Gold: 1.722,32 € -0,77 %
Silber: 20,38 € -1,02 %
Stand: 24.01.2022 von Hannes Zipfel
In dieser Handelswoche gesellen sich zu wichtigen Konjunkturdaten noch die Quartalsergebnisse großer US-Tech-Konzerne sowie die Sitzung der US-Notenbank Fed. Eine hohe Schwankungsbreite, auch bei den Edelmetallpreisen, ist damit fast vorprogrammiert.
Hochbrisante Agenda

Folgende Termine sollten Anleger in der KW4 unbedingt im Auge behalten:

  • Dienstag: Ifo-Geschäftsklima-Index Deutschland, Microsoft-Quartalszahlen (Q4’21)
  • Mittwoch: Notenbanksitzung der US-Fed, Tesla-Quartalszahlen (Q4’21)
  • Donnerstag: GfK-Konsumklima Deutschland, BIP USA (Q4’21), Apple-Quartalszahlen (Q4’21),
  • Freitag: BIP Deutschland (Q4’21), persönliche Einkommen und Ausgaben USA (Dez.)
(Details und weitere wichtige Termine siehe Tabelle unten)

Goldpreis stabil, Aktienmärkte schwächeln, Kryptowährungen im freien Fall

Zum Wochenauftakt notiert das gelbe Edelmetall mit 1.840 US-Dollar bzw. 1.617 Euro pro Unze nochmals höher als vor dem Wochenende.

Damit setzt sich der Aufwärtstrend seit Mitte Dezember weiter fort.

Dagegen gewinnt der Ausverkauf an den Aktienmärkten und bei den Kryptowährungen mit zum Teil zweistelligen prozentualen Tagesverlusten weiter an Fahrt. So verliert der Bitcoin (BTC) allein am Montag weitere 5,4 Prozent und fällt unter die Marke von 30.000 Euro. Vor dem Wochenende musste man noch 32.500 Euro pro Bitcoin bezahlen.

Der auch in Deutschland sehr populäre Altcoin Solana (SOL) verliert allein heute weitere 17,66 Prozent auf 73,51 Euro (Stand: 13:30 Uhr MEZ). Letzten Freitag notierte der Kurs noch knapp über der Marke von 100 EUR pro SOL.

Die Angst vor dem "großen" Zinsschritt

Die Angst vor Zinserhöhungen und Liquiditätsentzug durch die US-Notenbank (Fed) lässt also bereits vor dem Vollzug durch die Geldpolitiker die Kurse einbrechen. Am Mittwochabend um 20:00 Uhr MEZ wird im Anschluss an das Treffen der Notenbanker das geldpolitische Statement veröffentlicht. Um 20:30 Uhr MEZ folgt dann die Pressekonferenz mit Fed-Präsident Jerome Powell.

Erwartet wird aktuell ein Auslaufen der Käufe von Anleihen durch die Fed zum Ende des ersten Quartals und eine erste Zinserhöhung bereits am 16. März. Dann treffen sich die US-Notenbanker erneut und könnten sogar einen "großen" Zinsschritt in Höhe von 50 Basispunkten statt den üblichen 25 Basispunkten als klares Signal zur Inflationsbekämpfung beschließen.

Das würde den US-Leitzins (Federal Funds Rate) von aktuell 0,0 - 0,25 Prozent auf 0,50 - 0,75 Prozent erhöhen. Weitere drei Zinsanhebungen könnten bis Jahresende noch folgen. Der Leitzins, der mit einer Range von 25 Basispunkten angegeben wird, könnte dann zum Jahresultimo bei 1,25 - 1,5 Prozent liegen. Des Weiteren wird mit dem Beginn des Abbaus der Bilanzsumme der Fed ab dem zweiten Quartal dieses Jahres gerechnet, also mit Liquiditätsentzug.

Kurzfristig kommt es für den Mittwoch auf die Tonalität der Fed an.

Entschärft sie ihre Rhetorik in Sachen Inflationsbekämpfung, besteht die Chance für eine Erholung der Aktienmärkte. Auch die Edelmetallpreise könnten von einem verbalen Abrüsten der Fed profitieren.

Generell hat die US-Notenbank das Problem, dass sie neben der Inflation laut Mandat auch die Konjunktur, den Arbeitsmarkt und die Stabilität der Finanzmärkte bei ihrer Geldpolitik berücksichtigen muss.

In den USA spielen die Vermögenspreise eine tragende Rolle bei der Altersvorsorge und für die Konsumentenstimmung. Daten zum US-Verbrauchervertrauen werden einen Tag vor dem Fed-Meeting am Dienstag veröffentlicht und erneut schwächer erwartet (Details siehe Tabelle unten).

Das ist auch kein Wunder: Die Verbraucher in der nach wie vor größten Volkswirtschaft der Welt sind mit einer Inflationsrate auf Vierzigjahreshoch sowie mit auslaufenden Corona-Stimuli und spürbaren Vermögensverlusten gleichzeitig konfrontiert.

Die Marktkapitalisierung aller US-Aktien (Total Market Capitalization of Public U.S. Companies) hat sich seit Jahresbeginn von 53,4 Bio. US$ auf aktuell 49,8 Bio. US$ um 3,6 Bio. US$ reduziert. Der Wert aller Kryptowährungen hat sich seit Anfang November letzten Jahres um 1,25 Bio. US$ weltweit verringert.

Das entspricht einem Minus von 43 Prozent.

Diese Verluste belasten die Konsumlaune. Der Anteil des Privatverbrauchs am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beträgt horrende 68 Prozent.

