Gold: 1.750,08 € -0,05 %
Silber: 19,92 € -0,08 %
Stand: 28.03.2022 von Hannes Zipfel
In dieser Woche werden aktuelle Inflationsdaten und die Konsumentenstimmung für Deutschland veröffentlicht. Für beides erwarten die Ökonomen eine deutliche Verschlechterung. Auch auf politischer Ebene stehen wichtige Termine an, v. a. der chinesisch-europäische Gipfel am Freitag ist beachtenswert. Die EU droht ihrem wichtigsten Handelspartner wegen dessen Haltung im Ukraine-Krieg mit wirtschaftlichen Sanktionen.
Inflation, Konsumentenstimmung & „großer“ US-Arbeitsmarktbericht

Beachtenswerte Termine für Anleger in der KW 13:

  • Montag: Chinesische Industriegewinne seit Jahresbeginn (Feb.: 5,5 % | Jan.: 34,0 %)
  • Dienstag: GfK-Konsumklima Deutschland für April (e: -14,0 | Mrz.: -8,1)
  • Mittwoch: Verbraucherpreise Deutschland für März auf Jahresbasis (e: 6,3 % | Feb.: 5,1 %)
  • Donnerstag: Einkaufsmanagerindex China für März (e.: 50,8 | Feb.: 51,2)
  • Freitag: US-Stellenwachstum außerhalb der Landwirtschaft im März (e: 475k | Feb.: 678k), Virtueller EU-China-Gipfel

(Details und ergänzende Termine finden Sie in der Tabelle ganz unten)

Aktuelle Risikowahrnehmung führt zu sinkenden Goldpreisen

An den Finanzmärkten werden aktuell sowohl die Risiken des Ukraine-Krieges als auch die der Covid-19-Pandemie ausgepreist. In der Folge verabschieden sich kurzfristig orientierte Anleger aus dem Goldmarkt und die Notierungen sinken.

Am Montagmittag kostete eine Feinunze Gold (31,1 g) am Spot-Markt ca. 1.760 Euro bzw. 1930 US-Dollar.

Goldpreisentwicklung in Euro pro Feinunze

Ob in Anbetracht der Beibehaltung der Null-Covid-Strategie der chinesischen Regierung und des in dieser Woche in Kraft tretenden Total-Lockdowns der Industrie- und Hafenmetropole Shanghai die Pandemie-Risiken nicht eventuell unterschätzt werden, muss sich in den kommenden Wochen noch zeigen. Unterbrochene Lieferketten, der Mangel an wichtigen Bauteilen und Materialien zur Weiterverarbeitung in Europa und den USA dürften weiterhin die Inflation hochhalten und das Wachstum belasten.

Das Gleiche gilt für die Russland-Ukraine-Krise: Seit Wochen wird verhandelt, aber es wurde noch keine Lösung gefunden. Stattdessen tobt in der Ukraine nach wie vor ein verheerender Krieg und es kann jederzeit zu weiteren Sanktionen und Gegensanktionen kommen.

Sowohl die Nachhaltigkeit als auch die Ausprägung der daraus resultierenden Inflations- und Wachstumsrisiken sind noch gar nicht abschätzbar. Dass diese kurzfristig verschwinden ist jedoch im höchsten Maße unwahrscheinlich. Vor allem, da viele Strafmaßnahmen gegen Russland und Belarus, die aktuell zu massiven Preisanstiegen führen, auch nach dem Ende des Krieges aufrechterhalten werden dürften.

Rekordhohe Importpreise für Deutschland aus dem Februar in Höhe von geschätzten 26,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat sollten eine Warnung sein, die zukünftigen Verbraucherpreisanstiege nicht zu unterschätzen. Die Veröffentlichung der deutschen Importpreisdaten erfolgt am Dienstag um 8:00 Uhr MESZ.

Gold und andere Edelmetalle als Schutz vor Inflation, Rezession und vor den Risiken des Finanzsystems (Schwarze Schwäne) zu halten, erscheint weiterhin sinnvoll.

Zumal konjunkturelle Frühindikatoren rund um die Welt einen Einbruch der Wirtschaft bei gleichzeitig hochschnellender Inflation anzeigen und diese Daten mit zunehmender Häufigkeit von gleich- und nachlaufenden Indikatoren bestätigt werden.

Wichtige Termine in dieser Woche

Mit dem GfK-Konsumklima veröffentlichen die Marktforscher aus Nürnberg am Dienstag einen weiteren wichtigen Konjunkturfrühindikator für Deutschland. Mit einem erwarteten Wert von -14,0 setzt sich die Phase der starken Verunsicherung der deutschen Konsumenten seit Beginn der Pandemie wohl fort. Bereits im Februar dieses Jahres, also noch vor Ausbruch des Krieges, war der Konsumklima-Wert auf -8,1 Indexpunkte abgerutscht. Die folgende Grafik umfasst die diesbezügliche Datenerhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) seit dem Jahr 2001:

GfK Konsumklima Deutschland

Am Mittwoch folgen dann die Verbraucherpreisdaten für Deutschland aus dem Monat März und damit ein erster handfester Indikator für die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf das Preisniveau für Endverbraucher hierzulande.

