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Stand: 16.08.2021 von Hannes Zipfel
Die Preisinflation bleibt trotz auslaufender Basiseffekte historisch hoch. Vorlaufindikatoren wie der deutsche Großhandelspreisindex signalisieren anhaltenden Aufwärtsdruck bei der Teuerung. In dieser Woche werden neue Daten zu den Erzeugerpreisen die Fortsetzung dieses Trends wohl ebenfalls bestätigen.
Die Inflation und das Märchen vom Basiseffekt

Inflation: Größter Preissprung seit 1974

Ein wichtiger Vorlaufindikator für die Konsumentenpreise sind die Preisveränderungen im Großhandel. Die Prognosen für den Anstieg lagen hier mit 10,1 Prozent für den Juli bereits sehr hoch. Tatsächlich sprang der am vergangenen Freitag veröffentlichte Preisindex um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach oben.

Laut Destatis war das der stärkste Jahresanstieg seit Oktober 1974.

Bereits seit sechs Monaten hält der Teuerungsschub im deutschen Großhandel unvermindert an. Mit Basiseffekten lässt sich das nicht mehr erklären. Die pandemiebedingten Preisrückgänge lagen im vergangenen Jahr in der Spitze bei lediglich 4,3 Prozent.

Insgesamt bildeten sich die Preise im Gesamtjahr 2020 um 1,12 Prozent zurück.

Startet man die Berechnung des Preisindex für den deutschen Großhandel noch vor dem Ausbruch der Pandemie am 1. Januar 2020 mit 100 Punkten, so steht dieser Index zum 31. Juli 2021 bei 109,74 Zählern. Damit liegt die Teuerungsrate der letzten 19 Monate im Großhandel auch unter Berücksichtigung des Corona-Basiseffekts fast im zweistelligen Bereich.

Ein weiterer wichtiger Frühindikator, der den Großhandelspreisen zeitlich noch vorgelagert ist, wird am kommenden Freitag veröffentlicht: der Erzeugerpreisindex für Deutschland.

Auch hier rechnen die Analysten mit einem historischen Anstieg in Höhe von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das wäre der stärkste Preisschub seit Januar 1975. Im Vergleich dazu lag der größte Rückgang der Erzeugerpreise im Corona-Jahr 2020 in der Spitze bei lediglich -2,2 Prozent.

Sollte sich die Prognose für den Juli-Wert in Höhe von +9,2 Prozent auf Jahresbasis und +0,8 Prozent auf Monatsbasis bestätigen, dann stünde auch der Erzeugerpreisindex deutlich über dem Niveau von vor dem Ausbruch der Pandemie.

Ein Ende der Preisinflation ist nicht abzusehen

Zum Weihnachtsgeschäft rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE), das Sprachrohr des deutschen Einzelhandels, mit einem zusätzlichen Preisschub. Höhere Energie- und Rohstoffpreise, zum Teil massive Lieferengpässe, stark gestiegene Frachtraten und höhere Lagerkosten würden dann voll auf den Endverbraucher durchschlagen.

Das Weihnachtsgeschäft startet offiziell am 1. November.

Bis zum Jahresultimo könnten die Verbraucherpreise um bis zu fünf Prozent ansteigen. Aber auch Teuerungsraten darüber hinaus sind denkbar. Zuletzt hatten die chinesischen Behörden wegen eines einzigen Corona-Falls den zweitgrößten Containerhafen des Landes komplett geschlossen.

Deutsche Reeder befürchten nun massive Auswirkungen auf die Lieferketten.

Bereits über 40 Containerschiffe stauen sich vor dem Hafen Ningbo-Zhoushan. Die Null-Toleranz-Strategie der Chinesen in Bezug auf Covid-19 könnte in den kommenden Wochen im Zuge der vierten Corona-Welle zu weiteren Störungen der globalen Lieferketten führen.

Mehr als 70 Prozent des in Deutschland verkauften Spielzeugs wird in China produziert und über den Seeweg importiert. Der Preisauftrieb könnte durch weitere Behinderungen der Handelsschifffahrt in der für den deutschen Einzelhandel umsatzstärksten Zeit zusätzlich an Dynamik gewinnen.