Mit jedem weiteren Prozentpunkt Verlust, v. a. an den US-Aktienmärkten, wird es daher wahrscheinlicher, dass die Notenbanker in Washington am Mittwoch zurückrudern. Für das zinslose Edelmetall Gold wären dies positive Nachrichten. Ein wenig nimmt der Goldpreis das Verabreichen einer verbalen Beruhigungspille durch die Fed bereits vorweg.

Historischer „Margin Call“ droht Aktien-Crash auszulösen

Für Edelmetallanleger lohnt sich in dieser Woche auch ein Blick auf die Nachrichten aus den Konzernzentralen von „Big Tech“. Die Unternehmen Microsoft, Tesla und Apple legen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ihre Zahlen vor.

Kommt es hier zu enttäuschten Erwartungen oder aber zu positiven Überraschungen, könnte dies die Kursrichtung der großen amerikanischen und weltweiten Indizes ebenfalls beeinflussen. Allein diese drei US-Konzerne haben im inoffiziellen Weltaktienindex S&P 500 ein Gewicht von zusammen 14,4 Prozent.

Wenn nun auch diese Werte, die sich seit der Finanzkrise teilweise mehr als verzehnfacht haben und zusammen 5,8 Billionen US-Dollar wert sind, heftig beginnen zu korrigieren, könnte es schnell zu Panik an den Märkten kommen.

Die speziell von angelsächsischen Anlegern mit Argusaugen beobachteten gleitenden 200-Tage Durchschnittslinien wurden sowohl bei dem breit aufgestellten S&P 500 als auch beim technologielastigen Aktienindex NASDAQ 100 bereits deutlich nach unten durchbrochen. Damit ist der Aufwärtstrend dieser beiden Indizes zunächst beendet.

Besonders brisant an der aktuellen Lage ist, dass allein die US-Anleger ihre Aktienbestände mit knapp 800 Milliarden US-Dollar beliehen haben (Quelle: FINRA Margin Debt).

Der Rekord wurde hier vor zwei Monaten mit 918,6 Mrd. US-Dollar erreicht. Das war mehr als doppelt so hoch wie kurz vor dem Platzen der New-Economy-Blase im Januar 2000 (damals ca. 450 Mrd. US$). Mit 380 Mrd. US-Dollar waren die Wertpapierkredite kurz vor der Weltfinanzkrise 2008 nur halb so hoch wie heute.

Fallen die Aktienkurse nun weiter, dann kann es durch den berüchtigten „Margin Call“ schnell zu einem veritablen Crash kommen.

Die Schuldner bekommen dann eine Aufforderung, Bargeld auf ihre Broker-Konten nachzuschießen oder die Aktien werden sehr kurzfristig zwangsverkauft, was eine Abwärtsspirale auslösen kann. Auch dieses Risiko für die Märkte muss die Fed in ihrem Statement am Mittwoch berücksichtigen.

Wichtige Termine in dieser Woche

Bereits heute Morgen wurden die deutschen Einkaufsmanager-Indizes veröffentlicht. Der Gesamtindex konnte sich von 49,9 Punkten deutlich über die Expansionsschwelle von 50 Punkten auf aktuell 54,8 Punkte erholen.

Der Datenanbieter Markit, der die Befragung durchführt, begründet den positiven Wert v. a. mit einer signifikanten Verbesserung der Lage in der Industrie. Wörtlich heißt es:

„Die Probleme in den Lieferketten scheinen die Produktion immer weniger zu belasten, auch wenn es an dieser Front noch viel Raum für Verbesserungen gibt…“.

Große Herausforderungen für die Unternehmen bleiben hingegen die Knappheit bei Halbleitern sowie die explodierenden Gesamtkosten, die zunehmend die Gewinnmargen belasten.

Weitere wichtige Stimmungsindikatoren für die deutsche Wirtschaft werden am Dienstag mit dem ifo-Geschäftsklimaindex sowie am Donnerstag mit dem GfK-Konsumklima veröffentlicht.

Weitere Details dazu und ergänzende Termine können Sie der folgenden Übersichtstabelle für die KW 4 entnehmen:

Wochentag Zeit (MEZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe (Jan.) akt.: 60,5 57,4
Montag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen (Jan.) akt.: 52,2 48,7
Dienstag 10:00 Uhr DE: ifo-Geschäftsklima-Index Deutschland Januar 94,6 94,7
Dienstag 15:00 Uhr USA: S&P/Case-Shiller US-Hauspreisindex (Nov. | Jahr) 18 % 18,4 %
Dienstag 16:00 Uhr USA: Verbrauchervertrauen Januar (CB) 111,8 115,8
Mittwoch 13:00 Uhr USA: Index für den US-Hypothekenmarkt (KW3) - 593,7
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - 0,515
Mittwoch 20:00 Uhr USA: Statement der US-Notenbank zur Offenmarktausschusssitzung (FOMC) - -
Mittwoch 20:30 Uhr USA: PK mit Fed-Chef Jerome Powell - -
Donnerstag 8:00 Uhr DE: GfK-Konsumklima (Feb.) -7,8 -6,8
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Veränderung Bruttoinlandsprodukt Q4´21 annualisiert 5,5 % 2,3 %
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Vorwoche) 260k 286k
Freitag 8:00 Uhr DE: Importpreise Dezember (Jahr) 26,4 % 24,7 %
Freitag 10:00 Uhr DE: Veränderungsrate Bruttoinlandsprodukt Deutschland 4. Quartal (Jahr) 1,8 % 2,5 %
Freitag 10:00 Uhr DE: Veränderungsrate Bruttoinlandsprodukt Deutschland 4. Quartal (Quartal) -0,3 % 1,7 %
Freitag 10:00 Uhr USA: Persönliche Einkommen Dez.`21 (Jahr) 0,5 % 0,4 %
Freitag 10:00 Uhr USA: Persönliche Ausgaben Dez.`21 (Jahr) -0,5 % 0,6 %
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.