Mit einem Wert von 6,3 Prozent gegenüber den Vorjahrespreisen erwarten die Ökonomen im Konsens die höchste Inflationsrate seit 40 Jahren, also seit dem Januar 1982 mit damals 6,5 Prozent. Am Freitag folgen dann die Inflationsdaten für die 19 Staaten der Eurozone. Hier wird sogar von einem Anstieg der Verbraucherpreise um 6,6 Prozent im März gegenüber dem Vorjahresmonat ausgegangen.

Ein wesentlicher Unterschied zu damals ist das heutige Zinsniveau: Der Leitzinssatz der Deutschen Bundesbank lag bis zum 27. August 1982 bei 7,0 Prozent p. a. (Diskontsatz). Heute liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 0,0 Prozent p. a. (Hauptrefinanzierungssatz) und der für Banken wichtige Einlagenzinssatz sogar bei -0,5 Prozent p. a. Der daraus resultierende strak negative Realzins für den Euro ist ein weiterer Grund, das monetäre Edelmetall Gold zu halten.

Zum Wochenschluss steht u. a. die Veröffentlichung der „großen“ US-Arbeitsmarktdaten an. Es wird damit gerechnet, dass in den gesamten USA im Monat März in allen Bereichen außerhalb des Landwirtschaftssektors 448.000 neue Stellen geschaffen wurden. Im Februar waren es 678.000 Stellen.

Gleichzeitig rechnen die Analysten im Konsens mit einem Anstieg der Stundenlöhne um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit steigen die Löhne bereits seit zwei Jahren deutlich über dem Zwanzigjahresdurchschnitt von 2,8 Prozent an. Die Lohn-Preis-Spirale wurde jenseits des Atlantiks somit längst in Gang gesetzt.

Mit 7,9 Prozent ist die Inflationsrate in den USA bereits sehr hoch. Da diese Messung noch aus dem Februar und damit aus der Zeit vor dem kriegsbedingt steilen Anstieg vieler Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise stammt, sind in den kommenden Monaten noch höhere Inflationsraten zu erwarten. Die jüngste Zinsanhebung der US-Notenbank (Fed) um 0,25 Prozentpunkte hat den effektiven Leitzins gerade einmal auf 0,33 Prozent p. a. erhöht (Effective Federal Funds Rate).

Noch ist den Anlegern in der Breite nicht bewusst, dass die Zentral- und Notenbanken sie wegen der Rekordverschuldung nicht mehr durch Zinsanhebungen adäquat vor der Geldentwertung schützen können. Doch dieser Erkenntnisprozess schreitet auch in den USA voran.

Die zunehmende Diskrepanz zwischen dem Zinsniveau und der Geldentwertung spricht auf jeden Fall für das zinslose, aber knappe Geldmetall Gold.

Auf politischer Ebene sollte die Forderung Russlands, die Gaslieferungen zukünftig in Rubel statt in Euro und US-Dollar zu bezahlen in dieser Woche auf dem Schirm der Anleger sein. Bis zum Mittwoch soll die Russische Zentralbank (Bank Rossii) auf Geheiß von Wladimir Putin alle dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen. Eine entsprechende Eskalation in Sachen Gaslieferungen könnte kurzfristig stattfinden, da die G7-Staaten diese Forderung vehement ablehnen.

Ergänzend sind in der folgenden Tabelle weitere wichtige Daten-Termine für die KW 13 aufgeführt:

Wochentag Zeit (MEZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 03:30 Uhr CHN: Industriegewinne Februar (YTD) 5,5 % 34,0 %
Montag 16:30 Uhr USA: Dallas Fed Geschäftsindex März - 14,0
Dienstag 08:00 Uhr DE: Importpreise Februar (Jahr) 26,9 % 26,9 %
Dienstag 08:00 Uhr DE: GfK-Konsumklima April -14,0 -8,1
Dienstag 08:00 Uhr DE: Einzelhandelsumsätze Februar (Jahr) 9,8 % 10,3 %
Mittwoch 14:00 Uhr DE: Verbraucherpreisindex März (Jahr) 6,3 % 5,1 %
Mittwoch 14:00 Uhr DE: Verbraucherpreisindex März (Monat) 1,6 % 0,9 %
Mittwoch 14:15 Uhr USA: ADP – Neue Stellen im Privatsektor März 438k 475k
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - -2,508
Donnerstag 03:30 Uhr CHN: Einkaufsmanagerindex März 50,8 51,2
Donnerstag 9:55 Uhr DE: Veränderung der Arbeitslosigkeit März -20k -33k
Donnerstag 15:45 Uhr USA: Chicago Einkaufsmanagerindex März 56,6 56,3
Freitag 9:55 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Deutschland Verarbeitendes Gewerbe März 57,6 58,4
Freitag 11:00 Uhr EU: Verbraucherpreisindex März (Jahr) 6,6 % 5,9 %
Freitag 14:30 Uhr USA: Neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft März 478k 654k
Freitag 14:30 Uhr USA: Durchschnittliche Stundenlöhne (Jahr) 5,5 % 5,1 %

Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com

Autor: Hannes Zipfel
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