Stand: 30.06.2020 von Jörg Bernhard
Einige Indizien sprechen dafür, dass sich so genannte Ultra-High-Net-Worth-Individuals, die über ein Nettovermögen von mindestens 30 Millionen Dollar verfügen, derzeit verstärkt für physisches Gold interessieren.
Hochvermögende schichten in den Krisenschutz Gold

Vermögensschutz hat Vorfahrt

Die Sorgen der Ultrareichen um ihr liquides Privatvermögen scheinen angesichts der wirtschaftlichen und geldpolitischen Entwicklung der vergangenen Monate bzw. Jahrzehnte durchaus berechtigt zu sein, schließlich haben sie deutlich mehr zu verlieren als Hinz und Kunz.

Nur ein Beispiel: Während für den durchschnittlichen Bundesbürger im Falle einer Bankpleite die vorgesehene gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro pro Kunde ausreichen dürfte, drohen Kunden mit höheren Einlagen zwangsläufig höhere Verluste.

Doch aufgepasst: Im Falle einer globalen Finanzkrise inklusive grassierender Bankpleiten, dürfte dieser vom Gesetzgeber versprochene Schutz ohnehin nicht funktionieren.

Am 18. Juni veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters das Ergebnis einer Umfrage unter neun großen Vermögensverwaltern mit Assets under Management in Höhe von ungefähr sechs Billionen Dollar. Diese haben ihre Berater angewiesen, der hochvermögenden Kundschaft einen Ausbau der Goldquote zu empfehlen.

Besonders interessant: Vor Ausbruch der Corona-Krise wurde gar nicht oder allenfalls zu winzigen Positionen von Gold geraten. Mittlerweile werden von den Vermögensexperten hingegen Goldquoten zwischen fünf und zehn Prozent als erstrebenswert betrachtet.

Sollte es im großen Stil zu Umschichtungen in Gold kommen, dürften bei physischem Gold erneute Versorgungsengpässe vorprogrammiert sein, schließlich repräsentieren die weltweiten Aktien- und Anleihemärkte ein Volumen von insgesamt 200 Billionen Dollar, während der internationale Goldhandel lediglich 5 Billionen Dollar „auf die Waage bringt“.

Da das gelbe Edelmetall – im Gegensatz zu Geld, Anleihen und Aktien – nicht beliebig vermehrbar ist, müsste dies den traditionellen Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz erheblich verteuern.

Davon gehen übrigens auch sämtliche von Reuters befragte Verwalter besonders großer Vermögen aus. Sie alle rechnen damit, dass der Goldpreis Ende des Jahres sein gegenwärtiges Niveau übertreffen wird.

Gold-Futures werden verstärkt in Gold ausgeliefert

Ein weiterer Umstand spricht ebenfalls dafür, dass ultrareiche Investoren derzeit lieber Gold als Geld besitzen möchten. An den Terminmärkten wird bekanntlich via Gold-Futures das ganz große Rad gedreht, schließlich bezieht sich jeder Kontrakt auf 100 Feinunzen Gold.

Angesichts der aktuellen Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) in Höhe von 532.100 Futures stellt dies einen Goldberg von über 1.650 Tonnen dar. In „normalen Zeiten“ erfolgt bei einem auslaufenden Gold-Kontrakt ein sogenannter Barausgleich. Allein im Juni wurden jedoch mehr als 55.000 Anträge auf physische Auslieferung gestellt, wodurch der im April markierte Rekordwert von 31.600 Futures deutlich übertroffen wurde.

Ausblick für die laufende Woche

Langeweile dürfte an den Goldmärkten in den kommenden Handelstagen wohl kaum aufkommen, schließlich stehen diverse wichtige Konjunkturindikatoren zur Bekanntgabe an.

Da wäre zum Beispiel die regelrechte Flut an Inflationsdaten für den Monat Juni. Nachdem zum Wochenauftakt für Deutschland ein überraschender Anstieg von 0,6 auf 0,9 Prozent p.a. gemeldet worden war, warten die Anleger nun auf die Teuerungsraten für Frankreich, Italien und die Eurozone. Analysten rechnen hier ausnahmslos mit negativen Vorzeichen.

Ab Mittwoch dürfte dann ein anderes Thema die Gemüter der Investoren bewegen. Dann erfahren wir am Vormittag, wie sich hierzulande der Arbeitsmarkt im Juni entwickelt hat.

Am Nachmittag folgen dann noch jenseits des Atlantiks der ADP-Monatsbericht sowie der Challengerbericht über Stellenstreichungen.

Und auch der Donnerstag hat diesbezüglich einiges zu bieten. Neben den wöchentlichen Neuanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe erfahren die Marktakteure, wie sich der US-Arbeitsmarkt im Juni entwickelt hat.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 13,3 auf 12,3 Prozent (siehe Grafik) reduziert haben und die Zahl der neu geschaffener Stellen von 2,5 Millionen im Juni auf 2,9 Millionen gestiegen sein. Trotz des leichten Hoffnungsschimmers bleibt Gold weiterhin erste Wahl – und das nicht nur für die Superreichen.

Trading Economics Arbeitslosenrate von 13,3 auf 12,3 Prozent

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Peter L Ustig | 01.07.2020, 13:05 Antworten

Edelmetalle sind eben halt das eigentliche "Geld" und nicht die "Buntpapierlappen mit Zahlen darauf" welche lediglich ein VERSPRECHEN (einen Wert/Kaufkraft zu haben) unter Kunde und Verkäufer darstellen,solange beide Parteien sich an die Vereinbarung halten...bricht nur einer aus und erkennt des anderen PAPIERLAPPEN nicht mehr als Wert an, so fällt das KUNSTKARTENHAUS in sich zusammen und PAPIERLAPPEN taugen lediglich noch zum Tapezieren/Ofen heizen/Feuermachen!
Die jüngere Geschichte (100 Jahre zurück) und auch die ältere Geschichte hat bewiesen, was als Zahlungsmittel reell anerkannt wurde und seine Kaufkraft trotz Kriesen/Krieg und Staatenpleiten garantiert hat.

von Commander Correctness | 30.06.2020, 13:31 Antworten

Das ist nicht das "Leben". Es ist leben in einer sozialen Plan...äh...Marktwirtschaft. Und was die extremen Goldpreise und -schwankungen angeht, so werdens die Zentralkapitalis...äh...banken schon richten. Denn sie stehen wie immer Gewehr...eh...ähr bei Fuß.
Ich hoffe jeder versteht die Mühe, die ich mir trotz meines Sprachfehlers...äh...handicaps gemacht habe.

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von Blau | 30.06.2020, 11:17 Antworten

Wer sichert die Einlagen? Der Staat. Wer ist der Staat? Du und Ich und...

Ist das Vertrauen einmal weg, kann man mit dem Spielgeld nicht mehr spielen.

Wie heißt das Spiel? Leben.

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