Stand: 02.10.2016  0 Kommentare

Südafrika ist das Land der Bergbauindustrie schlechthin. Vor allem die Goldminen dort sorgten lange Zeit für Wachstum und Beschäftigung. Doch das Erbe der Goldminenindustrie macht dem Land jetzt mehr und mehr zu schaffen. Aus ehemaligen und verlassenen Stollen werden illegale Goldminen geschaffen, deren Blutzoll Jahr für Jahr steigt. In diesem Jahr wurde ein neuer trauriger Rekord gemeldet.

Noch bis in die 1980er Jahre hinein waren die Goldminen in Südafrika für stolze 80 Prozent der globalen Goldproduktion verantwortlich. In den bis zu vier Kilometern tief gelegenen Tunneln und Stollen gab es reichlich Arbeit. Weit mehr als eine halbe Million Menschen standen damals direkt in der Goldpförderung in Lohn und Brot. Und über eine Million Jobs wurden zudem indirekt geschaffen. Aus dem Geschäft mit Gold verdiente Südafrika gut 35 Milliarden Dollar im Jahr.

Doch nach mehr als 130 Jahren intensiver Goldproduktion dünnen die lukrativen Lagerstätten aus. Zwar spült die Goldminenindustrie auch heute noch rund sechs Milliarden Dollar in die Kassen des Regenbogenlandes, und immerhin geschätzte 100.000 Bergleute können sich dabei legal ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch einem Vergleich mit den Zahlen vor 30 jahren hält das nicht stand. Dutzende ehemals profitable Goldminen wurden stillgelegt und mussten ihre Pforten schließen. Was bleibt, sind tausende verlassene Stollen, die dem Land am Kap der Guten Hoffnung jetzt zusehends zu schaffen machen. Denn die herrenlosen Bergwerke werden zu illegalen Goldminen umfunktioniert, in die immer mehr Menschen hinabsteigen und niemals wieder herauskommen..

Illegale Goldminen: "Nur die Spitze des Eisberges"

Von Armut und Perspektivlosigkeit getrieben, wagen vor allem viele arbeitssuchende Migranten aus den Nachbarstaaten Lesotho, Simbabwe oder Mosambik die gefährliche Reise in die Tiefen dieser ehemaligen Goldminen. In manchmal bis zu zwei Kilometern unter der Oberfläche harren sie dann oft monatelang am Stück aus und schürfen nach dem letzten Gold, das sich aus den noch verbleibenden Erzen gewinnen lässt. Oftmals werden sie dabei von organisierten Banden unterstützt, die sie mit Wasser, Nahrungsmitteln, Sprengstoffen und anderem Gerät versorgen, wie der südafrikanische Bergretter Christo de Klerk am vergangenen Dienstag auf einer Pressekonferenz in Johannesburg berichtete.

Der Mann muss es wissen, denn er ist Direktor der südafrikanischen Rettungsgesellschaft "Mines Rescue Services" mit Sitz in Johannesburg, die eigentlich für Bergungseinsätze bei legal betriebenen Goldminen zuständig ist. Aber immer öfter, so De Klerk, müsse man nun zu Einsätzen in bereits "verlassenen Stollen" ausrücken. Es werde immer "schlimmer und schlimmer und schlimmer", betonte der erfahrene Retter wörtlich und lieferte den Grund für die Pressekonferenz gleich mit. Noch nie habe man so viele Tote aus illegalen Goldminen bergen müssen wie in diesem Jahr, wenngleich noch nicht einmal neun Monate des Jahres vergangen sind. Doch bei den geborgenen Toten handele es sich nur um "die Spitze des Eisberges", sagte De Klerk. Er schätzt, dass nur einer von zehn Toten, die es tatsächlich bei Unfällen in illegalen Goldminen gebe, auch gefunden werde. Der Rest wird demnach für immer in den hunderte Kilometer langen Stollen verschollen bleiben.

Trauriger Rekord: Hunderte Goldsucher sterben in illegalen Goldminen

Laut De Klerk ist die Zahl der geborgenen Toten in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft angestiegen. Im Jahr 2014 habe man lediglich drei Tote bergen müssen. In 2015 sei diese Zahl bereits auf 22 hochgeschnellt, so De Klerk. Und im Jahr 2016 sind es den Angaben zufolge schon 24 Tote, die seine Rettungsgesellschaft innerhalb von nur neun Monaten aus den Tiefen der illegalen Goldminen geholt hat. Ein trauriger Rekord. Stimmen die Schätzungen des Experten, so sterben mittlerweile jedes Jahr hunderte von Goldsuchern in den stillgelegten Stollen der ehemaligen Goldminen von Südafrika.

Das große Problem dabei sei, dass sich die Leute da unten meist zuerst an den natürlichen Pfeilern der Bergwerke, die von den Goldminenbetreibern zurückgelassen wurden um die Stollen zu stabilisieren, zu schaffen machten. Diese Pfeiler seien reich an Golderz, doch führe deren Entfernung eben auch zum Einstürzen der Stollen und Tunnel. Laut De Klerk ist die Ausbeutung illegaler Goldminen längst in den Händen der organisierten Kriminalität. Das gewonnene Golderz werde auf eine Reinheit zwischen 85 und 90 Prozent veredelt und an darauf spezialisierte Syndikate verkauft. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat das so gewonnene Gold einen Wert von rund 1.3 Milliarden Euro im Jahr - und erreicht damit fast ein Viertel des Wertes der gesamten legalen Goldminenindustrie von Südafrika.

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