind nach der Weltrezession von 2009 wie überall auf der Welt wieder gestiegen, doch mit Ausnahme von Irland haben sie ihr Vorkrisen-Trendniveau noch nicht wieder erreicht", schreibt Sinn. Auch ein Blick auf die Industrieproduktion verheiße nichts Gutes. Südeuropa müsse die angedachten Reformen energisch umsetzen und beispielsweise Löhne und Preise massiv senken.

Starke Nachfrage nach Gold kommt derzeit aus einer Region, die sonst auf dem Edelmetallmarkt eine untergeordnete Rolle spielt: Viele Türken stürzen sich derzeit einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge auf Gold und Dollar, um dem Verfall ihrer Landeswährung zuvor zu kommen. Denn die Lira wertet seit geraumer Zeit immer stärker ab. Um fast zehn Prozent sind die Devisenvorräte der türkischen Privatleger nach Berechnungen der Notenbank im vergangenen Jahr gestiegen, türkische Unternehmen haben sogar um mehr als 20 Prozent aufgestockt. Denn die Lira taumelt von Rekordtief zu Rekordtief und hat im vergangenen Jahr ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt. Hervorgerufen wird der Verfall durch den Korruptionsskandal rund um die Regierung von Ministerpräsident Erdogan. Neben dem Dollar profitiert vor allem Gold von dem Drang der Türken nach mehr Sicherheit für ihr Vermögen.

Doch die Sorge vieler Türken um ihr Vermögen ist nicht der einzige Grund für die neue Stärke des Goldes - das Internetportal "Börse Online " hat sich bei Marktbeobachtern umgehört und einige interessante Entwicklungen zusammengetragen. So haben beispielsweise Investoren in der vergangenen Woche mit 9 Millionen US-Dollar deutlich weniger Mittel aus börsengehandelten Goldfonds abgezogen als zuvor. Die Absicherung durch Gold ist also weiterhin interessant. Jörg Sengfelder von Flow Traders in Amsterdam spricht von einem klaren Kaufüberhang beim Gold: "Seit dem Jahreswesel kaufen die Leute wieder." In Einzelfällen ist sogar ein größerer Zufluss in börsengehandelte Goldfonds zu beobachten. Die Portfoliomanager halten Preise zwischen 1.300 und 1.400 US-Dollar im Verlauf des Jahres für möglich. Weil sich der chinesische Aktienmarkt seit dem Jahr 2007 in einer Baisse befindet, suchen auch viele Chinesen nach Anlage-Alternativen.

Die Zeiten des deutschen Goldes im Ausland sind offenbar gezählt - zumindest das Lager in Frankreich wurde im vergangenen Jahr geräumt, wie die "Wirtschaftswoche " berichtet. Demnach stammten 32 von 37 Tonnen Gold, die im vergangenen Jahr aus dem deutschen Goldschatz nach Deutschland zurück transportiert wurden, aus Tresoren der französischen Notenbank in Paris, fünf weitere Tonnen kamen aus New York. Der Rücktransport ist Teil der Pläne der Bundesbank, bis 2020 die Hälfte des deutschen Goldes in eigenen Tresoren zu lagern. 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris müssen dafür nach Frankfurt am Main gebracht werden. Die Bundesbank weist aktuell noch einmal darauf hin, dass die Goldbestände auf Vollständigkeit und Echtheit geprüft wurden - zuvor waren Gerüchte aufgekommen, nach denen es Auffälligkeiten bezüglich des Feingehaltes, des Gewichts der Barren sowie anderer Eigenschaften gegeben haben soll. Allerdings seien Goldbarren, die nicht dem marktüblichen "London Good Delivery"-Standard entsprachen, umgeschmolzen worden.

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Kommentare [4]
  • von Tom45 | 23.01.2014, 23:07 Antworten

    Der Crash wird kommen. Eine neue Währung wird kommen.
    Gold bleibt.

  • von Blackgold | 23.01.2014, 22:41 Antworten

    Wie kann ein Unternehmen,dass sich mit dem Namen Gold(man Sachs) rühmt,gegen Gold wetten??
    Muss ich das verstehen?!

  • von Silberzauber02 | 23.01.2014, 22:39 Antworten

    Im Gegensatz zu Goldman Sachs ist Gold werthaltig.
    Das finde ich sehr interessant,dass Goldman Sachs immer öfters erwähnt wird. Mittlerweile ist mir bekannt dass in Europas Spitzen Ex Mitarbeiter von Goldman Sachs tätig sind.
    Gold rules!!

  • von Gabi | 23.01.2014, 21:16 Antworten

    Goldman Sachs
    Profit, Macht, Versklavung
    Antibiotica...

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