Stand: 20.10.2016 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Laut den offiziellen Zahlen war die Inflationsrate in den vergangenen Jahren sehr niedrig. Nun zeichnet sich aber eine deutliche Trendwende ab. Damit verbessern sich die Perspektiven für Gold. Der US-Finanzprofi John Hathaway erklärt, wieso genau jetzt der richtige Zeitpunkt für Investments in Gold und Goldminenaktien gekommen ist.  

Am Finanzmarkt rückt für viele Investoren allmählich ein Faktor in den Vordergrund, der lange Zeit keine Rolle gespielt hat: die Inflation. Sie ist weltweit kräftig auf dem Weg nach oben. So ist die Inflationsrate in Großbritannien von August auf September von 0,6 Prozent auf ein Prozent nach oben geschossen. Vor einem Jahr waren es noch null Prozent. Verantwortlich für die kräftige Beschleunigung der Inflation ist vor allem der Verfall des britischen Pfunds wegen des bevorstehenden Brexits, war es zuletzt doch zuletzt auf 31-Jahres-Tiefs zum Dollar abgerutscht. In den USA ist die Inflationsrate von August auf September von 1,1 auf 1,5 Prozent gehüpft. Das liegt vor allem am kräftigen Anstieg des Ölpreises.

Die Analysten der Bank of America haben daher ausgerechnet, wie sich die Inflation bei weiter steigenden Ölpreisen entwickeln dürfte. Laut deren Basisszenario wird die Inflation innerhalb weniger Monate auf mehr als zwei Prozent steigen, bei einem starken Anstieg des Ölpreises sei sogar eine Inflationsrate von 3,5 Prozent zu erwarten.

Gelddrucken heizt Inflation an

In der Euro-Zone ist die Inflation zuletzt auf 0,4 Prozent geklettert, während sie noch im April bei minus 0,2 Prozent gelegen hatte, die Preise also um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken waren. Für die weltweite Beschleunigung der Inflationsraten sind vor allem die Notenbanken verantwortlich. Sie haben in den vergangenen Jahren Billionen gedruckt, und die EZB und die japanische Notenbank drucken kräftig weiter. So ist die Bilanzsumme der EZB zuletzt auf horrende 3,47 Billionen Euro gestiegen. Durch das gigantische Gelddrucken wächst die Geldmenge viel stärker als die Gütermenge. So stieg die Geldmenge im August um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das führt trotz des bescheidenen Wirtschaftswachstums dazu, dass die Inflation weiter angeheizt wird, zumal wenn der Euro gegenüber dem Dollar deutlich schwächeln sollte.

Notenbanken manipulieren den Goldpreis nach unten

Ein Umfeld zunehmender Inflation ist ein hervorragendes Umfeld für Gold, denn das Edelmetall schützt Anleger vor der Geldentwertung. Deswegen könnte der Preis allmählich eine deutliche Kehrtwende nach oben einlegen. Zuletzt hatte es noch einen deutlichen Kursrückgang gegeben. Verantwortlich dafür sind vor allem Spekulanten gewesen: Nachdem sie den Kursanstieg ab Januar genutzt hatten, um mit Futures und Optionen immer stärker auf steigende Preise zu spekulieren, haben die Spekulanten zuletzt darauf gesetzt, dass sich die Korrektur beim Goldpreis ausweitet. „Diese Rotation spiegelt synthetisches oder Papier-Trading wider… und ist praktisch völlig losgelöst vom Fluss des physischen Metalls“, schrieb John Hathaway, Fondsmanager des Tocqueville Gold Fund zuletzt. Hathaway arbeitet seit 1970 in der US-Finanzbranche und wechselte 1997 zu Tocqueville. Dort ist er der Chef des Aufsichtsgremiums der Investmentfirma und verwaltet etliche Fonds. „Wir glauben nicht, dass der jüngste Kursrückschlag eine strukturelle Veränderung des Ausblicks für Gold signalisiert…

Die jüngste Korrektur fiel mit der Abwesenheit chinesischer Käufer wegen der „Goldenen Woche“-Ferien zusammen“, so Hathaway. China hatte vom 1. bis zum 7. Oktober die Nationaltagswoche gefeiert. „Da (der Markt in) China - der mit weitem Abstand größte Käufer von physischem Gold - geschlossen war, waren die Märkte anfällig für eine wilde Manipulation, und genau das ist passiert als mehrere Billionen Dollar an Papier-Vermögen (sprich Futures) auf den Markt geworfen worden sind…

Die weltweiten monetären Intriganten (Notenbanken und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)) haben eine lange Geschichte des Niederhaltens der Goldpreise, weil ein steigender Goldpreis ihre Legitimität diskreditiert“, so Hathaway. Die jüngste Intervention, um den Goldpreis nach unten zu drücken, sei in den vergangenen zwei Jahren im Herbst während der „Goldenen Woche“ ähnlich gelaufen wie in diesem Jahr.