Darüber hinaus wirken auch administrative Preiserhöhungen, wie zum Beispiel die Anhebung der Umsatzsteuer sowie die sukzessive steigende CO2-Bepreisung inflationstreibend.

Zuletzt erhöhten sich die deutschen Verbraucherpreise im Juli 2021 mit einer Jahresrate von 3,8 Prozent. Höhere Inflationsraten gab es zuletzt vor 28 Jahren.

Verbraucherstimmung verharrt im negativen Bereich

Langsam erwacht das Bewusstsein in der Bevölkerung für das Thema Inflation sowie das Unbehagen darüber. Schließlich steigen sowohl die Arbeitseinkommen als auch die staatlichen Transferleistungen deutlich langsamer als die Verbraucherpreise.

Das GfK-Konsumklima hat sich im August nicht wie erwartet verbessert, sondern stagniert bei -0,3 Punkten und liegt damit sogar leicht niedriger als im August 2020 (-0,2 Punkte). Das Märchen von der temporären Preisinflation, das primär Basiseffekten geschuldet ist, verfängt von Monat zu Monat weniger.

Wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 33 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 13:00 Uhr DE: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank (BuBa) zur Konjunktur- und Preisentwicklung - -
14:30 Uhr USA: Empire State Manufacturing Index August 29,0 43,0
Dienstag 14:30 Uhr USA: Einzelhandelsumsätze Juli (Monat) -0,2 % 0,6 %
USA: Einzelhandelsumsätze Juli (Jahr) - 17,98 %
15:15 Uhr USA: Industrieproduktion Juli (Monat) 0,5 % 0,4 %
Mittwoch 14:30 Uhr USA: Baubeginne Juli in Millionen 1,602 1,643
16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Barrel (KW 32) - -0,447 Mio.
20:00 Uhr USA: Protokoll der letzten Zinssitzung der US-Notenbank Fed - -
Donnerstag 01:00 Uhr JP: Tankan Konjunktur-Index - 25
14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (KW 32) 360k 375k
USA: Philadelphia Fed Herstellungsindex 25,0 21,9
16:00 Uhr USA: Konjunkturfrühindikator Juli 0,8 % 0,7 %
Freitag 08:00 Uhr DE: Erzeugerpreise Juli (Monat) 0,8 % 1,3 %
DE: Erzeugerpreise Juli (Jahr) 9,2 % 8,5 %
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von der deutsche Michel | 16.08.2021, 19:53 Antworten

Sehr guter Kommentar !!! Aber der Dumme Deutsche kapiert so etwas NIEMALS !!!

1 Antwort an der deutsche Michel anzeigen
von LK meeRettich | 18.08.2021, 18:43 Antworten

Zum Basis-Effekt gehört auch, daß der Spielraum zur Geldschöpfung begrenzt ist. Um Preisstabilität zu halten darf man durch Kreditvergabe nur soviel Geld (Seniorage) schöpfen, wie durch produzierte Waren gerade noch gedeckt ist. Dabei ist es völlig gleich, ob man das nun an steigenden Erzeugerpreisen oder Lebenshaltungskosten fest macht.
Das PEPP (Anleihekauf) -Programm der EZB hat bereits ein Volumen von ca. 2 Billionen, während die Wirtschaft Corona-bedingt krankt. Überbordende Schulden gab es jedoch schon vor Corona, und die werden durch Aussetzung der Insolvenz-Pflicht weiter aufgeblasen. Hier droht eine Domino BANKROTT Welle.
Also, selbst wenn man es irgendwie schafft, die Schulden-Blase zu stabilisieren, („Maß halten“ statt Wachstum, „was immer es kostet“) so werden wir eine langjährige Zeit der STAG-FLATION erleben. (Strauß und Schiller lassen politisch grüßen.)
Wer sich einbildet, er könne mit moralistisch überhobenen Krediten Wahlgeschenke verteilen, wird zwangsläufig Bekanntschaft mit einem ungeliebten Vogel machen, der seine Eier in fremde Nester legt. Die Überhöhung nationaler Positionen ist da auch KEINE ALTERNATIVE

von PuppetsGoWest | 16.08.2021, 23:58 Antworten

Wenn die Basis umstellt ist sollte man wie eine Rakete (durch-)starten.

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