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Stand: 21.09.2021 von Jörg Bernhard
Im August 2021 machte die Inflation in der Eurozone einen kräftigen Satz nach oben. So meldete am vergangenen Freitag das europäische Statistikamt Eurostat einen Anstieg von 2,2 auf 3,0 Prozent p.a., den höchsten Wert seit November 2011.
Inflation in der Eurozone auf Zehnjahreshoch

Anhaltender Höhenflug bei Konsumentenpreisen

Noch deutlicher ging es in der 27 Mitglieder starken Europäischen Union mit der Geldentwertung nach oben. Hier stellte sich ein Durchschnittswert in Höhe von 3,2 Prozent p.a. ein.

Besonders interessant: Vor zwölf Monaten waren sowohl im Euroraum (-0,2 Prozent p.a.) als auch in der Europäischen Union (+0,4 Prozent p.a.) deutlich niedrigere Werte registriert worden. Außerdem bewegten sich die August-Teuerungsraten der verschiedenen Länder (siehe Grafik) in einer relativ breiten Range zwischen 0,4 Prozent (Malta) und 5,0 Prozent (Estland, Litauen, Polen).

Jährliche Inflationsraten im August

Hauptverantwortlich für die beschleunigte Teuerung war laut Eurostat der Bereich Energie, gefolgt von Industriegütern (ohne Energie) sowie Dienstleistungen und Lebensmittel (inkl. Alkohol und Tabak).

Der für die Eurozone gemeldete Anstieg der Inflation auf ein neues Zehnjahreshoch stellte keine große Überraschung dar, schließlich gab es in den vergangenen Monaten auch in anderen Volkswirtschaften Mehrjahreshochs zu vermelden.

Während in Deutschland zuletzt vor fast 27 Jahren eine höhere Geldentwertung zu beklagen war, mussten die US-Amerikaner bei ihrem Dollar im Juni und Juli mit 5,4 Prozent den höchsten Kaufkraftverlust seit 13 Jahren hinnehmen.

Vergleichsweise niedrige Teuerungsraten herrschen derzeit in zwei wichtigen asiatischen Volkswirtschaften, wo für China zum Beispiel ein Wert von 0,8 Prozent (August) und für Japan sogar lediglich minus 0,3 Prozent (Juli) gemeldet worden war.

Inflationsanstieg verpufft an den Goldmärkten

Das Edelmetall Gold gilt in der Finanzwelt zwar als altbewährter Inflationsschutz, in diesem Jahr profitierte es hingegen nicht von der beschleunigten Geldentwertung. Diverse Negativfaktoren wogen in den vergangenen Monaten stärker als das Schutzbedürfnis verunsicherter Anleger.

Zum einen vertrauen Investoren derzeit verstärkt einem anderen Sachwert – nämlich Aktien. Bei DAX und Dow-Jones führte das starke Kaufinteresse im August zu neuen AllzeithochsZugleich glaubt die Mehrheit der Investoren offensichtlich den Einschätzungen diverser Notenbanker und Wirtschaftsinstitute, welche die gegenwärtige relativ hohe Inflationsphase als temporäre Erscheinung ansehen. Sorgen bereitet auch die von der Fed und der EZB angekündigte Reduktion der Anleihekäufe noch in diesem Jahr.

Aktuell werden diesseits des Atlantiks Monat für Monat Wertpapiere im Volumen von 80 Milliarden Euro erworben, während sich das Kaufprogramm der Fed sogar auf 120 Milliarden Dollar beläuft. Damit sich für Privatanleger der Kauf solcher Papiere wieder lohnt, müssten deren Renditen zumindest die Inflationsrate übertreffen.

Dies dürfte nur gelingen, wenn die Inflation sinkt und zugleich die Zinsen steigen.

Selbst Staaten mit bester Bonität wie Deutschland oder die USA dürften Probleme bekommen, wenn ihre Finanzierungskosten auf das derzeitige Inflationsniveau von 3,9 bzw. 5,3 Prozent ansteigen würden.

Deshalb sollte man – aller Unkenrufe zum Trotz – Gold als bewährten Inflationsschutz eher mehr als weniger vertrauen.

Ausblick für die laufende Woche

Es ist wieder einmal so weit: Die nächste Sitzung der Fed steht vor der Tür. Am Mittwochabend dürften die Akteure an Finanzmärkten gebannt auf die Statements der US-Notenbanker warten und diese dann interpretieren.

Sollten die „taubenhaften“ Töne überwiegen, sollte dies dem Goldpreis zumindest zu einer stabilen Tendenz verhelfen. Falls aber das Thema „Tapering“ (Zurückfahren der Anleihekäufe) auf ein früher als erwartetes Ende der ultraexpansiven Geldpolitik hindeuten sollte, droht dem Krisenschutz möglicherweise Ungemach.

Davon sollten sich Anleger aber keinesfalls verunsichern lassen.

Denn selbst, falls Staatsanleihen bester Bonität künftig höhere Renditen bieten sollten, als marktgerecht wären diese sicherlich noch nicht anzusehen. Ein wichtiger Vorteil von Gold in physischer Form besteht bekanntlich vor allem darin, frei von einem Kontrahentenrisiko bzw. Totalverlustrisiko zu sein.

Dies kann man weder Anleihen noch Aktien attestieren.

Als generationenüberdauernde Krisenwährung dürfte das gelbe Edelmetall deshalb weiterhin erste Wahl bleiben.

Autor: Jörg Bernhard
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von Liberal-Konservativer Rentner | 22.09.2021, 20:47 Antworten

INFLATION hat zu großen Teilen ihre Ursache in der Differenz zwischen der Geld-Schöpfung durch Kredit-Vergabe und der Menge der, mit den Schulden produzierten Waren. So lange dem so ist, wird der Höhenflug der Konsumpreise auch anhalten.

Die Differenz der ungedeckten Kredit-Vergabe wird ver(sch)wendet zu Gunsten der Begrenzung der Steuer- und Zins-Last „armer“ Wirtschafts-Teilnehmer und Investoren. Vom Staat werden die Kredite ausgegeben, als käme das Geld aus „ordentlichen“ Steuer-Einnahmen. Und nein, ich bin kein Linker, weil die den letzten Rest an Kredit-Fähigkeit auch noch verschwenden… „nachhaltig“.

Auf Anleihen und Spar-Einlagen des Bürgers ist man bereits heute gar nicht mehr angewiesen und verlangt gar noch Gebühren für die Aufbewahrung von Ersparnissen. Dabei hießen Staats-Anleihen doch früher mal Renten-Werte! Bleibt also nur noch Sparen in Aktien und (Beton-)Gold.

Letzteres bietet den Vorteil, daß man es in kleinen Stücken erwerben kann… schuldenfrei im Gegensatz zu überteuerten Immobilien…. sonst Kuckuck.

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