Stand: 18.11.2016 von Mr. Gini 1 Kommentare

Das Jahr 2016 ist und bleibt das Jahr der politischen Überraschungen. Nach dem Brexit im Juni ist nun, im Herbst 2016, der Immobilien-Tycoon Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt worden. Für die meisten Beobachter, Kommentatoren und Prognostiker, insbesondere die Zunft der Demoskopen, kam der Sieg für „The Donald“ völlig überraschend. Das war ja beim Brexit ähnlich. Der „mainstream“ reagierte jedenfalls völlig erschrocken, überrascht und unvorbereitet auf den Ausgang der Wahlen in den USA. Dennoch gab es abseits der Leitstrommedien einige Auguren, die richtig lagen.

Extrem tiefe Partizipationsrate

Und angesichts einiger harter Fakten war es auch nicht völlig abwegig, dass die Wahl 2016 in den USA zur Protestwahl wird. Hier sei nur kurz darauf hingewiesen, dass die Ungleichheit in den USA nach wie vor extrem hoch ist. Der Aufschwung, der nach der Finanzmarktkrise 2008/9 einsetzte, fiel im historischen Vergleich extrem schwach aus. Die Verantwortlichen trieben zwar mit der Politik des ultra-billigen Geldes die Vermögenspreise, insbesondere die Aktienmärkte, nach oben. Das war zwar für Wall Street und Co ein „Geschenk“. Aber beim Otto-Normal-Bürger in den USA kam dieser Aufschwung in der realen Welt nie wirklich an.

Der Aufschwung fiel hier oft gänzlich aus. Hier sei nur kurz erwähnt, dass die volkswirtschaftlich extrem wichtige Kennziffer der Erwerbsquote auf signifikante Probleme am US-Arbeitsmarkt hinweist.

Sie liegt derzeit bei einer historischen tiefst Marke von 62,8 auf der Chart der St. Louis Fed. Also auf einem so eklatant tiefen Niveau, das es zuletzt Ende der 1970er-Jahre gab.

Traurig, aber wahr. Der Aufschwung kam bei sehr, sehr vielen Menschen überhaupt nicht an. Die Zahl der sog. Bezieher von Lebensmittelmarken, food stamps, verharrt auf einem erschreckend hohen Niveau. Nämlich bei mehr als 43 Millionen im Oktober 2016. (nähere Hintergrundinfos und Langfristcharts).

Umgang mit den Enttäuschten als Herausforderung

Wenig überraschend also, dass angesichts dieser historischen Malaise für Prof. Snower vom Institut für Weltwirtschaft mit Sitz in Kiel, die Arbeitsmarktpolitik die zentrale Herausforderung für die neue Administration von Donald Trump sein wird. In seinem Kommentar zur Wahl.

Herrn Snower zufolge müsse Trump seine Versprechen an die Enttäuschten in der US-Gesellschaft einlösen. Dazu bedürfe es einer aktiven Arbeitsmarktpolitik. Arbeitslose müssten demnach leichter aus eigener Kraft wieder in den Arbeitsmarkt zurückfinden können, als es derzeit möglich sei. Herr Snower weist in dem Kontext auf die Dringlichkeit dieser Maßnahmen hin. Denn nicht zuletzt die digitale Revolution werde mit intelligenten Maschinen viele Routine-Jobs vernichten. Ausbildung, Weiterbildung, Fortbildung - Trump müsse das lebenslange Lernen von staatlicher Seite mit aller Kraft unterstützen. Andernfalls stünden immer mehr Menschen ihrem Schicksal hilflos und in der Folge zornig gegenüber. Herr Snower betonte auch, dass dieser Unmut Trump groß gemacht hätte. Nun würden die Menschen erwarten, dass er seine Versprechen an sie einlöst.

Kaum Handlungsspielraum

Fraglich bleibt also, ob Trump die hohen Erwartungen am Ende erfüllen kann. Die Konjunkturforscher des Instituts für Wirtschaft (IWF) in Kiel, sind aber relativ skeptisch. Prof. Kooths zufolge seien jedenfalls die Haushalts Spielräume in den USA eng begrenzt.

Unter dem Strich stellt Herr Kooths klar, dass sowohl massive staatliche Investitionsprogramme als auch eine „revolutionäre“ Steuersenkung, wie sie von Donald Trump im Wahlkampf versprochen worden sei, nur schwer umzusetzen seien. Jedenfalls dürfte und wird es wohl beides nicht gleichzeitig geben. Weiter stellt der Forscher klar, dass das ökonomische Delta durch die Wahlentscheidung voraussichtlich wesentlich kleiner sei als es der politische Erdrutsch vermuten lasse. Herr Kooths stellt hier fest, dass Donald Trump sich bald den Mühen der realpolitischen Ebene gegenüber sehen werde. Die Ergebnisse dürften demnach weitaus weniger spektakulär sein als die Wahlversprechungen.

Auswirkungen auf die Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks

Herr Kooths beleuchtet in dem Kontext auch die möglichen Folgen auf die Geldpolitik. Unabhängig vom Wahlausgang werde die Fed nur sehr langsam aus der ultra-expansiven Geldpolitik aussteigen. Für eine schnellere Gangart sprächen nur stark expansiv ausgerichtete Fiskalprogramme; die Spielräume dafür seien aber begrenzt. Und hier bringt er auf den Punkt, dass die USA immer noch ein laufendes Defizit von drei Prozent fahren würden; ganz abgesehen vom gigantischen Schuldenstand von knapp 20 Billionen Dollar, also fast 100 Prozent in Relation zum BIP. Käme es dennoch zur Umsetzung der expanisven Fiskalprogramme, fiele auch der EZB ein allmählicher QE- und ZIRP-Exit mit Blick auf den Wechselkurs etwas leichter. Hier seien allerdings auch die internen Schwierigkeiten, sprich die Unwucht in den Bankbilanzen im Euroraum, zu beachten.

Und last but not least wagt Herr Kooths auch noch die Prognose, dass in einem solchen Falle der Außenwert des Euro gegenüber dem US-Dollar nochmals merklich nachgeben könnte.

Alles in allem sehen die Konjunkturforscher des Instituts für Weltwirtschaft bislang jedenfalls noch keine gravierenden Auswirkungen des Wahlsiegs von Donald Trump auf die deutsche Wirtschaft. Wohl gemerkt, bislang.

Goldpreis: Herausforderungen und Folgen der Trump-Wahl
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [1]
  • von Mr. Silver | 20.11.2016, 11:49 Antworten

    Jetzt ist es noch zu früh für Gold. Der Überhang der Short Kontrakte bei den kommerziellen Händlern liegt bei fast 200.000. Die Spekulanten verlassen den Goldmarkt an der Terminbörse. Da es nur die Kommerziellen als Käufer gibt, müssen Sie die schlechten Preise in Kauf nehmen die man Ihnen bietet. Angebots Überschuss drückt die Preise, das ist überall so. Das nächste Ziel ist 1170 Dollar. Fällt der Goldpreis unter 1170 sind schnell 1000 Dollar in Sicht. Unter 1000 Dollar ist das nächste Ziel 875 Dollar. Dann sollte es aber wieder 200 Dollar aufwärts gehen.

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