Stand: 03.07.2017 von Martin Vitt 5 Kommentare

Informiert man sich bei den aktuellen Münz- und Edelmetallmessen, ist ein neuer Trend sichtbar. Immer wieder finden sich auf den Tischen und in den Vitrinen Silber- und Goldbarren, deren Namen auf vergangene Zeiten verweisen. Es sind „historische Goldbarren“, welche die Neugier und Aufmerksamkeit der Sammler auf sich ziehen.

Was sind „historische Goldbarren“?

Diese werden in der Literatur und von Spezialhändlern auch „numismatische Goldbarren“ genannt. 

Goldbarren von Thurn & Taxis 10 Gramm Gold mit dem Fürstlichem Logo

Die Definition von „historischen Goldbarren“ liegt zuallererst in der Betrachtung des Sammlers und seiner Vorliebe, eine Sammlung mit seltenen Stücken aufzubauen. Es gibt Sammler, die nur Goldbarren vor dem 15. Jahrhundert als „historisch“ in ihre Sammlung aufnehmen. Dabei handelt es sich meist um Gold aus dem Schiffbruch alter Handelsflotten und um Barren von Ausgrabungen.

Das Gros der Sammler in Deutschland grenzt seine Objekte in „Länder“ ein: So sollten die seltenen Stücke aus Amerika, Australien, Naher und Ferner Osten, England, Europa und Deutschland stammen. Dabei werden meist gegossene Barren ab dem 19. Jahrhundert gesucht.

Auch die Gewichtsangabe ist oft ein Unterscheidungskriterium. Viele der Spezialsammler teilen ihre Objekte in Barren mit Unzen, Gramm, Tola, Tael oder Baht Angaben ein. Und manche seltenen Goldbarren, wie der Twincoin aus Thailand, sind in Deutschland überhaupt nicht erhältlich.

Dieser Twincoin war in der Ausstellung der Rothschild Collection in München zu besichtigen. Er stellt sowohl einen Goldbarren dar, als auch ein Schmuckstück, das an einer Kette getragen werden kann.

Goldbarren von Rothschild & Sons geprägt von der RMR

Um eine Sammlung als „charaktervolle“ Sammlung und auch als Wertanlage zu gestalten, stellt sich für goldbegeisterte Sammler folgende Frage: Was ist auf dem deutschen Markt gefragt und wirklich selten?

In der jetzt noch kleinen Gemeinde der historischen Goldbarrensammler besteht Einigkeit über das begehrteste Stück: den Rothschild-10-Gramm Gussbarren. Er ist so selten, dass er seit Jahren nicht einmal bei Auktionen gesichtet wurde.

Es bestehen Fotos davon und es gibt Fachleute, die diesen kennen, doch er kann als äußerst rar gelten. Aufgeführt ist dieser „Knuffi“ in einem sehr gelungenen Goldbarren-Katalog, der über die Interessengemeinschaft für historische Münzen und Goldbarren bezogen werden kann. 

Folgende Liste der gefragtesten historischen Goldbarren kann daher erstellt werden:

  1. Rothschild-10-Gramm

    Ein Highlight in jeder Sammlung gegossener Barren.

  2. CCCP-Russland-10-Gramm

    Er wurde in den Jahren 1969 bis 1990 von den State Refineries der UDSSR gegossen und zum Teil auch auf der Numismatika in Moskau verkauft. Mit der Originalverpackung der Numismatika ist dieses seltene Stück derzeit nicht unter 1.200 € zu erwerben.

  3. Thurn-und-Taxis-50-Gramm-Guss- und Walzbarren

    Dieser in sogenannter „Sargform“ hergestellte Barren ist wesentlich seltener als seine „Geschwister“ mit 10 Gramm und 20 Gramm.

  4. Harrington, ½ Unze

    Das Logo dieses seltenen Barrens besticht durch eine besondere Logik. Der Schriftzug HAR ist der Anfang des Herstellernamens, dann folgt ein Ring (als Bild) und dann wieder ein Schriftzug TON. Diese Gussbarren stammen aus Australien und sind bei Logo- und Punzensammlern sehr begehrt.

  5. Schoene BV aus den Niederlanden

    Hier werden vor allem die Barren mit dem alten Logo (Stab mit Schlange) nachgefragt.

Dieser kleine (unvollständige) Auszug zeigt, dass vor allem die Goldbarren vor 1980 und in gegossener Form zu den Raritäten dieses Sammlergebietes gehören. Das Angebot ist klein und der „Kampf“ um die besten Stücke benötigt viel Erfahrung.

Wie sieht die Angebotsseite aus?

Wie bei allen Raritäten muss verglichen werden, was der Markt anzubieten hat. Zudem wandern von den vorhandenen Stücken immer mehr in die Schmelze, da Annahmestellen für Goldbarren diesen historischen Stücken keinen Wert beimessen.

Manch ein Ankäufer bezahlt sogar einen geringeren Preis mit dem Argument, dass es sich um nicht aktuelle LBMA (London Bullion Market Association) Barren handelt, was nur in wenigen Fällen korrekt ist.

