Stand: 08.06.2020 von Jörg Bernhard
Ende Mai war es wieder einmal soweit: Die 14. Ausgabe der jährlich erscheinenden Goldpreisstudie „In Gold we Trust“ wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Die beiden Autoren Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek haben sich in diesem Jahr für den Titel „Aufbruch in eine goldene Dekade“ entschieden.
Incrementum in Gold we trust Report 2020 - Gold in 10 Jahren bei 4.800 $

Mammut-Version über 350 Seiten

Wie in den Jahren zuvor ist die im Internet unter www.ingoldwetrust.report abrufbare Studie in einer XXL-Version über 350 Seiten und in einer auf 100 Seiten „abgespeckten“ Version erhältlich – und das völlig kostenlos. Die Publikationen sind wahlweise auf Deutsch oder auf Englisch erhältlich.

Im Herbst soll das Werk zudem auf Chinesisch (Mandarin) erscheinen. Weltweit genießt die Studie, an der laut Stöferle 20 Mitarbeiter insgesamt 20.000 Arbeitsstunden investiert haben, hohes Ansehen. Die vor einem Jahr vorgestellte Ausgabe wurde insgesamt 1,8 Millionen Mal heruntergeladen.

Verunsicherte Anleger, die ihr Vermögen wirksam schützen möchten, sollten sich den diesjährigen „In Gold we Trust“-Report angesichts der verschärften Krisenlage unbedingt zu Gemüte führen.

Besonders viel Raum wurde aufgrund der ereignisreichen Monate in diesem Jahr dem aktuellen Status Quo des Goldpreises eingeräumt. So erfolgte auf über 80 Seiten eine detaillierte Standortbestimmung aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln mit folgendem Fazit:

Die Autoren sind mehr denn je der festen Überzeugung, dass Gold ein vieldimensionaler Portfoliobaustein mit antifragilen Eigenschaften ist, der in der kommenden goldenen Dekade seine Stärke voll ausspielen wird.

Auf den Punkt gebracht beinhaltet der jüngste Goldreport acht Kernaussagen:

  1. Die geldpolitische Normalisierung ist gescheitert

  2. Das Coronavirus ist der Brandbeschleuniger der überfälligen Rezession

  3. Die deflationären Kräfte sind aktuell stark

  4. Zentralbanken stecken bei künftiger Inflationsbekämpfung in der Zwickmühle

  5. Die Schuldentragfähigkeit gerät an ihre Grenze

  6. Anbruch einer neuen währungspolitischen Weltordnung

  7. Neue Gold-Allzeithochs sind nur eine Frage der Zeit

  8. Das proprietäre Bewertungsmodell der Autoren weist bei konservativer Kalibrierung einen Goldpreis von 4.800 Dollar am Ende dieser Dekade aus

Neben Gold auch andere Assets im Blick

Neben dem Krisenschutz Gold haben sich die beiden Autoren – insbesondere in der ausführlichen Version – auch anderen Assets wie zum Beispiel Silber, Minenaktien, dem Bitcoin sowie goldgedeckten Kryptowährungen gewidmet.

Sie alle gelten als interessante Option, um sich vor der drohenden Explosion der Geldmengen, Schulden und Inflation zu schützen. Wie in jedem Jahr wurde die Langversion des „In Gold we Trust“-Report durch externe Experten-Beiträge und diverse Exklusiv-Interviews bereichert.

Mit Luke Gromen, dem Gründer der Makroresearch-Firma FFTT (Forest for the Trees“) sprach man über die Geopolitik von Öl, Gold und Geld. Außerdem führte Mark Valek ein Interview mit dem Blogger „Plan B“ (Pseudonym) über das „Stock-to-Flow-Ratio“ und den daraus resultierenden Härtegrad des Bitcoin.

Ein drittes Interview wurde mit Terry Heymann geführt, dem Finanzchef des World Gold Council. Er lieferte einen Überblick über die ESG-Maßnahmen der Goldminen - Unternehmen.

Mein Fazit: Für alle, die sich in diesen „verrückten Zeiten“ – Gedanken bzw. Sorgen um die Zukunft machen, eignet sich sowohl die Kompakt- als auch die Langversion des Goldreports als wichtige Grundlage, die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten besser zu verstehen und entsprechend zu handeln.

Dabei helfen auch die zahlreichen Grafiken und Tabellen. Nachfolgend finden Sie drei besonders interessante Exemplare.

Zentralbankbilanz Veränderungen 2004-2020

Milligramm Gold pro USD & EUR 1999 -2020

Gold S&P 500 - Ratio 2008 - 2020

Ausblick für die laufende Woche

An den internationalen Aktienmärkten wurden im Mai eifrig Vorschusslorbeeren verteilt – von wegen

„Sell in May and go away“.

So legte zum Beispiel der DAX im Wonnemonat um 6,7 Prozent zu, während beim Dow-Jones ein Plus von 4,3 Prozent zu Buche schlug. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage stellt sich aber schon die Frage, ob die offensichtlich existenten Risiken möglicherweise unterschätzt werden?

In den USA verloren innerhalb weniger Monate mehr als 20 Millionen Beschäftigte ihren Job und sehen sich nun in vielen Städten mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen konfrontiert.

Außerdem hat der Streit um die Autonomie und die bisherigen Privilegien Hongkongs den Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder aufbrechen lassen.