Westen steht eine „Japanisierung“ bevor

„Man muss sich fragen, ob sich an dem Investment-Hintergrund für Gold etwas geändert hat. Unserer Meinung nach hat der Goldpreis Ende 2015 einen langjährigen Bullenmarkt begonnen…

Unserer Meinung nach nehmen die systemischen Risiken stark zu, was sich allerdings nur zeitweise manifestiert, beispielsweise in der Bankenkrise in Europa.“ Die Gold-Anleger sollten sich bestärkt sehen, dass das Vertrauen der Investoren in den Notenbanken zusehends schwindet. „Ultra niedrige Zinsen, ausufernde Haushaltsdefizite in den westlichen Demokratien und der Abwertungswettlauf bei den Währungen werden zu einer negativen Rückkopplungsschleife für das Wachstum der Weltwirtschaft.“ Entgegen den Behauptungen der Notenbanker belasten die Rekordniedrigen Zinsen und die Strafzinsen, in der Euro-Zone und in Japan, die Sparer, weil ihnen jährlich hunderte Milliarden an Zinseinnahmen entgehen. Dieses Geld fehlt wiederum für den Konsum, wodurch die Wirtschaft massiv gebremst wird. Hathaway befürchtet, dass es im Westen zu einer langfristigen „Japanisierung“ der Wirtschaft kommt mit minimalem Wirtschaftswachstum und hohen Haushaltsdefiziten.

Viele Gründe sprechen für Gold

„Eine Reihe von Auslösern reihen sich auf, die ein breites Interesse an Gold und einen erneuten Anstieg der Goldpreise auslösen sollten. Das nachlassende Vertrauen in die Notenbanken, sowohl von Investoren, als auch von den Notenbankern selbst. Testballons über die Abschaffung des Bargelds, der Ausweitung der Haushaltsdefizite, und das Drücken der Zinsen unter die Nulllinie scheinen stark zuzunehmen. Die Kommentare in den Massenmedien stellen die Effektivität der ultra niedrigen Zinsen und des QE-Gelddruckens zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums in Frage“, so der Finanzprofi. „Die Zinsen scheinen zu steigen laut einem Zeitplan, der nicht von der US-Notenbank, sondern von den Finanzmärkten bestimmt wird. Beide US-Präsidentschaftskandidaten (Donald Trump und Hillary Clinton) setzen auf Konjunkturprogramme, die die Neuverschuldung nach oben treiben wird – und das zu einem Zeitpunkt, da die ausländischen Käufer von US-Staatsanleihen, ein wichtiger Nachfrager in den vergangenen Jahren, seit zwölf Monaten im Liquidations-Modus sind. Weiter steigende Zinsen werden bei Besitzern von Anleihen mit niedrigen Zinsen und Strafzinsen zu herben Kursverlusten führen und zu erheblichen Kollateralschäden am Aktienmarkt“, so Hathaway. Nachdem die immer weiter sinkenden Zinsen die Aktienmärkte jahrelang immer weiter nach oben getrieben hatten, würde ein deutlicher Zinsanstieg enormen Gegenwind für den weltweiten Aktienmarkt bedeuten.

USA steht vor neuer QE-Gelddruckrunde

„Die weltweite Goldförderung steht unserer Meinung nach vor einem unvermeidlichen Produktionsrückgang für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Weil die Erforschung (neuer Minen) stark zurückgegangen ist, gibt es weniger neue Lagerstätten zum Fördern. Die Lebenszeit der alten Minen schwindet. Die Barrieren für den Bau neuer Goldminen scheinen noch größer zu sein, als in den vergangenen 20 Jahren“, so Hathaway. „Die US-Wirtschaft befindet sich wahrscheinlich am Rande einer Rezession. Sollten die Zinsen zu dieser prekären Zeit steigen, könnte die Geldpolitik, die in einem Verschärfungs-Modus sein soll, zu einer erneuten QE-Gelddruckrunde oder noch radikaleren Maßnahmen gezwungen sein.“ Damit ist Hathaways Liste an Gründen, die für deutlich steigende Goldpreise sprechen, noch längst nicht zu Ende. „Gold ist in Investmentportfolios im Westen extrem untergewichtet.“ Weil aber ein bedeutender Teil des physischen Goldes aus dem Westen nach Asien abgeflossen sei, „könnte die Preisdynamik explosiv werden. Gold hat seit dem Start der radikalen Geldpolitik rund um das Jahr 2000 einen starken Bullenmarkt verzeichnet. Seit damals ist Gold die beste Anlageklasse. Diese Tatsache wird von den Massenmedien und vielen gewöhnlichen Investoren aber völlig übersehen. Die schmerzhafte Korrektur zwischen 2011 und 2015 hat die Stärke von Gold verschleiert, weshalb die meisten Investoren die systemischen Risiken leichtfertig ignorieren… und keine Motivation sehen, ums sich mit Gold zu schützen.“

Hathaway geht davon aus, dass das Vertrauen der Investoren in die Notenbanken weiter schwinden wird und dass es zu einem nachhaltigen Bärenmarkt am Finanzmarkt kommt, also zu einem längerfristigen Abwärtstrend, nicht zuletzt am Aktienmarkt. „Die augenblickliche scharfe Korrektur bei Edelmetallen legt die Basis, für einen weiteren erheblichen Anstieg in Richtung der Rekordhochs bei den Metallen und den Aktien (der Edelmetallförderer). Wir empfehlen daher, die augenblickliche Schwäche zu nutzen, um neue Positionen aufzubauen.“


Inflation könnte den Goldpreis anheizen
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Schindhuber | 09.11.2016, 15:03 Antworten

    Der Goldpreis ist gesehen zur momentanen Wirtschaftsleistung unterbewertet. Der Unzenpreis müsste in der Realität die Marke von 2000 $ belegen. Aber nach Abschaffung des
    Euro in den nächsten 2 Jahren wird sich der Preis für Gold bei dem oben genannten Unzenpreis einpendeln.

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