Daher macht es Sinn, sich zusammen zu tun und gemeinsam diese historischen Stücke zu bewahren. Die Interessengemeinschaft für historische Münzen und Goldbarren hat sich dieses zum Ziel gesetzt.

Als loser Verbund Gleichgesinnter werden hier Informationen und Tipps ausgetauscht, um an seltene Stücke zu kommen. Adressen, Links, Kataloge und Tipps zu diesem Sammelgebiet können hier bezogen werden.

Worauf ist des Weiteren noch zu achten?

  • Trotz aller Schönheit der Silber- und Goldbarren, sollte auf eine „Marktgängigkeit“, also den Verkaufswert und die wirkliche Nachfrage geachtet werden. Denn nicht alle alten Edelmetallbarren sind nach Erwerb wieder „verkäuflich“!

  • So sind kleine Stückelungen wirklich gesucht: Ein 500 Gramm Rothschild Goldbarren ist kaum veräußerlich, dagegen sind 50 Gramm Barren richtige „Renner“.

  • Bei den Silberbarren haben sich die 1 Kilo Barren etabliert. Hier sind es vor allem die von Degussa mit dem alten LOGO.

  • Es gibt auch heute noch gegossene Barren aus aktueller Produktion, welche von echten historischen Goldbarren kaum zu unterscheiden sind. Dies ist oft recht schwierig, da man solche Neuanfertigungen nicht gleich einem Produktionszeitraum zuordnen kann.

  • Die Geschichte des Goldbarren Herstellers sollte bekannt sein. So ist ein Vorläufer der heutigen Argor-Heraeus Barren der Argor-Chiasso Barren. Ganz selten sind die Stücke mit der Aufschrift Argor-Precious Metals, die aus einer „Übergangszeit“ stammen.

  • Erste Kataloge sind im Entstehen. Diese zeigen Sammlungen, aber keine Preise. Preis Einschätzungen sind derzeit nur vor Ort, auf Märkten und im Handel zu bekommen.

  • Rotfärbungen der Barren zeigen ihre Echtheit an. So sind historische Goldbarren gut an ihrem Gesamteindruck zu erkennen: leichte Gebrauchsspuren, geringe „Verstempelungen“ und eben handgegossene Produktion.

Diese wichtigen Anmerkungen zum Aufbau einer Sammlung besonderer Art sollen helfen, einen ersten Schritt in Richtung einer eigenen Sammlung historischer Goldbarren zu tun.

Denn die Faszination ist ungebrochen, weil es ein großer Unterschied ist, Edelmetall in gepresster Form oder als gegossener „Knuffi“ mit Charakter zu erwerben. Vor allem, wenn man dieses besondere Stück zum ersten Mal in der Hand hält und von der Geschichte, die dieser Goldbarren erzählt, begeistert ist.


Anmerkungen:

  1. Eine Einführung und weitere Informationen, siehe Martin Vitt „Auro statt Euro“ S. 41 ff

  2. www.degussa-goldhandel.ch/

  3. Informationen dazu siehe facebook „seltene Goldbarren“

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Historische Goldbarren - ein Sammelgebiet mit Zukunft
Martin Vitt (comVita Beratung) - Der ausgebildete Finanzdienstleister (senior consultant, freier Makler IHK) Martin Vitt publiziert seit Jahren zum Thema ökologisches Gold und Goldförderung in Deutschland. Darüber hinaus arbeitet er als „freier Sachverständiger“ für Sammlungen (Briefmarken, Münzen und Uhren) und Einzelstücke (Raritäten). In vielen Publikationen beschreibt er, wie der Nachlass bewertet und worauf bei der Beurteilung seltener Stücke zu achten ist. Des weiteren steht er für die Beratung ganzer Sammlungen und bei der Vermittlung größerer Nachlassposten zur Verfügung.
Webseite des Autors:
www.comvita-beratung.de
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Kommentare [5]
  • von Max | 18.07.2017, 17:07 Antworten

    Sollten sie Verkaufen wollen, dann bitte bei mir melden.

  • von "Goldfinger" | 03.07.2017, 10:59 Antworten

    Hab beim renovieren etliche 1kg Goldbarren "Reichsbank" entdeckt, mit reichlich "Patina"...Bei evtl. Verkauf muss ich da mit deutlichen Abschlägen vom TP rechnen...?

    • von Sagobert | 03.07.2017, 22:38 Antworten

      Sie vermuten da schon ganz richtig. Derartige Barren in einem deutlich "verwitterten" Zustand sind quasi unverkäuflich. Dass es etliche sind, drückt den Preis noch weiter. Insgesamt muss man sagen, der Fund war etwas unglücklich

      • von Christian G. | 04.07.2017, 20:50 Antworten

        Bei einem Fund von ein paar Kilo Gold würde ich mich schon des Materialwertes wegen freuen... Alles andere wäre Bonus...
        Wenn Sie die nicht haben wollen, nehme ich sie gerne geschenkt :)

    • von Graf von Henneberg | 03.07.2017, 17:15 Antworten

      Gold mit Patina? Das hat wohl im Königswasser gelegen?

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