Dass sich exportorientierte Nationen wie Deutschland unter der markanten Wirtschaftsschwäche wichtiger Handelspartner leiden werden, dürfte jedem klar sein.

Da mögen solide Staatsfinanzen erst einmal beruhigend wirken, auf lange Sicht sehen die Perspektiven aber alles andere als rosig aus.

Dieses Credo beinhaltete auch die aktuelle Ausgabe der jährlich erscheinenden Goldpreisstudie „In Gold we Trust“ der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum AG.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Robert Happek | 09.06.2020, 23:21 Antworten

Ich habe die "Mammut" Version des Berichtes durchgelesen und muss am Ende sagen dass der Bericht doch enttaueschend ist. Es wird nicht auf die grundlegende Problematik von Waehrungen eingegangen. Im Gegenteil, es wird der Eindruck vermittelt dass der Verfall der Papierwaehrungen ein Resultat des Unvermoegens der Zentralbanken sei. Das ist keineswegs der Fall. Das genaue Gegenteil ist der Fall. In der realen Wirtschaft werden Produkte und Dienstleistungen hergestellt die alle dem Hauptsatz der Thermodynamik folgend eine begrenzte Lebensdauer haben. Die Autos von 1960 wuerde heute niemand kaufen oder fahren wollen, auch wenn sie frisch aus der Fabrik kommen sollten. Doch das Geld das mit der Verkauf dieser Autos 1960 verdient wurde soll idealerweise nie entwertet werden und ueber den Zinses Zins im Wert sogar im Laufe der Zeit zunehmen. Das ist absurd. Daher muss jede Waehrung im Wert verfallen um einfach Schritt zu halten mit dem Verfall der Werte die die Waehrung decken. Im Extremfall wie verlorener Krieg, verliert die Waehrung ihren Wert vollstaending (Hyperinflation 1923). Daher musste auch Gold als Waehrung abgeschafft werden weil Gold dem 2. Hauptsatz nicht zu unterliegen scheint und daher eine tendenziell deflationaere Wirkung auf die reale Wirtschaft hat. Unser eigenes Leben verfaellt nach etwa 80 Jahren und muss daher durch staendigen Nachwuchs ersetzt werden. Das gleiche Schicksal droht allen Waehrungen (auch Gold gedeckten) weil niemand der Entropie und dem 2. Hauptsatz entfiehen kann.

Dieser Gedanke ist nicht neu. Er wurde zum ersten Mal formuliert durch Frederick Soddy, einem britischen Nobelpreistraeger (so um 1920) in der Nuklear Chemie, der damals aktiv gegen den Gold Standard kaempfte und als Argument den 2 ten Hauptsatz der Thermodynamik anfuehrte. Oekonomen haben Soddy niicht verstanden weil sie nichts von Physik verstehen. Daher sind die Gedanken von Soddy auch heute nur wenigen bekannt. Doch mit der zunehmenden Verknappung von Rohstoffen (insbesondere Oel, Erdgas und Metalle) werden die Ideen von Soddy wieder staerker ins Bewusstsein der Oeffentlichkeit treten. Die Theorien von Soddy sind der wahre Grund warum jeder physisches Gold als zeitlose und raumlose Waehrung halten sollte. So lange die breite Masse die Sonderstellung von Gold nicht versteht, so lange wird man Gold preiswert kaufen koennen. Gold is zu jedem Papierpreis ein Schnaeppchen. Das ist auch eine Folge des 2.ten Hauptsatzes.

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von Alfred | 09.06.2020, 17:35 Antworten

Wer seit über 10 Jahren Gold den Vorteil gegenüber Silber gegeben hat, sollte alles richtig gemacht haben. Zudem fallen bei Ag noch die Mehrwertsteuer und höhere Händlermargen an. Nur zwei Gründe für Au.

von Robert Happek | 09.06.2020, 21:36 Antworten

Wenn ich mich recht entsinne, dann waren die urspruenglichen "In gold we trust" Berichte von Herrn Stoeferle verfasst worden. Dieser Herr hat aber Incrementum inzwischen verlassen und arbeitet jetzt fuer Matterhorn Gold (van Greyerz). Daher neue Autoren des Berichtes. Eine Verdreifachung des Gold Preises innerhalb von 10 Jahren ist moeglich aber nicht sehr wahrscheinlich. Die Zentralbanken haben noch eine Menge von Tricks um den Gold Preisanstieg zu verlangsamen, Das Zeitalter der Papierwaehrungen ist keineswegs am Ende. Nie alles auf eine Karte setzen.

von Aureus | 09.06.2020, 05:07 Antworten

Die Geldmenge wird ausgeweitet. Daher bleibt Gold eine excellente Absicherung gegen (geo)politische Risiken. Ich bleibe weiter investiert, alles andere ist mir zu riskant. Und der Goldpreis ist in den letzten Jahren ja auch nicht gerade schlecht gelaufen...

von Fritzthecat | 08.06.2020, 20:16 Antworten

Interessant wäre zu wissen auf was der prognostizierte Goldpreis beruht.
Auf die jetzige Kaufkraft?

Wenn deflationäre Tendenzen eintreten, wäre der Goldpreisanstieg sensationell.

Was wäre, wenn wir tatsächlich eine Inflationrate von 10- 15% p.A bekommen. Dann hätte der Goldpreis eben "nur" die Inflation ausgeglichen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"